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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-17 · Heft 34 (17.8.1857) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 34 (17.8.1857)
Date
1857-08-17
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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465 Abrede stellen, sondern fie nehmen, auf Grund einer Talmudstelle (Baba Kama Fol. 110 b.), an, daß die Wittwe mit ihrem verstorbenen Gatten das eheliche Bündniß, wenn auch stillschweigend, so doch mit dem bestimmten Vorbehalt, daß sie nicht an einen Apostaten zur Leviratsehe falle, geschloffen. Tritt nun ein solcher Fall wirklich ein, so ist die Ehe alö ungültig zu betrachten, und LeviratSehe und Chaliza entfallen von selbst. — Aber selbst abgesehen davon, daß die Voraussetzung eines solchen Vorbehalts eine gewagte ist, und daß Tosephot schon zur Stelle bemerkt, wie ein derartiger Vorbehalt höchstens bei einer zwar geschloffenen, aber nicht factisch begonnenen ehelichen Verbindung (y>o°m) denkbar sei, müßte man in Folge einer solchen Entscheidung der in Rede stehenden Wittwe auch gestatten, den Neffen, ja sogar den Vater ihres verstorbenen Ehegatten zu heirathen, indem ihre frühere Ehe als null angesehen, ihr doch kein Hinderniß mehr bereiten könnte. Ich glaube, daß nicht leicht ein Rabbiner diese Consequenzen zuzugeben geneigt sein dürfte. Ueberdies würde eine Entscheidung in diesem Sinne, in diesen und andern Consequenzen auch mit dem Staatsgesetze collidiren. Darum keine Uebereilung! Kreisrabbiner I. Wiesner. Großbritannien. London, 30. Juli. Unterhaussitzung. Lord John Ruffell verschob die zweite Lesung seiner EideSbill bis Montag, da er hoffe, daß Baron Rothschild mittlerweile seinen Sitz ohne eine solche Maßregel werde einnehmen können. Sir F. Thesiger frug den edlen Lord, welches dieses Auskunftsmittel wohl sein dürfte, und an welchem Tage Baron Rothschild sich vor dem Tische des Hauses präsentiren werde. Lord John Russell erklärte sich nicht im Stande, über diese Punkte Auskunft zu geben; er wolle jedoch dem Hause Anzeige machen, so wie er vom Baron Rothschild über den fraglichen Punkt in Kenntniß gesetzt sei. (Wie eS heißt, will Baron Rothschild am Freitag den Versuch machen, ob er auf eine bloße Resolution des Hauses hin in dasselbe gelangen kann.) Californien. San Francisco, 4. Juni. Wir haben in diesen Blättern Privatmiltheilungen auö Californien gebracht, für welche wir eine Bestätigung in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" finden, welche Briefe auS Californien mittheilt. Wir heben daraus folgende Stelle hervor: „San Franeisco zählt 26 Kirchen (und eben so virle Zeitungen), wobei wir die chinesischen Götzentempel nicht einschließen, deren man drei zählt. Drei Synagogen, in denen der Gottesdienst, so weit es der Ritus gestattet, bald englisch, bald deutsch abgehalten wird, liegen im schöneren Theil der Stadt. Die jüdische Bevölkerung von San Francisco ist an Zahl bedeutend; vielleicht giebt es kein zweites Land der Welt, wo der Jude so volle Gleichberechtigung mit den anderen Nationalitäten und Kirchen genießt, als in Californien. Der europäische Judenhaß scheint hier durch den Ocean abgewaschen zu sein. Ich hatte fast nie Gelegenheit, denselben sich äußern zu sehen, und das Volk Israel gedeiht ohne Hindernisse und Beschränkungen. Ausgefallen ist eS mir, wie sich die jüdische Bevölkerung in einer Art natürlichen DankgesühlS bestrebt, so schnell als möglich alles speeifisch Israelitische von sich abzustreifen, vorzugsweise Englisch zu sprechen, und Alles, was Amerikanisch ist, mit Lob zu überschütten. Die katholische Bevölkerung, die natürlich als Masse von der irländischen Einwanderung repräscntirt wird, harmonirt weniger gut mit den sie umgebenden Verhältnissen. In speciell katholischer Richtung unter dem Einfluß ihrer Priester stehend, bilden sie im allgemeinen Volksleben eine einzelne Gruppe, die sowohl be politischen als religiösen Fragen die hierarchischen Bestrebungen durchblicken läßt. Die irländische Anhänglichkeit an das alte Vaterland ist bei den Ungebildeten fast intensiver als der französische Patriotismus, und so mag es denn leicht sein, daß an die Stelle deS europäischen Judenhasses hier der Haß gegen den katholischen Irländer tritt. In Bezug auf Sprachen haben wir in den hiesigen Kirchen die meisten Nationen vertreten, jeder Sonntag bietet englischen, deutschen, französischen, spanischen und italienischen Gottesdienst dar. Neulich hat sogar ein Missionsprediger Gottesdienst in kanakischer Sprache angekündigt, und Hebräisch bieten die Synagogen." Rußland. St. Petersburg, 24. Juli. (Nach dem Journal des Debats.) Man bemerkt in vielen Dingen die Ab- 34

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