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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-06-08 · Heft 24 (8.6.1857) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 24 (8.6.1857)
Date
1857-06-08
Page
Seite 328 (sequence 10)
Language
German
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328 London, 18. Mai. Es wird zur Charakterisirung für die jetzigen und späteren Leser sehr interessant sein, die Aeußerungen der verschiedenen Partei-Organe in England über die Aufnahme von Juden in das Parlament zu lesen. Die „Morning Post", obgleich sonst eine Anhängerin Lord Palmerstons, würde die Juden auch in Zukunft gern von dem Rechte, im Parlament zu sitzen, ausgeschlossen sehen, hält diesen Wunsch jedoch selbst für einen eitlen. Sie schreibt: „Die Aufnahme der Juden ins Parlament gehört zu jener Classe von Fragen, deren Geschick es zu sein scheint, zwar schließlich Gesetzeskraft zu erhalten, jedoch vorher eine lange und streng sichtende Prüfungszeit durchinachen zu müssen. Während dieser Prüfungszeit erscheinen solche Fragen ein Jahr nach dem anderen eben so regelmäßig, wie Frühlingsregen, Veilchen und Ostwinde. Zuerst lassen sie sich im Hause der Gemeinen blicken und gehen bei der Abstimmung siegreich durch; von da werden sie ins Oberhaus gebracht, um, wer weiß, zum wie vielten Male! verworfen zu werden. Endlich kommt der glückliche Augenblick. Alles Mögliche trifft zu ihren Gunsten zusammen, ein kräftiger Ruck wirft allen Widerstand über den Haufen, und das Schiff segelt auf den Wogen des Volksbeifalls in den ersehnten Hafen ein. Zu solchen Fragen gehörten die Emancipation der Katholiken, die parlamentarische Reform und der freie Handel, und ohne Zweifel läßt sich auch die Zulassung der Juden zum Parlamente dahin rechnen. Wir glauben, die Zeit ist da, wo diese Maßregel durchgehen wird. Zwar hoffen wir das Gegentheil, doch wird diese Hoffnung wohl nicht befriedigt werden. Auch jetzt noch sind wir durchaus nicht von der Nothwcndigkeit oder Gerechtigkeit einer solchen Maßregel überzeugt; allein wir können unser Auge der Wahrnehmung nicht verschließen, daß das Haus der Gemeinen die Sache anders ansieht, als wir, und daß die Umstände, unter welchen der Gegenstand diesmal zur Sprache kommt, und die Stärke, mit welcher er unterstützt werden wird, beim Oberhause schneller ins Gewicht fallen und eine kleine Majorität zu seinen Gunsten zu Stande bringen wer, den. Wir geben dies als unsere Auffassung von der Stimmung des Parlaments. Wir bedauern, daß es so ist; aber wir dürfen unS deshalb nicht scheuen, der Sache ins Auge zu blicken. Lieber würden wir cs freilich sehen, wenn man in Bezug auf die Frage direct an das Volk appelliren könnte, wie das bei der Schutzzollfrage der Fall war, und wenn dann das Volk sich eben so gegen die Ausschließung der Juden erklärte, wie damals gegen die Schutzzölle, so würden wir uns dem von den Wählerschaften gefällten Spruche, obgleich wir nicht mit ihm einverstanden wären, doch ohne Sträuben unterwerfen. In Ermangelung eines so directen Wahlspruches jedoch müssen wir die Entscheidung deS jüngstgewählten Hauses der Gemeinen als das hinnehmen, was einem solchen am nächsten kommt. ES würde ein müßiges Beginnen sein, wollten wir bei einer Sache, die so hart an der Schwelle deS Triumphes steht, alle jene alten Argumente wiederholen, die, wenn auch noch immer nicht widerlegt, doch keine praktische Berücksichtigung mehr finden. Wir können eben nichts weiter thun, als gute Miene zum bösen Spiele machen, uns in daS Unabänderliche fügen, so gut es eben angeht und uns bestreben, durch Maßregeln im entgegengesetzten Sinne das Unheil, welches wir erwarten, so viel wie möglich zu mildern. Das ist unsere Ansicht von der die parlamentarischen Eide betreffenden Bill Lord Palmerston's. Die Einbringung einer solchen Bill steht in vollkommenem Einklang mit seinen Antecedentien, und eben so steht es in vollem Einklang mit den unsrigen, wenn wir es so unverhohlen wie möglich aussprechen, daß wir die beabsichtigte Auslassung der Worte „auf den wahren Christenglauben", wodurch die Thür eines bisher christlichen Parlaments allen möglichen Ungläubigen geöffnet wird, durchaus mißbilligen. Abgesehen von diesem einen Punkte, haben wir gegen die von Lord Palmerston vorgeschlagene Eidesformel nichts einzuwenden." So weit die Moming Post, und man muß zugestehen, daß solche Aussprüche für uns ein doppelter Sieg sind. Anzeigen. 1 ffi) 3 Restauration und Gastwirtschaft von 8. lflrscliel, Dresden, Töpfergasse No. 13. 1. Etage, empfiehlt freundliche Wohnung und Nachtquartier.

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