Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1857)
- Date
- 1857-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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Von der einzigen günstigen Stelle im ganzen „Buche" kann ich mich mit Verachtung wegwenden und auf Sekte 73, 75, 77 und besonders Seite 84 verweisen, wo ich von den nichtjüdischen Schulen in Amerika sprach; und weiß ich nicht, ob der Zorn den Reverenden so blind gemacht, oder ob er nicht aus andern Gebieten aber ihm geistesverwandten Kreisen das heilige Kunststück ausgenommen: die eigene heilige Person mit der des Glaubens zu identificiren oder zu vertauschen? — Die „Verleumdung der philadelphier Waschweiber" habe ich nicht nachgesprochen, wohl aber eine höchst bedauerliche Thatsache nach Möglichkeit schonend und nur andeutend berichtet. — „Herr Leeser — so verbessert Reverend Mayer — „zog es vor etwa 7 Jah- „ren vor, die Stelle zu opfern, als durch Nachgeben „den Verdacht zu bestätigen. Jndeß ist ihm vor eini- „gen Tagen Genugthuung geworden. Seine frühere „Gemeinde hat sich gespalten" — u. s. w. Traurige Reverendcn-Genugthuung! Nach siebenjährigem Kriege durch Spaltung der Gemeinde zu einer halben Stelle zu gelangen, die man früher im Ganzen „geopfert, um nicht durch Nachgeben den Verdacht zu bestätigen." — Ein achter Rabbi — nicht Rabbiner- und nicht Reformen-Reverend — hätte, eingedenk des schönen Wortes: 'mm a^pa am-w nicht nachgcgeben, dagegen sich von dem falschen Verdacht gereinigt und die Verleumdung niedergeschlagen; nicht aber die Stelle geopfert, um nach sieben Jahren sie bei der gespaltenen Gemeinde wieder anzutreten. Daß übrigens Reverend Mayer den „talentvollen, ehrlichen und unbescholtenen Vertreter der Orthodorie in Amerika" nicht immer so liebevoll vertritt, beweist eine Correspondcnz in Nr. 10 dieser Zeitung aus Charleston, die, wenn ich nicht irre, auch aus Hm. Mayers Feder geflossen ist. „Er — Herr Leeser, heißt es daselbst — erlaube „uns die Frage: Was hat seine seit beinahe einem Vier- „teljahrhundcrt von der Kanzel und in Zeitschriften ge- „predigte Orthodorie Gutes für das Judcnthum in „Amerika gethan? Was anders, als worüber er klagt, „nämlich: Jndiffercntismus und Ignoranz? Lasse Herr „Leeser nur einmal die Reform in Amerika so alt „sein, wie seine Orthodorie und wir Reformer fürch- „ten dann eine Vergleichung nicht." — Und doch ist Herr Mayer Reverend der „durch Intelligenz, Bildung u. s. w. anerkannt ersten Gemeinde Amerikas," in der, unsres Wissens schon viel länger denn ein Vierteljahrhundcrt Jsaac Harby mit seinen Reformen auftrat; könnte Herr Leeser also an Herrn Mayer nicht mit größerem Recht die Frage richten: Was hat die Reform Gutes für die Juden in Amerika gethan? — Oder datirt die eigentliche Reform in Charleston erst von dem Regierungsantritt des Reverend Mayer? — Der Verfasser der „Deutsch-Amerikanischen Skizzen" gehört nicht zu Denen, die den Geistlichen zum gemeinen Diener haben wollen; — er kennet das Wort des Propheten: —! m-ta aa -o naa Vto ab — wie verächtlich muß aber die Persönlichkeit eines solchen Geistlichen (?) sein, wenn er ohne lebenslängliche vcrclausulirte Anstellung, sich als gemeinen Diener betrachtet, als solcher benimmt und so behandeln läßt. — Wir wollen dazu gerade das von Reverend Mayer erzählte Gcschichtchen benutzen. „Ein gewisser orthodorcr Parnaß einer gewissen „orthodoren Gemeinde New-AorkS verbot dem Ncve- „renden feiner Gemeinde Trauungen in den sogenann- „ten drei Wochen vorzunehmcn." — Es ist aber sonderbar, daß eine orthodore Gemeinde einen Reverenden, der in den drei Wochen Trauungen vomimmt, angenommen. Sollte nicht der Reverend unter der Maske der Orthodorie sich bei dieser orthodorcn Gemeinde eingeschmuggelt und nur der Traugebührcn wegen die drei Wochen trau er bei Seite gesetzt haben? Welche Reformen würde erst ein solcher Reverend mit der lebenslänglichen Anstellung in der Tasche vornehmen! — Der Parnaß der orthodoren Gemeinde war also hierüber gewiß im Recht. . „Während — erzählt Herr Reverend Mayer wci- „ter — dieser Parnaß, der als armer HandwerkSburschc „ins Land kam, selbst sogar am 9. Ab sich das Essen „an der mlllo d’hote eines christlichen GasthofcS in „einem Badeorte recht wohl schmecken ließ." — Den „armen Handwcrksburschcn" will ich dem Gewissen des Reverenden überlassen; wollte Gott, die meisten Einwanderer in Nordanicrika waren arme, aber unbescholtene Handwerköburschcn! — Aber, — wenn dieses Essen nicht mit Erlaubniß eines Reverenden, oder — was dem Geiste des Judenthumö angemessener, auf Anrathen eines Arztes, und nur aus Genußsucht geschehen, sollte da der Reverend