Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 31 (27.7.1857)
- Date
- 1857-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21, Jahrgang .M 31 Allgemeine Zeitung des Zvdeuthums. Eiu unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Magdeburg. Leipzig, den 27. Juli 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inel. de- Titel-, Registeru. f. rv. um« fasten. Zn Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst nie'drig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Vr Ngr. (18 gGr.) für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-- Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. ZeitungS-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Der Unitarismu«. — Förderung der Zuden durch Juden. Zeitungsnachrichten r Preußen: Graudenz, Bad Reinerz. OesterreichischerKaiserstaat: Prag, Mailand, Waag- Neustadtl, Wien, Prag, Wien. Großbritannien: London, London. Frankreich: Paris. Afrika: Marseille, Tunis. Korrespondenz: Reiseskizzen aus Württemberg. Leitende Artikel. Magdeburg, 20. Juli. Der Nnitarismus. Wer die einundzwanzig Jahrgänge dieses Blattes durchforscht, wird leicht erkennen, daß wir es niemals auf Polemik gegen andere ReligionSgenoffenschaften und ihre Lehren abgesehen haben, daß wir nur ungern in irgend einen Kampf um die Dogmen einer Kirche oder Secte eingingen, und uns stets, wenn wir solches nicht vermeiden konnten, mit Zurückhaltung und Delicatesse auSsprachen. Es wird daher Niemand unS nachsagen können, daß wir andere Religionsparteien beleidigen, ja nur verletzen wollten. Dieser Grundsatz leitet uns auch noch heute, und wenn wir auch uns genöthigt sehen*), auf die Meinungen Anderer einen prüfenden Blick in den folgenden Artikeln zu werfen, so *) Wir find hierzu wiederholt von Frankreich aus aufgefordert worden. Redaet. wird man uns doch nicht die Absicht unterschieben können, Anderes als eine objektive Kritik zu beabsichtigen. Der UnitarismuS hat in Nordamerika, in England und ganz besonders in Belgien einen großen Boden gewonnen, und ist gegenwärtig in Frankreich zum Tagesgespräch geworden. Während er auf der einen Seite sich allen Einwendungen gegenüber für ein« christliche Lehre ausgiebt, sucht er auf der anderen sich dem Judenthume zu nähern, und giebt zu verstehen, daß er mit diesem identisch sei. In der That haben in England wie in Nordamerika sich manche unsrer Glaubensgenoffen dem Unitarismus angeschloffen. Er ist allerdings nichts Neues; nur eine Mvdification einer alten Erscheinung. In den ersten Jahrhunderten des Christenthums schon entstanden Secten mit ähnlichen Lehrmeinungen, Secten, welche eine Zeit lang sogar die Oberhand in der Christenheit zu erlangen schienen, welche in Rom und Byzanz in blutigen Kämpfen um die Macht rangen, und nur durch die gewaltigsten Anstrengungen der katholischen Kirche erdrückt wurden. Der UnitarismuS hat zwei Hauptlehren: 1) die unbedingte Einigkeit des göttlichen Wesens, 2) die Sendung Jesu als Messias, wie er durch die Propheten des alten Bundes verkündet worden, als Erlöser, der den Weg des Lebens und der Wahrheit lehre. Es bedarf keines großen Scharfsinnes, um zu erkennen, daß der Unitarismus auf diese Weise kein Ehristenthum ist; denn mit der Läugnung der Dreieinigkeit, mit der Läugnung der Göttlichkeit Jesu, mit der Läugnung, daß derselbe durch