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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-04-12 · Heft 16 (12.4.1858) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 16 (12.4.1858)
Date
1858-04-12
Page
Seite 222 (sequence 12)
Language
German
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S22 techniker gesammelt; zerschlugen manchen Bolus, manches Gestein des Habichtswaldes. Bald hatten wir Cassel erreicht. Wie so viele deutsche Städte, so hat auch Cassel seine Judengaffe, obwohl heute dahier wenig oder gar keine Israeliten wohnen. Da hier nichts Merkwürdiges zu sehen ist, so begeben wir uns sofort in die Mahlgaffe, in welcher wir, da wir uns einmal vorgenommen haben, die in der Zugend liebgewordenen Plätze abermals zu besuchen, die M. S. Meßner'sche Buch-, Antiquariats - und Kunsthandlung aufsuchen. Die Meßner'sche Buchhandlung gehört zu den vorzüglichsten der Refidenz und find die Herren Moses und Michael Meßner im Hessenlande bei allen Confesfionen sehr beliebt. Auch besuchten wir gleichzeitig die in derselben Straße befindliche polytechnische Schule. Zm Polytechnicum fragten wir vergebens nach unserm frühern Lehrer Herrn Altenberg, der, obwohl Israelit, doch jahrelang den kaufmännischen Unterricht den Polytechnikern ertheilte; war doch dieser Biedermann in die Ewigkeit übergegangen. Doch verlassen wir diesen Theil der Stadt und wenden wir uns nach dem Ständeplatz. Vor uns stehen in zwei Reihen die prachtvollsten Gebäude der Refidenz, unter welchen das Ständehaus vor allen hervorragt. Unseres Wissens hat in demselben nur ein einziges Mal ein Israelit, Namens Hahndorf, als Deputirter gesessen, ein Beweis, daß in Hessen die papierne Verfassung nie zur Wahrheit kam. Da in dieser Straße Herr Landrabbiner Dr. Adler wohnt, so besuchten wir gleichzeitig diesen Biedermann. Da die Feiertage den Herrn Landrabbiner sehr in Anspruch nehmen, so war es uns nicht vergönnt, lange mit diesem Manne zu verkehren. Herr Dr. Adler hat das Synagogen- und Schulwesen in Hessen um Bedeutendes gehoben und wird in dem unter seiner Leitnng stehenden Lehrerseminar, an welchem auch die Herren Leesong und vr. Leviseur*) wirken, Tüchtiges geleistet. Obwohl die vom Landrabbinate entworfene Synagogenordnung noch der Genehmigung der hohen hesfischen Regierung harret, so erfreut sich dennoch der Gottesdienst der Refidenz und der Landgemeinden der schönsten Ordnung und wird in dieser Hinsicht Herr Landrabbiner vr. Adler von den Herren Rabbinen vr. Enoch, Wetzlar, Goldmann rc. unterstützt. Cassel "ist der Sitz des israelitischen Vorsteheramtes der Provinz Niederhessen, dem die Kreisvorsteher und Gemeinde¬ *) Herr Dr. Leviseur ist seit Jahren Vorsteher einer renommirten Penfionsanstalt und Lehrer der israelitischen Religion an der städtischen Realschule in Cassel. ältesten der Provinz untergeordnet find, hat einen ausgezeichnet schönen Tempel, ein israelitisches Waisenhaus, ein Krankenhaus, eine israelitische Armenschule, vorzügliche israelitische Privat-Erziehungs- und Pensionsanstalten u. s. w. Gegen Abend setzten wir unfern Abstecher mit dem Dampfrosse weiter fort und erreichten nach wenigen Stunden Hofgeismar. Hofgeismar hat eine wohlorganisirte israelitische Bürgerschule, an welcher Herr vr. Haas den höhern wissenschaftlichen Unterricht ertheilt. Herr Kreisrabbiner vr. Haas genießt als Rabbiner und Schuldirector die Achtung seiner Gemeinde im vollsten Maße. Jedenfalls wird durch die Ueberfiedelung dieses Gelehrten nach Württemberg das hessische Landrabbinat eine bedeutende Kraft verlieren. (Schluß folgt.) Anzeigen. New-Uork, Januar 21, 1858. Ein guter )in wird verlangt bei der israelitischen Gemeinde ■on Greene Street, Rew - F) ork. Ein Kandidat hat nebst einem guten, moralischen Charakter folgende Fähigkeiten zu besitzen: nämlich eine deutliche, sich gut verständlich machende Aussprache der Gebete; eine angenehme Singstimme zu haben und guter amp zu sein; auch so viel Musik zu verstehen, um einen Chor bilden und leiten zu können. Der jährliche fire Gehalt war bis jetzt 1000 Dollars (2500 Gulden); derselbe kann sich aber bis auf 1500 Doll, erheben, je nachdem der Jncumbent bei obiger Gemeinde Beifall findet. Jeder sich Meldende hat seine sämmtlichen Certificate dem Unterzeichneten Comite längstens bis 15. Mai d. I. zu übermachen und fich demselben auf eigene Kosten persönlich vorzustellen, indem am 8. Juni die Wahl dieses Dienstes vor sich geht, welche sich vorläufig auf ein Jahr beschränkt; jedoch ist die zweite Wahl auf drei und die nächstfolgende auf fünf Jahre festgesetzt. Henry Davidfon, 2l*6th. Avenue. Simon Galinger, 331 8th. Avenue. Zum 15. April c. soll die hiesige Cantor-, Schächter- und 8-ip-Stelle, verbunden mit einem auskömmlichen Gehalte und freier Wohnung, anderweit — jedoch mit einem Nichtpolen — besetzt werden. Geeignete Reflectanten belieben fich deshalb baldigst persönlich an uns zu wenden. Reisekosten werden nicht erstattet. Schwersenz, im März 1858. Der Synagogen-Cultus-Vorstand.

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