Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1857)
- Date
- 1857-05-11
- Page
- Seite 270 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Capital von Tausend Thalern auSgesetzt hat, dessen unverkürzte Zinsen fort und fort zu einem dreijährigen Stipendium für würdige, der Unterstützung bedürftige Zöglinge der Anstalt, zugleich aber Söhne hiesiger Einwohner, verwandt werden sollen, insofern sie sich dem höheren Gewerbefach oder dem Studium widmen. Der Bericht legt um so größeren Werth darauf, als dies die erste Stiftung an der Bürgerschule ist, und Herr Benny Burchardt so mit gutem Beispiele vorangegangen. Pleß, 22. April. (Privatmitth.) Als vor Kurzem Herr W. Kohn, Vorsteher der hiesigen Gemeinde, ein eben so an talmudischem Wissen, wie an Geschäftsgewandlheit reicher Mann, in das Schiedsrichteramt eingeführt werden sollte, verlangte daS KreiSgericht die Vereidigung desselben mit allem Pompe mors judaico, obgleich eine Ministerialverfügung vom 4. November 1846 die einfache Vereidigung in diesem Falle concedirt. Der Betreffende verweigerte hierauf die Eidesleistung, und wies überhaupt unter solcher Bedingung daS Amt von sich ab. Die höhere Instanz hat denn auch dem Proteste deS Herrn Kohn nachgegeben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Fünfkirchen, im April. (Privatmitth.) Das Hauptaugenmerk der 130 Familien fassenden Gemeinde und ihres trefflichen Vorstandes ist das Schulwesen, und hat unsre Schule, an der 4 Lehrer arbeiten, die Sanktion als Hauptschule vor einigen Wochen erhalten. Das Project einer Schulbibliothek fand in zwei Tagen eine Zeichnung von 200 G. C.-M. Unser Gottesdienst ist geregelt unter der Leitung unsres würdigen Cantors Götzl, und hörten wir am verflossenen Feste zwei Lieder aus Ihrem Gesangbuche brav auSgeführt. Auch die Wahl deS Rabbinen steht bevor, und haben die Probeprcdigten angefangen. G. Auö Mähren, 19. April. (Privatmitth.) Sie vertheibigcn in Ihrem Journale gar oft mit vieler Wärme die Interessen der Lehrer, daß Ihnen gewiß folgende Nachricht willkommen fein wird. Bekanntlich sind die Lehrer in Mähren materiell schlecht gestellt und eS ist nun von Seite der hohen Behörden beantragt, den Lehrern das Schulgeld, welches von den Schülern einläust, zu überreichen, wodurch das Einkommen allerdings beträchtlich vermehrt werden wird. Erfreulich ist es auch, zu bemerken, daß jetzt überall darnach gestrebt wird, daS Schulwesen zu verbessern und die Claffen zu vermehren. Die Behörden unterstützen dieses Streben mit vieler Wärme. So ist es mir bekannt, daß die Gemeinde zu Prerau von Seite deS mährischen LandeSmassafondes 10,000 Fl. zum Baue einer Schule als Darlehen ohne Interessen erhielt. Ich kann dabei einen andern Gegenstand nicht verschweigen, der minder erfreulich ist. Bekanntlich werden die jüdischen Schulen in Mähren von katholischen Geistlichen überwacht. Seit längerer Zeit wird bereits der Wunsch ausgesprochen, daß es davon abkommen möge und dem Rabbiner die Ueberwachung der jüdischen Schule anvertraut werde. In neuester Zeit nun, wo da und dort dem Rabbiner von Seite der Gemeinde ein größerer Einfluß gestattet wird, erheben sich Klagen dagegen. Bei dem katholischen wie bei dem protestantischen Geistlichen wird nämlich im Vorhinein auch auf die pädagogische Ausbildung Rücksicht genommen. Der Geistliche tritt dann dem Lehrer ebenbürtig in die Schule. Beim Rabbiner ist dies oft nicht der Fall und der Mann kann ein ausgezeichneter Talmudist, ein vorzüglicher Prediger, ein großer Gelehrter und doch ein herzlich mittelmäßiger Pädagog sein. ES weiß eben nicht Jeder Alles. — So sehr ich nicht dieser Ansicht ganz beipflichte und glaube, daß sich ein Mittelweg herausfinden ließe, — so wollte ich doch den Punkt nicht ganz verschweigen. Wien, 20. April. (Privatmitth.) Jüngst starb hier der Buchhändler Herr I. Knöpflmacher. Durch Fleiß und Betriebsamkeit, verbunden mit der Biederkeit deS Charakters, hat sich derselbe eine sehr ehrenhafte Stellung erworben. Derselbe war der erste jüdische Buchhändler hier. — Wie es heißt, hat der erledigte Rabbinersitz zu Pesth schon zu manchen Parteiungen geführt; hoffen wir, daß die Gemeinde nach Recht und Gerechtigkeit wählen wird. Saaz, 28. April. Der „Oesterr. Ztg." wird von hier gemeldet: Das allgemeine Tagesgespräch und der ausschließliche Stoff der Unterhaltung ist hier allerorts eine Verordnung unseres Bürgermeisters. Saaz hatte wie mehrere andere Bergstädte das Privilegium, daß sich in derselben kein Jude über Rächt aufhalten durfte. Dieses Privilegium wurde bis zum Jahre 1848 ziem-