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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-03-15 · Heft 12 (15.3.1858) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 12 (15.3.1858)
Date
1858-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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22. Jahrgang. JW 12. Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Hcrausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 15. März 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montags, und wird jährlich gegen 80 Dogen und darüber in Quart iucl. des Titels, RegisterS u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22^2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königs. Sachs. ' Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber den Verfall der Völker. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Württemberg, aus dem Rabbinatsbezirke Merchingen, Altona. Preußen: Berlin, aus Preußen, Lauenburg i. P. Oesterreichischer Kaiser st aat: Pesth. Leitende Artikel. Magdeburg, 8. März. Ueber den Verfall der Völker. Ein Moment bildet den Lebensmittelpunkt deS ganzen Prophetismus, und um deffentwillen haben wir den schriftlichen Nachlaß desselben „das Buch derVölkergeschichte" genannt*): daß die sittliche und religiöse Entartung der Völker, welche auch ihre Machtstellung und Lebenskraft sei, unrettbar den Verfall und den Untergang derselben herbeiführe; sowohl die Erschöpfung ihres eigenen Lebens, die Erschlaffung ihres ganzen Organismus, als auch das göttliche Verhängniß bringen früher oder später, schneller oder langsamer das Ende ihrer Herrschaft, das Aufhören ihres Daseins herbei. Hier ist es nun, wo die Propheten die Wege der Völker von denen Israels sich scheiden sehen. Denn während dieses „göttliche Straf¬ *) S. unsere Einleitung zu den Propheten in unftrm Bibelwerke, Bd. II. S. 1560, gericht", welches eben so sehr in den natürlichen und ununterbrochen eintretenden Folgen der Selbstverderbniß, als auch in den durch die göttliche Vorsehung herbeigeführten Vernichtungskämpfen besteht, alle die, der sittlichen Entartung sich anheimgebenden Nationen zum Untergang ereilt, ist es für Israel ein Lauterungsproceß, aus welchem es entsühnt und verjüngt zu neuem und bedeutendem Dasein hervorgeht. Denn der Beruf Israels, für die Menschheit der Träger der wahren und ganzen Gotteslehre zu sein, erfordert den dauernden Bestand dieses Volksstammes, und der Umstand, daß Israel eben nur einer Idee lebt, materielle Herrschaft nie erstrebt hat, und in den Conflict der Völker nur defensiv hineingeriffen worden, ermöglicht diesen dauernden Bestand. Dies ist es, was der Prophetismus den Völkern zu sagen hatte, was diese allerdings nie begriffen, und was sie noch heute nicht begriffen haben. Denn noch hat kein Volk eristirt, welches, trotz den offenbarsten Zeichen seines Verfalls, diesen erkannt und durch Besserung, Hebung der Sitten und neuen Aufschwung seines geistigen Lebens aufgehalten hätte. Und wenn auch einzelne Stimmen diesen Verfall klar genug charakterisiren, so verlieren sich diese stets in dem Strom lobhudelnder Phrasen über den Fortschritt der Cultur, über den wachsenden Glanz und Wohlstand: eben so wie die Mahnreden der Propheten selbst von dem Kreischen der falschen Propheten und dem Pomp der Priester verdeckt wurden. Wir sagten oben „die sittliche und religiöse Entartung". Denn auch bei den Propheten klingt keine ab-

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