Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1858)
- Date
- 1858-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ fi»r alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 5. April 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Re» gifters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22j/2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Nur keine Zweideutigkeit! — Das wahre Lebensprincip des JudenthumS. — Großbritannien. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten': Deutschland: Fürth, aus Württemberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag. Die Schweiz: Ober-Endingen, Bern. Schweden: Stockholm. Rußland: Aus Litthauen. Leitende Artikel. Magdeburg, 28. März. Nur keine Zweideutigkeit! Das fehlte noch, daß jene verwerfliche Zweideutigkeit, welche jetzt so viele Juden im Leben hinsichtlich ihres Glaubensbekenntnisses sich zu Schulden kommen lassen, auch in die Literatur übergehe, und dieser damit einen falschen Charakter aufpräge! Es war bisher ein Vorzug der jüdischen Literatur, daß in derselben eine Offenheit und Unumwundenheit herrschte, welche, weit entfernt von Gehässigkeit und Feindseligkeit, doch im vollen Selbstgefühl die eigene Ueberzeugung in Glaubenssachen ohne Hinterhalt aussprach, und die Grundsätze nicht verwischte, welche einmal in der Menschheit bestehen, und nicht bestimmt find, durch abfichtliche Nachgiebigkeit, Connivenz, oder gar Fuchsschwänzerei ausgeglichen zu werden, sondern allein durch männlichen Kampf und eine ausdauernde Entwicklung. Einige neuere jüdische Schriftsteller haben einen Unterschied zu machen versucht in ihren Darstellungen, wenn sie glaubten „für Juden" oder „für Christen" zu schreiben, und in letzteren Fällen „den Ansichten der Nichtjuden einige Zugeständnisse zu machen", indem man dies damit entschuldigt, „daß diese dann die Rechtsertigung des Judenthums und der Juden um so eher in den Kauf mitnehmen." Wir müssen dies mit aller Kraft verwerfen. Fern sei es, irgend eine Schmähung gegen Andersgläubige auszusprechen, verwerfende Urtheile, Verleumdungen u. s. w. auf religiösem Gebiete gegen andere Parteien, seien ste schwache oder starke, sich zu gestatten; wir dürfen hierin niemals Gleiches mit Gleichem vergelten, und es würde immer ein rühmlicher Vorzug jüdischer Autoren sein, wenn sie, nach dem Beispiele Mendelssohns auch in der äußersten Versuchung Weisheit, Gerechtigkeit und Milde niemals aus den Augen verlören. Aber um so unbedingter ist die Forderung der Entschiedenheit und der unterschütterlichen Charakterfestigkeit, welche wir in Glaubenssachen an den jüdischen Autor zu stellen haben. Wir wiederholen, was wir bei früheren Gelegenheiten schon öfter aussprachen: auf keinem Gebiete ist Diplomatie und absichtliche Transaktion so durchaus verwerflich und schädlich, wie auf dem religiösen; auf keinem wird die Zweideutigkeit so leicht zur Falschheit, ja zum Truge, wie auf dem religiösen. Es ist kein Autor genöthigt, sich über die religiösen Gegensätze auszusprechen; er kann, wenn er nicht den Muth in sich fühlt, seine volle Ueberzeugung hervortreten zu lassen, oder es nicht für zweckmäßig hält, sich sein Thema