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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 54 (sequence 12)
Language
German
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54 „Verheißung ihrsr Weltherrschaft sei zum Theil schon „erfüllt, denn die Könige und die Bauern hätten sie „schon in ihrer Gewalt." — So weit der Bericht jener Zeitschrift. ES ist dies in der That ein trauriges Zeichen von vorhandenen sittlichen Schäden unserer Zeit, wenn Männer, die sich Prediger der Liebe nennen, sich sammeln und glühenden Haß gegen andere ReligionSbekenner predigen, wenn man in einem Kreise von Männern, die Lehrer der Liebe und der Wahrheit sein wollen, durch gehässige Ausfälle sein Müthchen gegen Diejenigen zu kühlen sucht, welche nicht Gegenrede leisten und die offenbarsten Verleumdungen als solche brandmarken können, ja wenn man in einer Versammlung, die eben im Begriff steht, über den sittlichen Zustand ihrer Zeit zu Gericht zu sitzen, sich nicht scheut, die offenbarsten Unwahrheiten und die ge hässig st en Beschuldigungen gegen eine ganze religiöse Gesammtheit auszusprechen, und Niemand in einer solchen Versammlung auftritt, um der Wahrheit Zeugniß zu geben und solchen Redner auf den Mund zu schlagen. Wir wollen es nicht einem Hofcaplan verübeln, wenn er in seinem Feuereifer für die Sonntagsfeier die Juden in seiner Klage mit heranzieht; — aber statistischen Beweis müßte er für Das, was er behauptet, liefern, documentirt und verbrieft müßte er das aufweisen können, ehe er in einem Kreise von gläubigen, frommen Kirchenmännern eine solche Hamansanklage über die Juden erhebt. Die Geschichte, die der fromme Geistliche von einem Rabbiner mit solcher Bestimmtheit erzählt, ist durchaus unglaublich und scheint nur ersonnen zu sein, um der Behauptung, daß die Juden zwei Drittel des Bodens an sich gebracht hätten, einen Schein von Wahrheit zu geben. Wir kennen wenigstens keine Richtung im Juvcnthume, die eine solche Lehre, wie sie Herr Schlosser einem Rabbiner in den Mund legte, predigt und welche das alö die Weltherrschaft des Judenthums je betrachtet hat, noch betrachten wird. Bei der Vorstellung, die diese frommen Herren einmal mit dem Judenthume verbinden und bei der Gesinnung, die sie so unverhohlen gegen dasselbe an den Tag legen, dürften sie, wenn wir uns auch auf das einstimmige Zeugniß sämmtlicher Rabbinen beriefen, schwerlich zu überzeugen sein, daß das Judenthum ein ganz anderes Ziel als die Herrschaft über Bauern und Könige vor Augen habe und daß dieses Ziel kein anderes sei, als der Sieg der reinen, unverfälschten göttlichen Wahrheit über Menschenwahn, der Sieg der Gerechtigkeit und reinsten Sittlichkeit über alle Bosheit und Schlechtigkeit, der Sieg der Liebe über allen Glaubenshaß und Menschenhaß. Um jedoch vor den Augen der Oeffentljchkeit die von Herrn Schlosser ausgesprochenen Beschuldigungen im rechten Lichte erscheinen zu lassen, dürfte eS für die Rabbiner Hessens eine heilige Pflicht sein, denselben vor Gericht oder vor das Forum des Publikums zu laden und ihn aufzufordern, den Rabbiner zu nennen, der nach seiner Behauptung jene Lehre gepredigt hat. Es wird sich dann die ersonnene oder leichtsinnig nacherzählte Mittheilung als Unwahrheit selbst zu erkennen geben. — Als ein Beweis, daß nicht nur unsere offenen Feinde, sondern auch Diejenigen, die sich unsere Freunde nennen, unwissend sind, dürfte nachstehende curiose Stelle aus den .4rcliives du christianisme dienen. In der Nummer vom 26. September c. befindet sich in dieser in Paris erscheinenden protestantischen Zeitung ein von Pastor Robineau verfaßter Artikel, überschrieben: Rstablissement d'lsrael, worin alle „Freunde Israels" aufgefordert werden, sich „aus christlicher Liebe" zu einem Gebete für Erfüllung der verheißenen Wiederherstellung Israels zu vereinen. Als besonders dazu geeigneter Tag wird der Jom Kippur, als der größte und feierlichste der israelitischen Festtage, vorgeschlagen. Der Verfasser fährt dann fort: „1'andis qu'en ce jour la Nation tont enliere, sous le sac et la cendre, demandera avec de grands cris et avec larmes, la venue du Liberalem', qu’elle atlend encore, que le chretiens prient le chef de l’Eglise et le Roi d'lsrael de se manifester ä son peuple et d’operer son retablissement.“ — Was Herr Pastor Robineau sich eigentlich unter retablissement d'lsrael denkt, geht nicht ganz klar aus seinem Artikel hervor; daß aber seine Vorstellung von der Feier des Versöhnungstages falsch und lächerlich ist, davon könnte er sich selbst durch einen Blick in eine Synagoge an diesem Tage leicht überzeugen. Mit Obigem verbinde ich zur Ergänzung meiner letzten Berichte über die Stellung der Juden in Dänemark die erfreuliche Mittheilung, daß vorige Woche ein hiesiger Israelit, der Königliche Münzagent M. Levy in Altona, zum Bankdirector der hiesigen Bank erwählt worden ist. Diese Ernennung ist um

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