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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-31 · Heft 36 (31.8.1857) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 36 (31.8.1857)
Date
1857-08-31
Page
Seite 484 (sequence 2)
Language
German
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484 kaum hatte jedoch der Israelit auf seine Schmähungen einige Worte geantwortet, welche in Etwas den Zusammenstoß, von dem er so eben Ursache gewesen, entschuldigten, als auch der junge Fanatiker laut über Gotteslästerung schrie, indem er den Fuhrmann beschuldigte, seine Religion beschimpft zu haben. Sobald er diese aufreizende Anschuldigung ausgesprochen hatte, kamen mehr als achtzig Mauren herbei und indem sie Vorgaben, die Gotteslästerungen des Israeliten gehört zu haben, umgaben sie den Letzteren, mißhandelten ihn und führten ihn zu dem Daulatti, dem Friedensrichter, welcher ihn ins Gefängniß werfen ließ, nachdem er Kenntniß von all den Beschwerden, die man auf ihn häufte, genommen hatte, und die unterzeichnet durch die zahlreichen Ankläger und mit der größten Sorgfalt abgefaßt wurden von zwei Notaren, welche sich zufällig auf dem Schauplatze befunden hatten. Der Daulatti stattete am andern Morgen Rapport bei dem Bey ab, welcher, nachdem er Kenntniß von dem Läugnen des Israeliten und den Zeugnissen der Muselmänner, seiner Ankläger, genommen hatte, sich unbefugt in diesem Geschäft erklärte und die Anklage der Gerichtsbarkeit des Schaara der muselmännischen Inquisition übergab. Dieses Gericht ist eingesetzt zu urtheilen über Verbrechen religiöser Art und ist ausschließlich zusammengesetzt aus den fanatischesten Muselmännern oder, um besser zu sagen: aus den bedeutendsten Häuptern des muselmännischen Glaubens. Sogleich nach diesem schrecklichen Entschluß wurde der unglückliche Angeklagte in einen finstern Kerker des Schaara geworfen, beladen mit Ketten an Händen und Füßen, und nachdem einige Fragen an ihn gerichtet worden waren, belud man ihn noch mit Fesseln um den Hals und um die Mitte des Körpers. Das Resultat dieses Gerichtes konnte Niemandem zweifelhaft sein; und gestern am 25. Juni verkündigte die ungerechte Versammlung einstimmig das Todesurtheil seiner Beute, welche vorher während drei langer Tage die gräßlichsten Torturen ausstehen mußte. Einige Augenblicke nachher verbreitere sich die Nachricht mit einer erschreckenden Schnelligkeit und ward mit einem allgemeinen Schrei des Unwillens empfangen. Niemals zeigte sich wohl gleichere Sympathie an diesem Verbannungsort, als diejenige, welche sich plötzlich kundgab zwischen der französischen und jüdischen Bevölkerung von Tunis. Die Magazine würden geschloffen, alle Geschäfte ausgesetzt und der große Platz deS fränkischen Viertels füllte sich bald mit einem großen Haufen, welcher durch sein finsteres Stillschweigen gegen dies ungerechte und gehässige Urtheil protestirte. Die heftig weinende Frau des unglücklichen Märtyrers hatte kaum diese schreckliche Entscheidung erfahren, als sie herbeilief, die Verzweiflung im Herzen, nach sich ihre unglücklichen Kinder ziehend, welche laut weinten, so daß alle Anwesenden erschüttert waren und glaube ich auch, daß das Echo dieses Jammers bei allen civilistrten Völkern nachhallen wird. Sie stellte sich dem Generalconsulat von Frankreich vor, um unfern muthigen Vertreter zu bitten, seinen Einfluß bei dem Bey wohl zu benutzen und sich zu Gunsten des Vaters ihrer Kinder zu verwenden, um eine Umänderung des blutigen Unheils, welches bald ausgeführt werden sollte, zu erlangen. Einer der Herren Officiere des Generalconsulates, der ehrenhafte Herr Rousseau, welcher /rster Dolmetscher bei der Gesandtschaft ist, begab fich sogleich auf das Gericht, welches noch versammelt war; aber leider! alle seine Vorstellungen waren fruchtlos. Sogleich nach diesem Ereignisse begaben sich mehrere französische Kaufleute zu dem Herrn Konsul, um ihn zu bewegen, kräftigere und vielleicht wirksamere Maßregeln zu ergreifen und die höchste Loealmacht zur Nachsicht zu vermögen. Aber dieser zweite Versuch fiel nicht besser aus als der erste, und das Herz des Pharao verhärtete sich noch mehr, trotz der strengsten Ermahnungen, die diesen gerichtlichen Mord verhindern sollten. — Unser großmüthiger Konsul hatte kaum den Palast des Bey verlassen, als das Opfer herbeigeführt und das Todesurtheil bestätigt wurde; dann beeilten sich die aufgeregten Henker, es auf den Nichtplatz zu führen. Wir möchten einen dichten Schleier werfen über die Scene der Wuth, Kannibalen würdig, welche dann begann und welche erst lange nachher endigte, nachdem das Opfer seinen letzten Seufzer ausgehaucht hatte; denn unsere Feder sträubt sich, alle diese entsetzlichen Gräuel, alle diese Handlungen der Unmenschlichkeit zu beschreiben, die an dem noch rauchenden Leichnam des Opfers ausgeübt wurden. Augenzeugen liefern uns ein schreckliches Gemälde, welches an Grausamkeit Alles weit überragt, was die finstere Phantasie eines Nero und Torquemada Schreckliches erfunden hat, um seine Opfer zu quälen. Man versichert uns, daß der Unglückliche 17 Säbelstiche an verschiedenen Stellen des Körpers erhielt, um die Leiden zu vergrößern. Zwischen jedem Stich sprach der unschuldig Leidende das Schema Israel mit einer solchen Kraft, daß dieses hohe Gebet des Märtyrers gehört und wiederholt wurde aus einer gewissen Entfernung durch die muthigen Männer der Chebrath Kivronim, welche sich fast in einen eben so gewissen Tod ergeben hatten, um dem Körper ihres Glaubensgenossen

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