Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1857)
- Date
- 1857-11-23
- Page
- Seite 661 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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661 ist, die Frucht eines DecenniumS sein kann, und ob nicht Ihre herrlichen Worte: „daß der Fortschritt in der Menschheit sicher, aber allmählig ist" (No. 20. Ihrer Zeitung), auch bei dieser Volksmasse anwendbar sind? — Nur die besonnene Ausdauer und allmählige Entwickelung sind die sichersten, wenn auch die längeren Wege, zum Ziele zu gelangen! Möchte eS dem Lenker unserer Schicksale in seiner Allgüte gefallen, auch aus unserer Mitte hochgebildete und hochherzige, für das Wohl ihrer Nation begeisterte Männer zu erwecken, die die Sache der Civilisation und unseres heiligen Glaubens mit den Waffen ihres Geistes verfechten wollten. — Sie würde dann, von innen heraus strömend, Riesenfortschritte machen, anstatt daß sie jetzt nur den schleichenden Gang langsamer Entfaltung gehen muß. — Jndeß, ich habe schon in meiner vorigen Notiz gesagt, daß auch in unserem Lande schon Viele zur Ueberzeugung gelangt, man müsse mit der Jugend anfangen, und ihr eine bessere, den Erfordernissen der Zeit entsprechende Erziehung geben, um sie für eine bessere Zukunft reif zu machen. — Das Licht der Aufklärung von Deutschland ausströmend, bricht sich nach und nach auch zu unS Bahn; Ihre Zeitungen, die Schriften deö Instituts verbreiten auch bei uns die Strahlen der Bildung, — und beleben durch die geläuterten Ideen über Religionsbegriffe die Herzen der Indifferenten, deren es auch bei uns schon eine ziemliche Anzahl giebt, mit reinem Glaubenseifer. — Jährlich sehen wir viele Jünglinge die Gymnastalwissenschaften aus den Rabbinerfchulen heimbringen. Systematisches Erlernen unserer heiligen Sprache, gründliche Forschung unserer Bibel und die Kenntniß der russischen und deutschen Sprachen und ihrer Literaturen werden mit der Zeit ein neues Geschlecht heranbilden. — Welch eine Lüge ist eS, wenn es in jenem Berichte heißt: „daß die Schüler mit Widerwillen den jüdischen Lehrer anhörcu, und nur Feinde ihres Glaubens werden!" Wie ist eS in einer Schule möglich, wo der in der literarischen Welt berühmte Herr Eichenbaum Inspektor ist, die solche bedeutende Lehrkräfte besitzt, und der von vielen im pädagogischen Fache hervorragenden hohm Persönlichkeiten Anerkennung geworden? — Man frage sich nur, was aus diesen Hunderten Jünglingen geworden wäre, wenn sie im Schmutze der a-rnn verkümmern müßten, um die Tragweite dieser verpönten und geschmähten Schulen ermessen und hinlänglich würdigen zu können. Leon MendelSburg. Türkei. Konstantinopel, im October. (Privamitth.) Ich übersende Ihnen heute eine Notiz, deren Abdruck in der Allg. Zeit. d. Judenth. mir um so wichtiger scheint, als es die Blicke Mancher auf die hiesige Gegend wenden könnte, welche eine andere bleibende Stätte suchen und dem Landbau sich widmen wollen. Bei der gefestigten Sicherheit und bei der wirklich stattfindenden Rechtsgleichheit in der Türkei würden jetzt fleißige Auswanderer hier zu Lande ihre Rechnung finden. So hat sich ein gewisser Israel Rachmicl Klüger, französischer Unterthan von Hüsch, auS der Moldau ausgewandcrt, bei Konstantinopel in Sasle Bazar an der großen Straße nach Adrianopel niedergelassen, Ländereien erworben und diese bebaut. Die heurige, durch seinen Fleiß gewonnene Ernte beträgt 5000 Kilo türkischen Weizen, 15,000 Stück Kraut und 1000 Öko Tabak. K. Anzeigen. "1 ill 2 Restauration und Gastwirtschaft von 8. Hirsche!, Dresden, Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier. Zu ^"8 rn d. I. ist in der hiesigen israelitischen Gemeinde die Stelle eines ütvnü, im, der zugleich Religionslehrer sein muß, zu besetzen. Gehalt 180 Thlr. vorläufig. Nebeneinkünfte 60 bis 80 Thlr. Bewerber wollen sich portofrei durch Einsendung ihrer Zeugnisse an den Vorstand der Gemeinde wenden. Trebnitz in Schlesien, im October 1857. Baeanz. Mit dem 1. Januar 1858 sollen an der hiesigen israelitischen Elementarschule die erste und zweite Lehrerstellen anderweit besetzt werden. Der jährliche Gehalt der ersten beträgt 250 Thlr., und der der zweiten 200 Thlr. Außerdem kann mit Bestimmtheit auf Einnahme durch Privatunterricht gerechnet werden. Qualificirte geprüfte Lehrer werden aufgefordert, sich bis spätestens den 5ten k. M. zu Abhaltung einer Probelection, unter Vorlegung ihrer Befähigungsatteste, hier einzufinden. Reisekosten werden nicht erstattet. Lobsens, 15. November 1857. Wer israelitische Schulvorstand. 48**