Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1857)
- Date
- 1857-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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21 Jahrgang. Allgemeine 44. Zcitung -cs Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. Leipzig, dm 26. Oktober 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de- Titels, Registers u. s. w. um. fassen. In Gemäßheit de- Zwecke-, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/» Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt morden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-- Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die kvuigl. sächs. Zeitung-- Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel! Charakterfestigkeit. — Die Real-Encyclopädie des JudenthumS. — Wagener, Stahl, die Juden und die protestantischen Dissidenten, von vr. Jacob Weil. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Kassel. Preußen: Berlin, aus Schlesien, Striegau. OesterreichischerKaiferstaat: Gr.Karoly,Warasdin,Wien. Rußland: Thorn. Leitende Artikel. Magdeburg, 19. Oktober. Charakterfestigkeit. Eigenthümlich ist eS, daß wir im 31. Cap. 5. B. Mos. zwei Mal und im 1. Cap. des Buches Joschua vier Mal die Anrede an Joschua ywfitt ptn „sei stark und fest!" gerichtet finden. Warum ist niemals eine solche Ansprache, eine solche Ermahnung an Moscheh selbst ergangen, der deren ungleich mehr bedürfen konnte, da er in der Mitte eines verzagten und murrenden Volkes viel mehr zu tragen und viel Größeres zu schaffen hatte, während Joschua an der Spitze eines bereits erprobten Heeres stand, das den Muth der Siegeshoffnung hegte, und seine Aufgabe eine ganz bestimmte und greifbare war, die Eroberung und Vertheilung Canaans? Allein es ist dies psychologisch sehr richtig. Moscheh, der gottbegeisterte Seher, der die Gottesidee lebendig in sich trug, wie Keiner wieder, der den hohen Beruf, sein Volk von der Stufe eines verfallenen Sclavenstammes zu dem Träger der höchsten Idee zu erheben, begriffen und Ihatkräftig vollführte — er bedurfte keiner Mahnung, stark und fest zu sein, da ihm von innen heraus, selbst bei augenblicklicher Verzagtheit, Muth, Entschlossenheit und Kraft wieder zuströmen mußten. Joschua hingegen halte ein äußerliches materielles Werk vor sich und nichts ist leichter, als daß mitten im Andrang des materiellen Lebens die leitende Idee verloren geht, das Materielle allein als Ziel erscheint, und der Kämpfer dem Wechselspiel sich hin- und ergiebt. Darum erhielt Joschua jene Mahnung wiederholt mit auf seine kriegerische und Derwaltungslaufbahn: mitten in der Lösung seiner materiellen Aufgabe die höhere, welche in der Leitung Israels lag, nicht zu vergessen, und in Sieg und Niederlage ihr zu dienen, sie vor Augen zu haben. Dieser Gedanke kommt uns immer wieder, wenn wir an die Verschiedenheit der Verhältnisse, in welchen der Jude von Ehedem und von Jetzt steht, denken. Der Jude der Vergangenheit, in der zuerst aufgezwungenen, dann zum Theil selbst erhaltenen Abgeschlossenheit war eben weiter nichts als Jude; und bei aller Erwerbsthätigkeit wiegte in seinem Leben das religiöse Element überall vor, so daß es höchst überflüssig gewesen wäre, ihm zuzurusen: „sei stark und fest als Jude!", da er doch gar nichts Anderes kannte und sein konnte. Wie anders in unsrer Zeit! Jetzt ist und fühlt sich der Jude vor Allem als Mensch; er ist in das allgemein menschliche Leben eingetreten und selbst seine Erwerbsthätigkeit hat den frühe-