Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 5 (25.1.1858)
- Date
- 1858-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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22. Jahrgang. J* 5. Allgemeine Zkiturlg des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 25. Januar 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22'/2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worben. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die fortschreitende Entwickelung. — Einige Fragen aus dem Gebiete der jüdischen Homiletik. II. — Der Tod der Rachel. — Eine geschichtliche Bemerkung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Württemberg, Kreis Gießen. Oe ftcrrei ch i sch er K a i s e r st a a t: Aus dem Banat. Rußland: Mitau, Mitau. Leitende Artikel. Magdeburg, 17. Januar. Die fortschreitende Entwickelung. In der Sprache unsrer Väter ist der gewöhnliche Ausdruck für Monat nicht, wie im Deutschen, im Zusammenhänge mit dem Monde, nach dessen Lauf der Monat bestimmt ist, sondern Min von uhn, „neu sein") denn wenn das Wort tvt auch Monat heißt, und mit rn;, der Mond, eine Wurzel hat, so ist es doch selten, und die eigentliche Bezeichnung Min, also das Neue. Im Gegensatz heißet das Jahr vom Stamme rrrd, wiederholen, also die Wiederholung, das sich Wiederholende. Die eine große Zeitbestimmung bezeichnet also das Neue, während die andere das sich Wiederholende; es wurden demnach von dem ursprünglichen Geiste der Sprache in der Tiefe schon im Begriffe der Zeit die beiden Gegensätze gefunden und niedergelegt: das Jmmerneue und das Jmmerwiederk^hrende, Jmmersichwiederholende — und damit die große Frage angedeutet, welche den Geist des Menschen bewegt: ist in dieser Welt Alles nur eine ewige Wieverholung derselben Erscheinungen, ein nach ewigen Gesetzen immerfort sich abschwingender Kreislauf? Over giebt es eine fortschreitende Entwickelung, wo Neues stch an Neues legt, uns selbst vas sich Erneuernde ein Anderes mit sich bringt, das vordem noch nicht gewesen? — Ihr werdet die Autorität des weisen Previgers anrufen: „was da war, das wird sein, und was geschehen, wirv geschehen", MÄN nnn MN b2 VW „es giebt nichts Neues unter der Sonne" (Koh. 1, 9.). Aber, kann man entgegnen, „unter der Sonne!" d. h. innerhalb der körperlichen, der natürlichen Dinge auf dieser Erden, wie sie unter der und um die Sonne stch bewegt — aber steht der Geist des Menschen, der ebenbildlich dem Gottgeiste, nicht über der Sonne, und kann er unter die Dinge dieses in der Zeit sich immer Wieverholenden gezählt werden? steigt nicht ein hoher Gedanke, ein edles Gefühl, eine That voll selbstverläugnender Aufopferung über alle Sonnen und Sterne hinaus, die doch nur dem ihnen von Gott eingesenkten Gesetze folgen? Verkündet nicht Jeschajah, daß Gott selbst einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen werde? (65, 17.; 66, 22.), ruft er nicht aus: man nrtf NMN ,,siehe, Neues bereit' ich, jetzt sprießt es empor!" (43, 19.) nicht eben so Jirmejah: ynan NMN 'n ans ■o „Neues schaffet der Ewige auf Erven" (31, 22.). Ja, auch einen neuen Bund mit Israel werde der Herr schließen (31, 31.) und einen neuen Geist in das Innere seiner Söhne legen!?