Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1858)
- Date
- 1858-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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22. Jahrgang. ,M 3. Allgemeine Zeitung des Judenthnmö. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 11. Januar 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Re« gisters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22 V2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Gächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Blick in die Weltlage. — Einige Fragen aus dem Gebiete der Homiletik. I. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Aachen. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Gaya, Aus Galizien, Wien. Holland: Amsterdam. Die Schweiz: Genf. Correspondenzr Meine Reise über Galizien nach Deutschland. Von Isaac Rosenmeyer, Oberlehrer in Homonna. l. Leitende Artikel. Magdeburg, 3. Januar. Ein Dtick in die Weltlage. Es hat wohl schwerlich schon eine Zeit gegeben, in welcher alle Gebiete des menschlichen Lebens, des Denkens und Handelns, der Idee und der Wirklichkeit in so engem Zusammenhang gestanden, eine solche Solidarität der Ursache und Wirkung zeigten, und darum überall den Charakter der Gemeinsamkeit offenbarten. Gerade aus diesem Grunde ist es um so wichtiger, den Blick auf das Allgemeine nicht zu verlieren, weil wir dadurch um so leichter im Einzelnen klar schauen und uns zurecht finden werden. Um nun einfach auszusprechen, was in der Gegenwart überall als Erscheinung uns entgegentritt, so sagen wir: daß es zwar sehr verschiedene Ansichten, aber keine Parteien mehr giebt. ES ist nicht zu verkennen, daß eine Auflösung der Parteien vor sich gegangen, so sehr, daß selbst ihre Namen nur noch als Anklänge der Vergangenheit erscheinen und st« nirgends mehr einen tieferen Antheil zu erwecken vermögen. Wir wissen zwar sehr wohl, daß in diesem oder jenem Erd» theile dies nicht ganz zutrifft, und wo die Interessen, wie z. B. in den Vereinigten Staaten, sich so schroff gegenüberstehen, müssen sie auch Parteikämpfe Hervorrufen. ES entgeht uns auch nicht, daß Versuche gemacht werden, Parteien aufrecht zu erhalten, wie z. B. die Ultramontanen aller Kirchen, Confessionen und ReligionSgenoffenschäften. Aber mögen sie auch hier und da einen Augenblick Raum gewinnen, mögen sie absichtlich noch so große Extravaganzen wie Schwärmer in den Nachthimmel aufsteigen lassen, eine kurze Zeit fesseln fie die Blicke der Welt, um schnell wieder zu verschwinden, ihr Funkeln und ihr Prasseln ist gleicher Weise spurlos vorüber. So ergeht eS in der Gegenwart allen Erclusiven und ihr Fortbestand ist nur mühsam und gemacht. Wer den Erweis hierfür will, braucht nur nach Oben wie nach Unten zu schauen. Die Regierungen, mit nur geringer Ausnahme, sehen über Alles, was einen Parteicharakter verräth, weise hinweg und haben nur die Forderungen und Bedürfnisse im Auge, welche aus den Verhältnissen hervorgehen; und eben so verhallt in der Masse deS Volkes jeder Parteiruf und selbst Diejenigen, welche eine selbstständige Ansicht hegen, wollen von der Durchführung ertremer Consequenzen nichts wissen. Sehen wir