Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 22 (25.5.1857)
- Date
- 1857-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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21 Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 25. Mai 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, MontagS, und wird jährlich 78 Bvgen in Quart incl. dcS Titel-, Registeru. s. ». um* fassen. In Gemäßheil des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Tblr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/r Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs * Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs * Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zum zweiten Mai 1857. (Schluß.) — Berichtigung einer Angabe in dem Artikel „zum zweiten Mai". — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Juden in den Donaufürstenthümern. — Nord-Amerika. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: D e u t sch l a n d: Hamburg. G r o ß - britannien: London. Rußland: Wien. Australien: Sidney. Leitende Artikel. Magdeburg, 18. Mai. Zum zweiten Mai 1837. (Schluß.) Gehen wir auch auf dem religiösen Gebiete von den einfachen Thatsachen aus. Als diese Zeitung vor 20 Jahren ihre Laufbahn begann, war der jüdische Gottesdienst aller Orten noch ganz und gar in jenes schauerliche Chaos versunken, welches eben so sehr die Andachtsinnigkeit früherer Jahrhunderte, wie die Erbaulichkeit, Achtung und Heilighaltung Seitens des gegenwärtigen Geschlechtes verloren hatte. Die einzige wesentliche Ausnahme machte der Tempel zu Hamburg, der aber deshalb von der ungeheuren Mehrzahl noch mit sehr zweideutigen Augen angesehen ward. Außerdem hatte man Versuche in Wien und Kopenhagen gemacht, und den Chorgesang in München begründet. Außer diesen genannten Plätzen war allein erst in Königsberg und Magdeburg ein regelmäßiges Predigtamt gegründet. Dies war die Beschaffenheit in der genannten Zeit, und wir brauchen wohl kaum mit vielen Worten darauf hinzuweisen, wie sehr sich Anschauung und Wirklichkeit verändert haben. Die Kanzel ist seitdem von einem Ende des Judenthums bis zum anderen von Neuem aufgerichtet worden, nachdem sie so viele Jahrhunderte unter Trümmern und Staub begraben gelegen; und hiermit das Judenthum auf dem Gebiete der Lehre und Verkündigung wie von Neuem erstanden. Die Predigt, welche das erste Mittel war, um das religiöse Bewußtsein wieder in zahllosen abgestorbenen Geistern zu wecken, war es zugleiF), welche dem Judenthume seine welthistorische Stellung, derer seine Bekenner und die Welt seit Jahrhunderten vergessen hatten, wieder zu erobern ans Herz legte. Es versteht sich, daß die Predigt nicht die Aufgabe hat, dieses große Werk zu vollenden, aber eben so wenig ist zu verkennen, daß sie die Psiugschaar ist, mit welcher der sterile Boden umgebrochen und immerfort für die Saat aufgerissen wird. Nicht minder verbreitete sich der Chorgesang von Ort zu Ort, und endlich schloß sich die Vereinfachung der Liturgie daran. Während früher der verbesserte Gottesdienst eine seltene Ausnahme war und die volle Stabilität die allgemeine Regel, ist im Umschwünge dieser zwei Jahrzehende gerade das Gegentheil herrschend geworden, und man betrachtet jetzt den stabilen Cultus als eine Ausnahme, da selbst die Synagogen, welche sich den Charakter