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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-04 · Heft 2 (4.1.1858) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 2 (4.1.1858)
Date
1858-01-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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22. Jahrgang. jw* s. Allgemeine Zeitung -es Zudcnthvms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. H e r a u s g e g e b e n v o n Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 4. Januar 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 221/2 Ngr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Mahnung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Württemberg. Preußen: Quedlinburg, aus Schlesien. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Prag, Temesvar. Großbritannien: London. Die Schweiz: Endingen. Holland: Groningen. Leitende Artikel. Magdeburg, 1. Januar. Die Mahnung. Sieb, all' Dies thuet Gott, zwei-, dreimal mit dem Manne: zurückzubringen seine Seele von der Grube, erleuchtet zu werden im Lichte des Lebens. (Jjob 33, 29. 30.) Keine Zeit hat der Mahnungen an die göttliche Vorsehung, welche die Menschheit und die Menschen leitet, so viele erfahren, wie die unsrige. In einen kurzen Zeitraum drängte sie gewaltige Ereignisse, lehrende und mahnende, wie sie sonst kaum durch Jahrhunderte gestreut werden. Dabei ist das Bewußtsein der jetzigen Menschheit ein so reges, allgemeines, daß der Gedankeninhalt der welterschütternden Begebenheiten dem Menschengeiste nicht verborgen bleibt, sondern mehr oder weniger jene nicht blos als Erscheinung, sondern in ihrer Wesenheit erkannt werden. Um so mehr aber muß man darauf dringen, daß dieses Bewußtsein auch zur Beherzigung führe, daß unter der Wucht dieser Gedanken die Leidenschaft überwunden und die Trägheit und Schwäche, mit welchen man sich dem Laufe der Dinge willenlos hingiebt, besiegt werden. Ja, dieses Bewußtsein muß zur Thatkraft werden, die es vermag, das Leben umzugestalten, den besseren Weg einzuschlagen und sich von dem Schlechten los zu machen, welches mit Lausend Brandmalen in den Seelen und im Leben seine Spuren zurückgelassen. Sehen wir ab von jenen furchtbaren Vorgängen, welche das heute vor einem Jahrzehend beginnende Jahr zu einem der merkwürdigsten der Geschichte machten, von den unermeßlichen Erfahrungen, die in dem kurzen Raume mehrerer Monate gemacht wurden, so ist kaum ein Tag seitdem verflossen, der nicht seine Lehre und seine Mahnung gebracht. Sehen wir nur auf die jüngsten Ereignisse, hat nicht jener orientalische Krieg genugsam gelehrt, daß zwischen den großen Mächten der civilistrten Welt wohl noch Krieg, aber nicht Sieg mehr möglich ist, und so jeder begonnene blutige Streit nur zur Abschwächung der Hadernden führt, und die Niederlage des Einzelnen auch eine allgemeine ist? Hat nicht dieser, von so vielen Greueln begleitete Aufstand in Indien die schwachen Grundlagen einer Herrschaft bloßgelegt, welche die mächtigste, siegreichste, unerschütterlichste zu sein schien? Und welche eindringlichen Lehren, welche tiefgehenden Mahnungen hat nicht die furchtbare Kalamität in der industriellen Welt den Menschen unsrer Zeit nahe gebracht?! Man fragt von allen Seiten, welche die Ursachen

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