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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-30 · Heft 49 (30.11.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 49 (30.11.1857)
Date
1857-11-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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21. Jahrgang. Allgemeine 49. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ firr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. Leipzig, den 30. November 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, MontagS, und wird jährlich 78 Gegen in Quart iucl. des Titels, Registern. s. w. um« fassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 1ö Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/» Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angcsetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs«Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die große Geld- und Handelskrise. — Die Beschneidung in Oesterreich. — Die Gelehrten. — DaS jüdische Volksblatt. —'Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Mainz, Nassau: Weilburg. Preußen: Berlin, aus Pommern. Leitende Artikel. Magdeburg, 22. November. Die große Geld- und Handelskrise. Es sind jetzt vierzehn Monate, daß wir in diesen Blättern die beiden Grundübel unserer Zeit, die SpeculationSwuth und den LuruS besprachen und bekämpften, und noch war das Wort nicht verhallt, als unter dem Heere der Speculanten eine Krise ausbrach, welche, gleich einer Überschwemmung, Alles hinwegriß, was keinen festen, soliden Unterbau hatte. Es zeigte sich da, daß diese Art von Geschäftsspiel in allen Beziehungen Illusion ist, und daß in der Regel der Gewinner gerade so viel wie der Verlierende davon trägt; denn da Beide Nichts haben, kann der Verlust nicht gedeckt werden. Selbst der Gewinn ist also nur imaginär. Ein Jeder fühlte, daß es Zeit sei, daß dieser Wirthschaft ein Ende komme. Man hatte sich längst gefragt, was sollte aus der menschlichen Gesellschaft werden, wenn Fleiß, Geschicklichkeit, Talent, Sparsamkeit mühsam das tägliche Brot erwerben, während Leute, mit dem Spazierstöckchen in der Hand, mit nichts als trügerischen Combinationen beschäftigt, Tausende wie Nichts sich aneignen?! Die Besorgniß war umsonst: Fleiß, Geschicklichkeit, Talent, Sparsamkeit machen noch heute Alles aus wie sonst, und die Männer mit dem Spazierstöckchen haben zuletzt nichts als die Erinnerung an ihre trügerischen Combinationen. Nehmet, rufen wir noch heute aus, Ihr Eltern die Lehre daraus, Eure Kinder von Jugend auf zur Solidität zu erziehen, ihnen mit Nachdruck stets das Unhaltbare aller dieser Truggebilde einzuprägen, und Fleiß, Geschicklichkeit, Talent und Sparsamkeit als die einzigen Wege zu Erwerb und Besitz ansehen zu lassen, daß aber jedes Haschen nackunverdientem Reichthum zum Verderben führe. — Jene Speculantenkrise des vorigen Jahres erscheint aber wie Nichts gegen die große Geld- und Handelskrise, die in diesem Herbste erfolgte. Von jener war die eigentliche Finanz und Industrie kaum berührt; sie galt nur die Schmarotzerpsianzen und das Unkraut, während der prächtige Wald und die gesunde Saat nicht davon betroffen wurden. Aber das fürchterliche Unwetter, welches jetzt heraufgezogen, entladet sich über Alle und zerschmettert die uralten Eichen eben so, wie es das leichte Unterholz hinwegfegt. Es ist nicht unsere Sache, in national-ökonomisch wissenschaftlicher Weise die Ursachen dieser großen Krise zu erforschen und darznstellen. Sagen wir vielmehr nur, was der gesunde Menschenverstand spricht. Wer mehr braucht, als er hat, der kann zuletzt nicht bezahlen; und

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