Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1858)
- Date
- 1858-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226108--16793-3245666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
82 Jahrgang JW 14. Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 29. Marz 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titel-, Re« gisters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckes, derselben die allgemeinste Berbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 THIr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 V2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Kreuzzeitungspartei und das Judenthum. — Ueber den Verfall der Völker. U. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Versammlung der preußischen Rabbinen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bückeburg, Hamburg, Leipzig. Preußen: Anclam, Anclam. Oefterreich i sch er Kaiserstaat: Wien, Nicolsburg, Prag. Die Schweiz: Ober-Endingen. Großbritannien: London, London. Nordamerika: San Francisco. Leitende Artikel. Magdeburg, 21. März. Die KreuHeitungspartei und das Iudenthum. Niemand hat es bis jetzt unternommen, sei es auf politischem und socialem, sei es auf religiösem Gebiete, gegen die Berliner Kreuzzeitungspartei mit Gründen zu streiten. Und wir haben nicht im Geringsten im Sinne, eine Ausnahme hiervon zu machen. Denn mit Gründen läßt sich einmal gegen die Auslassungen dieser Männer Nichts ausrichten, weil sie selbst niemals mit Gründen angreifen, auf Gründe hören und sich um Gründe bekümmern. Ihnen gilt es nur, was für ihre Zwecke und Absichten tauglich scheint, behaupten, was jenen entgegentritt, verwerfen. Statt Gründe werden dann Grobheiten, Injurien und Verdrehungen auf Leute und Dinge geschleudert. Je mehr dies die Welt weiß, je mehr auch bereits die Jnvectiven der Kreuzzeitungspartei an Gewicht und Einfluß verloren haben, desto eher kann man sich darauf beschränken, nur ihrer Anmaßung entgegenzutreten, und sie mit eben so vieler Entschiedenheit wie Verachtung abzuweisen. Dann ist der Sache vollständig Genüge geleistet. Die schlagendsten Gegengründe, die vernichtendste Beweisführung würde ja jene Leute doch nicht abhalten, dasselbe Geschwätz immer zu wiederholen, dieselben Anklagen und Verleumdungen immer wieder zu erheben. Gegen das Judenthum, abgesehen von den Juden selbst, hat die Kreuzzeitungspartei folgendes Manöver von Beginn an verfolgt. Sie behauptet, daß das Judenthum in der Phase, in welche es im 16. und 17. Jahrhundert gekommen, das allein wahre, von Moses auf dem Sinai festgestellte Iudenthum sei) also das Judenthum des Ghetto, das Iudenthum der Ignoranz und Uncultur, das Judenthum der Minhagim. Was von diesem, jetzt selbst in Rußland und Polen nicht mehr vorhandenen Judenthume auch nur eine Linie abweicht, ist kein Iudenthum, ist Abfall vom Juventhume; jeder Jude, der an jenem nicht aufs Strengste festhält, ist von Gott abgefallen; wer von Gott abfäüt, fällt auch von König und Vaterland ab. Dies ist die Logik der Kreuzzeitungspartei. Niemanv wird verlangen, daß man ein solches Gewebe von Lug und Trug, von willkürlichen Annahmen und absichtlichen Täuschungen zu beleuchten auch nur die Miene mache; denn seine Farbe ist hinlänglich sichtbar. Man will die preußischen Juden verdächtigen, politisch denunciren und religiös brandmarken, und erreicht dies mit der leichtesten Mühe auf die