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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-23 · Heft 48 (23.11.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 48 (23.11.1857)
Date
1857-11-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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21 Jahrgang. Allgemeine - 48. Zeitung -es Indeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 23. November 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Qnart kncl. des Titels, Registers n. s. w. um» fassen. In Gemäßheit deS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*/a Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Noch einmal die Beschneidung. — Die Religionsfreiheit. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms. Preußen: Wormditt. Oesterreichischer Kaiser st aat: Aus Ungarn, Ofen. Ostgalizien. Schweden und Norwegen: Stockholm. Rußland: Howogradnolinsk. Türkei: Konstantinopel. Leitende Artikel. Magdeburg, 15. November. Noch einmal die Deschneidung. Als wir unsre Artikel über diesen Gegenstand veröffentlichten, geschah es nicht in dem Glauben, die Gegner vollständig zu überwinden — denn auf religiösem Gebiete muß die Ueberzeugung ihre Wurzeln im eigenen Innern haben — sondern Schwankende von Neuem zu befestigen, und treuen Anhängern ihres Glaubens die verstärkte Gewißheit von der Wahrhaftigkeit ihrer Anschauung zu geben. In diesem Sinne wollen wir auch noch einem letzten Einwande, den man erhebt, unsre Aufmerksamkeit zuwenden. Mag sagt, wenn auch das samtätische Motiv bei der Veschneidung aufgegebeu werden muß, so fragt es sich, ob sie nicht als ein nationales Vundeszeichen anzusehen. Nun bilden wir aber keine eigene Nation mehr, gehören vielmehr den Völkern an, in deren Mitte wir leben, die Religion allein ist das Band, welches alle Glieder unsrer Glaubensgenossenschaft umschlingt, und so würde die Verbindlichkeit zur Beschneidung in Frage stehen. Dieser Einwand, welcher uns schriftlich zugekommen, enthält Manches, was genauerer Erörterung wohl werth ist, um so mehr, da über den wesentlichen Punkt eine große Verwirrung besteht. Ist es wahr, daß wir keine Nation mehr bilden?- Und wenn dies, findet sich kein nationales Element in unsrer Glaubensgenoffenschaft? Und wenn dies, in welcher Verbindung steht es mit dem Religiösen? Wir müssen hier auf den Unterschied zwischen Staat, Volk und Nation aufmerksam machen, indem Staat der große gesellschaftliche Organismus ist, der nach einer bestimmten Verfassung und durch dieselben Gesetze eine Anzahl Menschen vereinigt; Volk die Menge der Menschen bedeutet, welche zu einem Staate gehören; der Begriff der Nation aber beruht auf der gleichen Abstammung, wie schon das Wort erweist (natio von nasci), weshalb natio die Geburt selbst und die Göttin der Geburt heißt. Natio bedeutet sogar eine enger abgegrenzte Abstammung, weshalb es ein Unterglied von gens war. So werden die Griechen gen8, die Thebaner, Böotier, Attiker natio- N68 genannt. Es sind daher Staat und Volk durchaus nicht an die Nation gebunven; dieselbe Nation kann viele Staaten und Völker bilden, und ein Staat und Volk können aus sehr verschiedenen Nationen bestehen. Die deutsche Nation, eben so die italienische, füllt eine Menge Staaten aus, während hinwiederum der preußische, der

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