Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1857)
- Date
- 1857-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Jahrgang. l l (| C 11t C t lt C 32 Zeitung -cs Zu-euthvms. Ciu unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»»» in Magdeburg. Leipzig, den 3. August 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, MontagS, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. um« affen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst nic'drig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Tlstr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS« Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs. Expedition allhicr unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Der Abfall vom Judenthume. l. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern. Oester re i ch i sch e r K a i s e r st a a t: Bon der westgalizischen Grenze, HvhenemS, Krakau, Fünfkirchen. Italien: Turin. Correfpondenz: Reiseskizzen aus Württemberg. (Schluß.) Leitender Artikel. Magdeburg, 24. Juli. Der Abfall vom Judenthume. I. Der Romanschriftsteller A. v. Sternberg, ein Bannerträger früher des Junkerthums, jetzt des höhern Adels, hat „Erinnerungsblätter" herausgegeben, aus welchen die „Augsb. Allg. Zeit." Auszüge und über die sie eine Beurtheilung bringt. In diesen findet sich folgende Stelle, welche, da die Augsburgerin sie mittheilt, wenn auch wir fie hier geben, Niemanden zu einem Vorwürfe gegen uns veranlassen kann. Sternberg hatte von der Fanny Lewald gesprochen, und dies veranlaßte ihn zu folgendem Ercurse: „Um die Taufe der Juden ist es bekanntlich eine eigene Sache. Aus Ueberzeugung tritt der kleinste Theil über. Schon der Stolz verbietet dem wahren Juden, seinen Glauben, welcher der ältere ist, gegen einen neuern, aus dem Schoß des stinigen emporgezogenen, auszutauschen. Die übertretenden Juden sind schon längst vor ihrem Uebertritt keine Juden mehr gewesen, so wie fie durch die Taufe auch keine Christen werden, obgleich fie das Recht haben, fich hinfort so zu nennen. Der ächte Jude, in dem das Glaubensfeuer mit jener Kraft brennt, die Nahrung zieht aus dem Bewußtsein der hohen Berufung, so wie der jahrtausend langen Verfolgung und der Leiven ihres Stammes, ist unbeugsam, und sieht auf jene Übertretenden mit Verachtung herab. Sein kleiner dunkler Winkel in der Synagoge, wo er die Gebete seiner Väter murmelt, wo die Schauer und das Entzücken, die ganze Glorie seines Volks über ihn kommt, ist seine Welt, die er nicht mit den Prachtpalästen der Welt da draußen vertauschen will. Diese Sorte Juden wird jedoch immer seltener, fie werden von ihren eigenen Glaubensgenossen als bornirt und unzeitgemäß verlacht. Die Taufe ist demnach ein sehr gleichgültig angesehener Act bei den modernen Juden. Er verändert gar nichts in dem Stand der Sache; es ist ein weltliches Geschäft, das seine Procentchen abwirst wie jedes andere. Bei den Juden, die literarisch und künstlerisch gebildet sind, mischt sich bei dem Uebertritt ein anderes Element ein, es ist dies die Eitelkeit, ihrem Uebertritt die Bedeutsamkeit eines philosophischen oder künstlerischen Motivs unterzubreiten. Sie nehmen die Dogmen der christlichen Lehre auf ihre Weise barock und wunderlich bei sich auf, und wenn sie sich mit der neuen Kirche beschäftigen, so bringen fie allerlei Seltsames hinein, das ihnen aus alten Erinnerungen und Traditionen anklebt. Mir ist in dieser Hinsicht das Gespräch ausfallend gewesen, das ich gleich am Anfang unserer Bekanntschaft mit Fräulein Lewald führte. Es war am Theetisch, und es saß eine alte Dame