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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-28 · Heft 40 (28.9.1857) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 40 (28.9.1857)
Date
1857-09-28
Page
Seite 550 (sequence 12)
Language
German
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550 meinden dieses Herzogthums noch immer ohne Rabbiner sind. Und welchen religiösen Fortschritt kann man ohne geistliche Leitung erhoffen? In Modena wie in Florenz sind die Juden noch einem besonder» jährlichen Tribut unterworfen. Sie haben nicht das Recht, Grundeigenthum zu erwerben. Die Priester sind daselbst die unbeschränkten Herren des Unterrichts. In Oesterreich hat man uns die Rechte, die uns 1845 zugestanden wurden, genommen, und provisorisch den Stand der Dinge vor dieser Epoche hergestellt, indem man uns eine definitive Organisation versprach. Sie kennen die Saazer Geschichte. In einer kleinen Stadt bei Triest hat man dieselbe Ungerechtigkeit an dem einzigen Juden, welcher dort seit 20 Jahren wohnte, ungeachtet seines Rufes als achtbarer Kaufmann, begangen. '■ Nach Triest ist ein junges Mädchen von Ancona gezogen, welche, da sie sich der Taufe weigerte, mit ihren Eltern in ein Nonnenkloster gesperrt und mit Hülfe öffentlicher Gewalt zum Ucbertritt in das Christenthum gezwungen wurde. Ich hoffe, Ihnen umständlichere Details über diese unglückliche Geschichte, die viel Aufsehen machte, geben zu können. Hier in Mailand, wo eine Bevölkerung von 1000 sehr reichen Israeliten lebt, haben wir dem Gouvernement im Jahre 1853 eine Petition überreicht, deren Zweck war, die Erlaubniß zur regelmäßigen Organisation des Gottesdienstes zu erhalten. Nun wohl, wir sind noch ohne Antwort. In Wahrheit, der Fehler liegt auch an unfern reichen Glaubensgenossen, welche sich geniren, thätigere Schritte bei der Negierung zu thun, und die in keine Verbindung mit ihren andern Glaubensbrüdern treten mögen. Der Präfect von Mailand hat das Bedauern ausgesprochen, daß eine zu große Anzahl Juden sich hier niedergelassen hätte. Ich kann Ihnen noch die Nachricht geben, daß Herr Pincherle nach Verona zurückgekehrt ist, und daß der Erzbischof dieser Stadt sein Gesuch in Betreff dessen Tochter, die man durchaus zur katholischen Religion anhalten wollte, weil sie noch als kleines Kind unfreiwillig von ihrer Anune getauft wurde, zurückgezogen hat. Die lombardische Bevölkerung ist im Allgemeinen sehr tolerant, aber was wird die Zukunft bringen? Indien. In einem mit Sachkenntniß und Quellenstudium geschriebenen Artikel über die Empörung im angloindischen Reiche in der „Allg. AugSb. Ztg." wird auf den Unterschied zwischen der bengalischen Armee und der in der Präsidentschaft Bombay hingewiescn. Die erstere besteht aus Hindus der höchsten Kaste und Muselmännern, während die in Bombay aus Hindus der niedrigsten Kasten, Muselmännern, Parsen, Christen und Juden besteht. Diese Armee hat sich durchaus wacker und treu gehalten. Hierbei wird ausdrücklich bemerkt: „Die Juden der Bombay-Armee, sagt der Verfasser der Abhandlung im Quarterly Review, waren iuuner unsre Lieblingssoldaten. Viele haben selbst Officiersstellen erhalten. Diese Juden sind gehorsam, und machen treffliche Soldaten." Anzeigen. 1!ü 3 Restauration und Gastwirtschaft von §. Hirscliel, Dresden« Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier. Ein Rabbiner und Prediger gesucht. Die israelitische Gemeinde Adalh Israel zu Louisville im Staate Kentucky, Nord-Amerika, wünscht einen Rabbiner und Prediger aufzunehmen. Derselbe soll sowohl gründliche Gymnasial- und Universitärskenntnisse besitzen, als auch gut bewandert in der Bibel und im Talmud sein. Der Gehalt ist auf 1500 Dollars das Jahr festgesetzt und wird vorerst auf 5 Jahre ausgenommen, mit der Zusicherung, daß, wenn die Gemeinde mit seinen Leistungen während dieser Zeit zufrieden war, aus Lebensdauer. Bewerber wollen sich gefälligst mit Beifügung der nöthigen Zeugnisse und Empfehlungen an den Unterzeichneten wenden. Rev. Dr. H. Felsenbeld, Correspondiiig Sccretary of Lite Commitle, Louisville, Ky. Wir wünschen sofort oder zum 1. April k. I. unzustetten: einen Borbeter, der einen Chor zu leiten und den ersten Elementarunterricht zu ertheilen befähigt ist, gleichzeitig aber als llniv zu fungiren vermag. Fester jährlicher Gehalt 250 Thlr. Schriftlichen portofreien Bewerbungen sind die betreffenden Zeugnisse beizulegen. Der Vorstand der Synagoqen-Gemeinde. Neuwedell (Kreis Arnswalde), im August 1857.

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