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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-07-27 · Heft 31 (27.7.1857) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 31 (27.7.1857)
Date
1857-07-27
Page
Seite 424 (sequence 10)
Language
German
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424 daß die eben getroffene W-Hl pMändig der Erwartung der griechischen Regierung entsprechen wird. — (Die intoleranten Griechen müssen also doch auch einmal ihre Zuflucht zu einem Juden nehmen!) Afrika. Marseille, 6. Juli. Französische Blätter melden: Zu Tunis wurde am 1. Juli ein Jude von einem Mauren beschimpft und antwortete mit Schmähungen auf die Religion MohamedS. Er wurde festgenommen, geköpft und fein Leichnam dem Volke preisgegeben. Die Consuln protestirten einstimmig gegen dieses Verfahren und der englische Viceeonsul Crave kam nsit der ProtestationSacte gegen den Bay, welcher die Hinrichtung genehmigte, in Marseille an. TuniS, im Juli. Auch der a m e r i k a n i sch e Csnsul hat aufS Nachdrücklichste gegen den an dem Israeliten verübten Justizmord protestirt. Der Bay war bei den barbarischen Scenen selbst gegenwärtig und nahm das Jauchzen der Weiber und Männer wohlgefällig entgegen. Eorrefpo«denz. Reiseskizzen ans Württemberg. Wer in eine der nächsten besten Synagogen Württembergs tritt, der sieht bald, daß dort die schon vor geraumer Zeit angebahnte Reform ziemlich stabil geworden und zwar zum Nutzen und Frommen des Volkes, zur Ehre der Religion. Der alte Ritus ist zwar in seinem großen Ganzen unangetastet, blos sind die Piutim mit Ausnahme von & und entfernt, aber die lärmende „Judenschule" findet man hier nicht mehr, die Predigt und meistens auch Choralgesang sind einheimisch. Die Synagoge Württembergs in ihrer jetzigen Gestalt ist die geheiligte Institution, die vom Volke anerkannt und gelwbt wird. Sie ist die ehrwürdige Mutter, die man nicht verachtet, „weil sie alt ist", sondern in steter Verjüngung zu erhalten weiß. Wir sprechen hier im Gegensatz von jenen Resormlustigen, die alles Geschichtliche aus der Synagoge gebannt wissen möchten, allem Positiven feindlich entgegen treten; aber auch im Gegensätze derjenigen Zeloten, denen eS durchaus nicht um Ordnung und Weihe im GotteShause zu thun ist, sobald um kein Jota vom alten Ritus abgeändert wird. Mag MeS durch einander gehe», di» Machthaber sehen und hören Nichts. — Es war im liebliche» Mai, als wir di« ln Oberschwaben gelegene Stadt Buchau zuerst besuchte«. Bucha« am Federsee ist «in« zahlreiche, alt» und rühmlichst bekannt« Gemeinde, deren Mitglieder schon lange vom ZelotismuS als sehr „neu" bezeichnet wurden. Sie birgt in ihrem Innern die schönste» jüdischen Institutionen, die unter der Aussicht des würdigen Rabbiners und des Vorstandes in bester Ordnung find. Vereine, zur Unterstützung der Armen, Kranken, zur anständigen Beerdigung der Tvdten, und andere wohlthätige Institute sind in größter Blüthe. Die Synagoge, namentlich an Sabbathe» stark besucht, ist das Bild der Ordnung und der Andacht. Schon die weibliche Schuljugend, welche am Gottesdienste Theil nimmt und beim Chore mitwirkt, ist in der Liturgie wohl bewandert und den fremden Beobachter berührt cs sehr angenehm, wen« er sieht, wie auch sie sich nach Osten gegen die heilige Lade wendet, um die Schemone Esre zu beten. WaS liegt in dieser Erscheinung für Unerlaubtes? Warum hat die Orthodoxie nicht dafür gesorgt und warum sorgt sie nicht jetzt dafür, daß das weibliche Geschlecht der krassesten Unwissenheit in synagogalen Dingen entrisse» wird, damit wir auch im Cultus bewanderte jüdische Mütter erhalten? In Gemeinden, wo di« weibliche Jugend schon frühzeitig den Gottesdienst besuchen lernt und in der Schule die Gebete übersetzt, erscheint das weibliche Geschlecht im Gotteshaus« nicht blos, um im Putze zu glänzen und sich mit den Nachbarinnen zu unterhalten, sondern des wahren Zweckes, des Gebetes zu seinem Vater im Himmel wegen. Der an gewöhnlichen Sabbathen nicht stark besetzte Chorsang sang bei unserer Anwesenheit sehr gut. Sehr ergreifend ist der Act, wo der Rabbiner bei de» Worten N5£n ^TSina ’S n’iin die Gesetzesrolle herausnimmt und sie feierlich nach dem heiligen Tische trägt. Es ist der dreijährige Cyclus eingeführt. Die Thora wird vom Rabbiner ohne vorgetragen. Ein zweiter deutscher Choral wird vor der Predigt gesungen, die beständig sehr erbaulich auf die Zuhörer wirkt. Der Vorsänger, Herr Lehrer Rödelsheimer, scheint sich sehr viel Mühe zu geben, den Chor auf würdige Weise zu leiten, was ihm auch gelingt. Still und geräuschlos wirkt äußerst wohlthättg in seiner Gemeinde der dortig« Rabbiner, Herr Güldenstein, geliebt mld geachtet, von allen Genossen derselben. Kein Mittel zur religiösen Anregung und Bildung giebt es,

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