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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-21 · Heft 39 (21.9.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 39 (21.9.1857)
Date
1857-09-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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21. Jahrgang. Allgemeine 29 Zeilimg des Zudenthums. Ei u ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. H e r a u s g e g e b e n v o n Rabbiner L»r. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 21. September 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels. Registers u. f. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niewrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate —- 22 */a Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs, Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Abfall und die Beschneibung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Oester re ich isch er Kaiserstaat: Prag, Brünn, Mähren, Wien, Wien, Padua, Pesth, Venedig, SzarvaS, Gaya. Die Schweiz: Lengmau. Nordamerika: New-Uork. Holland: Amsterdam. Leiten de Artikel. Magdeburg, 14. September. Der Abfall und die Aeschueidung. Man hat oft genug unsre Zeit für das Zudenthum als eine Uebergangsperiode bezeichnet; und zwar mit vollem Rechte. Die unermeßliche Veränderung in der Stellung, den Verhältnissen und dem Leben der Juden, eine Veränderung, die noch fast tiefer greifend ist, als jene, welche unsre Väter durch die Zerstörung Jerusalems erfuhren, eine Veränderung, die um so einschneidender, als sie in dem kurzen Zeitraum von noch nicht 50 Jahren geschah, während die Zerstreuung der Juden nach dem Fall des zweiten Tempels durch eine zahlreiche, schon seit mehreren Jahrhunderten vorher stattfindende Auswanderung und Colonistrung in allen Ländern der damaligen Welt vorbereitet worden war; diese Veränderung bedingte auch eine außerordentliche Umgestaltung in dem religiösen Leben, in dessen Erscheinungen und Erzeugnissen. Nur wer abfichtlich blind sein will, kann diese Notwendigkeit verneinen wollen, die sich allerorten und immer fortschreitend erweiset. Wir haben uns hierüber so oft schon ausgelassen, haben gezeigt, daß dieser Umschwung in der weltbürgerlichen Stellung der Juden jener großen Zerstreuung in der Römerzeit, wo auch der Kultus und das ganze religiöse Leben der Juden andere werden mußlen, gleichzustellen ist — daß wjr des Weiteren wohl überhoben sind. Nicht unbeachtet muß dabei bleiben, das; nicht minder die ganze europäische Welt nach allen Richtungen ihres Lebens hin in unsrer Zeit einen großen Umschwung erfuhr, eine Bewegung und Belebung — wir erinnern z. B. nur an das industrielle Leben — wie selten im Laufe der Weltgeschichte und daß dieses Zusammentreffen auf die Veränderung in unsren Glaubensgenossen um so agirender einwirken mußte. Eine Uebergangsperiode charakterisirt sich stets durch das Schwankende der Ansichten und Formen. Indem das bis jetzt Bestandene mit eben so vieler Kraft festgehalten, wie andererseits völlig beseitigt wird, nicht geringe Elemente aber, nach beiden Seiten hin getrieben, eine Ausgleichung anstreben, so viel zu erhalten suchen wie möglich, aber nicht minder viel aufgeben — entsteht eine so mannigfaltige Figuration, so viel verschiedenartiges Geschiebe, daß man es eben nur als einen Uebergang ansteht, in welchem eine feste Gestaltung noch nicht möglich ist. Aber auch eine Uebergangsperiode muß ihr Ende er-

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