Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-22 · Heft 26 (22.6.1857) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 26 (22.6.1857)
Date
1857-06-22
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226066--16185-3245025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

348 * nicht verhindert, sich Eurer Sache anzuschließen, und heute noch ist mehr als ein Israelitaufrichtiger Philhellene. Da wir, Israeliten und Griechen, hier Gastfreundschaft fanden, so müssen wir für das Wohl dieser Nation wirken und in den Roumänen die Söhne Derjenigen ehren, die so lange die Welt beherrschten und ihr Gesetze gaben. Wir dürfen alle Drei stolz sein, uns die Hände zu reichen, denn in uns leben noch die drei größesten Völker des Alterthums: Rom, Griechenland und Israel. Im Namen der Direktion: Aaron Ascher. I. L. Weinberg. Wir können diesem Artikel unsere wahrhafte Anerkennung nicht versagen; er ist aus tiefem historischen Wissen, der lebhaftesten Empfindung und dem vollständigsten Billigkeitsgefühl entstoffen. Jndeß können wir doch die Bemerkung nicht unterlassen, daß der Haß der Griechen gegen die Juden auch nicht den entferntesten Grund hat, da ja bekanntlich in Griechenland gar keine Juden wohnen, und daß andererseits die modernen Griechen wenig Anspruch auf den Ruhm der alten Griechen haben, da nur ein höchst geringer Theil der modernen Griechen ihren wirklichen 'Ursprung von den alten Hellenen herleiten können. Selbst aber den alten Hellenen können wir den Anspruch „die menschliche Freiheit dem Menschengeschlechte gelehrt zu haben" nur sehr bedingt zugestehen, da in allen griechischen Staaten, selbst in Athen, nur eine verhältnißmäßig sehr kleine, mit Vorrechten versehene Anzahl das Bürgerrecht besaß, während die große Mehrzahl der Bewohner ziemlich rechtslos war. Athen zählte 20,000 Bürger, während der Staat 450,000 Seelen zählte; Sparta hatte nur 9000 Bürger, die Spartaner, und 30,000 Unterworfene, die Lakonier, und hierzu nun die große Anzahl von Sclaven. (Siehe unsere Vorlesungen über die Religion der Gesellschaft, Seite 81. ff.) Die Juden in Paris. (Aus den Arch. isr. de Fr.) Das Journal du Havre hat eine Berechnung erfunden und das Si&cle hat fie wiederholt, worauf sie in fast alle größeren deutschen Blätter überging, welche wir hier wiedergeben, indem wir nur die übelwollende Bitterkeit des Originals auslaffen: „Wenn man das Vermögen aller Personen von Paris, die der israelitischen Religion angehören, berechnet, so findet man, daß, wenn man die Gesammtsumme in gleicher Weise zwischen den Individuen, die dieser Religionsgemeinde angehören, vertheilt, Jeder durchschnittlich 12,500 Frcs. Rente haben würde. Wenn man dieselbe Operation bei den Einwohnern von Paris, die den christlichen Confesstonen angehören, vornimmt, so erhält man durchschnittlich 300 Frcs., also haben die Israeliten durchschnittlich beinahe zwei und vierzig Mal mehr Einkünfte als die Christen." Das ist eine so ungeheure Ungleichheit oder eine sonderbare Posse; wir wollen ein wenig diese Zahlen und die moralischen Gründe prüfen. Wenn der havrische Journalist, welcher sich diesen religiösen Rechenübungen, dieser confesstonellen Statistik widmet, in die Bureaur und Kaffen unserer reichen Glaubensgenossen eingedrungen wäre, ihr Geld gewogen und ihre industriellen Unternehmungen berechnet hätte, könnte er sich nicht mit mehr Bestimmtheit ausdrücken; man muß überhaupt erinnern, daß die Berechnung der Vermögen lediglich in der Luft schwebt, daß der Umfang des commerciellen Kredits eine enorme Schwierigkeit für reelle Schätzungen ist, daß die Fortschritte des Lurus und der Lebensbedürfnisse Ausgaben herbeiziehen, die oft unverhältnißmäßig zu den Vermögen find, und das Bedürfniß, zu scheinen, indem es die wahre Lage verhehlt, von mehr spricht, als wirklich vorhanden ist. Wie die veraltete Gewohnheit der Sparsamkeit ihrerseits übertrieben hat, so und noch mehr übertreibt es die neuere Gewohnheit der Geselligkeit und des Glanzes. Nehmen wir jedoch an, um nicht eine Discusfion zu verlängern, für welche es an jeder soliden Grundlage fehlt, daß man genau die israelitischen Vermögen berechnen könne, so verstehen wir doch noch nicht, durch welche^anerkannten Regeln der Rechnung man zu den Resultaten des Journals du Havre gelangen kann. Die allgemeine Meinung erhebt die Zahl der Israeliten von Paris zu 20,000, man spricht gewöhnlich von 25,000; es ist wahr, daß die Abhandlung des Herrn Eduard Levy nicht mehr als 17,000 annimmt, aber dieser vorzügliche Mathematiker bediente sich der allgemeinen Tabellen von Frankreich, nicht der besonderen Tabellen der Bevölkerung von Paris, welche höhere Resultate liefert, und welche als besonders gemäßigte Zahl 20,000 annimmt. Diese Zahl, die sicher noch zu gering ist, würde uns noch verstärkte Beweise liefern. Die Multiplication von 18,000 (welche Zahl wir für die Pariser Juden annehmen wollen) mit 12,500 (der Zahl der durchschnittlichen Renten, die man ihnen unterschiebt), giebt 225 Millionen Einkünfte, und zu 6 pCt. gäbe es ein Capital von ungefähr 4 Milliarden. Man darf nicht vergessen, daß von diesen 18,000 Personen wenigstens der sechste Theil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.