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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-29 · Heft 27 (29.6.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 27 (29.6.1857)
Date
1857-06-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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21 Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zu-cnthvms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 29. Juni 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. deS Titels, Registers u. s. w. um. fassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.j für sechs Monate — 22 >/r Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs»Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitung-. Expedition aUhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Predigten, ertemporirt oder niedergeschrieben? — Wiener Briefe von H. Zirndorf. VH. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Cassel, Buchau am Federsee, Wörlitz, Rheinheffen. Preußen: Anrath. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesth, Wien, Stanislau. Die Schweiz: Ober-Endingen. Frankreich: Paris. Rußland: Von der russischen Grenze. Dänemark: Kopenhagen. Holländisches Westindien. Türkei und Aegypten. Leitende Artikel. Magdeburg, 20. Juni. Predigten, ertemporirt oder niedergeschrieben? Die obige Frage, die mir schon sehr häufig vorgelegt worden, interessirt nicht blos Diejenigen, welche berufen sind, ihre Beantwortung praktisch zu üben, sondern auch das allgemeine Publikum, welches über diesen Gegenstand gewöhnlich nicht ganz die richtige Meinung hat. Es fragt sich nämlich: soll der Prediger etwa nach wohlbedachtem Schema (Disposition) frei wie ihn im Moment der Geist bewegt, sprechen, oder die Predigt vorher niederschreiben, memoriren und aus dem Gedächtnisse sprechen? Beantworten wir diese Frage unsrer Erfahrung gemäß, jedoch mit dem Vorbehalt — daß keine Regel ohne Ausnahme, und daß am Ende dem Genius keine bindenden Vorschriften zu machen sind. — Wir glauben berechtigt und befähigt zu sein, eine Meinung nicht ohne Gewicht darüber aussprechen zu können, da wir Gelegenheit und Veranlassung zu aller Zeit hatten, ertempore zu sprechen, und nicht ohne Erfolg. Um unsre Ansicht kurz und einfach auszusprechen, so halten wir vom erteniporirten Predigen — es sei denn bei irgend einer außerordentlichen Veranlassung — sehr wenig. Ein Anderes ist es, über einen Gegenstand, namentlich einen wissenschaftlichen,.der einen bestimmten, ausgedehnten Stoff bietet, und über den man sich seine Ansicht gebildet hat; ein Mann, der das Wort zu seinem Lebensberufe gemacht, muß über ein solches Thema sich allezeit auslassen können. Ein Anderes aber ist die Predigt, welche einentheils nur abstrakte Gegenstände behandelt, anderntheils nicht blos den Verstand beschäftigen, sondern auch das Gemüth ergreifen und die Phantasie Hinreißen soll, welche sich an ein Publikum aus allen Schichten der Gesellschaft wendet, und eben so gut den gebildeten Geist, wie den des Denkens ungewohnten in Anspruch nehmen muß, welche endlich in einem kleinen Rahmen einen bestimmten Gegenstand abschließend und nach allen Richtungen hin behandeln soll, und dies nur vermag durch eine gewisse wohlbedachte Vertheilung und Verbindung, durch ein künstlerisches Gefüge. Sich hierin dem Moment zu überlassen, ist höchst gefährlich. Entweder, will man die Predigt einmal nicht vorher absassen, muß der Redner genau Wort für Wort vorher bedacht haben, wie und was er sprechen will, und dies steht dann mit dem Niederschreiben der Predigt auf einer und

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