Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 27 (29.6.1857)
- Date
- 1857-06-29
- Page
- Seite 369 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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869 „Die Irreligiosität im Judenthume gehört nicht der Jetztzeit allein an, vnd ist sie vielmehr ein siechender Krebsschaden dieses Jahrhunderts, daher weder „Tiraden" noch „Fluchen" k. k. im Stande seien, diesen zu heilen, als vielmehr „religiöser Gemeingeist", „zeitgemäße Institute" die probaten Mittel sind, wodurch der religiöse Sinn wiederum geweckt und belebt werden könnte." Als Beispiel hierzu diene Folgendes. Oft haben wir in diesem Blatte unumwunden unser ausrichtiges Bedauern ausgesprochen, daß die Kopenhagener Gemeinde, die sonst eine der reichsten an wohlthätigen und religiösen Anstalten ist*), einer der wichtigsten, der Religionsschule entbehrt. Alle, selbst eines Dr. Wolffs Versuche, eine solche zu bilden, waren gescheitert, bis endlich vor zwei Jahren einige Mitglieder der Gemeinde, 12 an der Zahl — die keineswegs der Hyperorthodorie, einige von diesen sogar kaum der Orthodorie angehören — sich als eine Gesellschaft zu diesem Behufe constituirt hatten, und jetzt zählt diese an 200 steuernde Mitglieder, und die Religionsschule wurde von 70 Eleven besucht. Vor einem halben Jahre hat sie übrigens eine sehr glückliche Acquisition in der Person des Religionslehrers Herrn Mielziner gemacht, der das erfreulichste Resultat von seiner pädagogischen Tüchtigkeit durch das öffentliche Eramen, das nach einer so kurzen Zeit im Mai schon abgehalten worden und zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen ist, an den Tag gelegt hat. Die Direction übrigens in Anerkennung von dessen Verdiensten hat ihm darauf aus eigenen Mitteln einen Schreibetisch, begleitet mit einem Belobungsschreiben, geschenkt. Dieselben Stifter jener 'Gesellschaft gingen in ihrem Bestreben noch weiter und haben wiederum im vorigen Jahre eine Gesellschaft gestiftet, *) Während ich dieses niederschreibe, erfahre ich, daß eben heute eines unserer geachtetsten Gemeindeglieder, Herr L. Melchior, Synagogen- und mehrerer Chewrolh-Vorsteher in einer langen Reihe von Jahren, seine goldene Hochzeit feiert. Der Vorstand in plsno, mit Dr. Wolff an der Spitze, überreicht ihm einen Pokal und der Geistliche hält die Anrede. (Da sehen Sie, daß die Predigt hier ein integrirender Theil des Cultus in seiner weitesten Ausdehnung ist, da nicht eine einzige Handlung, die auch nur leise das Ocffentliche berührt, der geistlichen Weihe — Predigt — entbehrt.) Seine zahlreiche Familie schenkt ihm 1000 Thlr. zum Legatfonv für irgend eine Wohlthätigkeit, worüber der Jubilar zu disponirey habe. Corresp. deren Tendenz ist, eingeborene Dänen als künftige Religionslehrer, Katecheten und Rabbinen für Dänemark ausbilden zu lassen; und da hier im Lande keine höheren BildungSanstatten für jüdische Theologen cristiren, so sollen die Eleven hier am Orte nur vorbereitet werden und durch Unterstützung im AuSlande das Studium fortfetzen. Auch die Leitung dieses Unterrichts hat Herr Mielziner übernommen, und hat Unterzeichneter — ich schäme mich nicht, es zu gestehen — der früher laut seinen Zweifel an der Möglichkeit deS Gelingens ausgesprochen, daß man im vorgerückten Alter noch im Stande sein sollte, sich im Talmud zu üben, wenn man bis dahin ganz fremd darin gewesen war — jüngst Gelegenheit gehabt, einen jungen Studenten, einen derer, die von der Gesellschaft unter Herrn MielzinerS Leitung ausgebildet worden, der bis vor vier Monaten noch nicht einmal des TalmudlesenS kundig gewesen war, die ersten 30—40 Seiten im Traktate Pesachim mit deutlicher Fassung fast auswendig hersagen zu hören. So bewahrheitet sich durch diese Data, daß selbst unsere Zeit noch manches Erhabene und Herrliche schafft, das man vor zwei Decennien kaum zu hoffen gewagt hätte. Rubin. Holländisches Westindien. Rach dem Niederländischen Jahrbuche beläuft sich die jüdische Bevölkerung im holländischen Westindien auf 2165 Personen, nämlich: Surinam. .... 1412. Saint Eustach. . . . 1. Curacao ..... 747. Saint Martin . . . 1. Bonnes-Aires . . 1. Saba........ 1. Auba....... 1. Die portugiesische Gemeinde von Surinam zählt 675 Personen, die deutsche 737. Türkei und Aegypten. Die erste israelitische Schule, welche in Folge deö von uns im vorigen Jahre mitgetheilten CirculaireS deS Chacham-Bascha errichtet worden, ist die zu Smyrna am 6. December; alle Autoritäten wohnten der Eröffnung bei. — Die israelitische Schule zu Alexandrien unter dem Professor Leone Giusto, macht gute Fortschritte. Ihre Schülerzahl ist von 46 auf 78 gestiegen, und am 12. und 13. April wurden öffentliche Prüfungen und Prämienvertbeilung in sehr befriedigender Weise abgehalten. (Lckuost. israel.) 27**