Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 6 (1.2.1858)
- Date
- 1858-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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LL Jahrgang. A l l g e IN e i n c « Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«»« in Magdeburg. Leipzig, den 1. Februar 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des TirelS, Re» gisters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst nie» drig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 '/r Ngr. für daS Vierteljahr angesetzt wordrn. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs»Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum in Frankreich. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms, Frankfurt am Main. Preußen: Cleve, Berlin, Breslau. Oesterreichischer Kaiserstaat: SikloS, Wien, Wien. Leitende Artikel. Magdeburg, 25. Januar. Das Iudenthurn in Frankreich. ES ist nicht unsre Absicht, unter obiger Aufschrift über die staatliche Stellung des Judenthumü in Frankreich als eine vom Staate anerkannte und in ihren Instituten unterhaltene Religion in Betracht zu ziehen, oder gar über die staatsbürgerliche und sociale Stellung ihrer Bekenner zu referiren. Auch das liegt nicht in unserm Sinne, über den religiösen und sittlichen Zustand unserer französischen Glaubensgenossen Beobachtungen und Beirachtangen anzustellen. Vielmehr wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die Frage lenken, in wie weit das Judenthum in seinem Lehr- und Gedankeninhalt in seinem Bestände und Fortbestände als Religion auch in Frankreich einer allgemeineren Anerkennung sich nähere oder nicht? Die Wichtigkeit dieser Frage überhaupt kann Niemandem entgehen. Sie hat eine solche nach zweien Seiten hin; einerseits rückwirkend auf die Judenheit selbst. Denn aus den historischen Verhältnissen der Juden heraus und auf dem Standpunkte, welchen sie in der gegenwärtigen Zeit einnehmen, übt die Achtung, welche die Religion Israels auch in der Außenwelt sich erringt, einen nicht geringen erhebenden und belebenden Einstuß auf die Juden selbst aus. Es ist wahr, der charakterfeste und überzeugungstreue Mensch wird in Dem, was als Heiligstes und Erhabenstes in ihm lebt, von dem Urtheile Anderer nicht abhängen. Aber eben die Charakterfesten stnd in unserer charakterarmen Zeit auch unter den Juden eine Seltenheit geworden und die Strömung der allgemeinen Meinung hat auch bei ihnen alle Dämme der Selbstständigkeit durchbrochen. Andrerseits kann das Juventhum nur dann erst seinen Theil der Erleuchtung des religiösen Geistes, der Förderung und Erhaltung des sittlichen Lebens, der Erkräftigung der Gesellschaft in der allgemeinen Menschenwelt vollbringen, wenn es als ebenbürtig mit den übrigen religiösen Erscheinungen anerkannt worden, wenn jene Mißachtung, welche die übrige Welt seit Jahrhunderten sich ihm gegenüber angewöhnt hat, geschwunden ist und die Verleumdung, welche die Fanatiker und Heuchler gegen dasselbe zu schleudern immer geneigt sind, immer mehr verstummen muß. Wir meinen insbesondere, daß jene von unseren Gegnern mit Fleiß und Absicht immer wieverholte Ansicht, als ob das Judenrhum eine Mumie der Vorzeit sei, die, längst erstarrt, nur durch die Hartnäckigkeit ihrer Angehörigen conservirt werde, mit einem Morte, daß das Judenthum durch das Entstehen der beiden positiven Sie-