Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1857)
- Date
- 1857-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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zh Jahrgang. Allgemeine 20. Zeitung des Zv-euthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, dm 11. Mai 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bugen in Quart incl. de» Titel», Register» u. s. «. um. fassen. Zn Gemäßheit des Zwecke», derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit Z Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/» Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesctzt morden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitung-. Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zum zweiten Mai. — Vom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. — An die Herren Abonnenten des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Judenfrage in England. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Ulm. Eschwege, Eschwege, Darmstadt, Cassel, aus dem Hannöverschen. Preußen: Warmbrunn, Landsberg a. d. W., Pleß, Oesterreichischer Kaiserstaat: Fünfkirchen, aus Mähren, Wien, Saaz. Großbritannien: London. Frankreich: Paris. Leitende Artikel. Magdeburg, 1. Mai. Zum zweiten Mai. Diese Überschrift soll unsre geehrten Leser nicht etwa daran erinnern, daß mit dem gestrigen Tage jener Monat begonnen, den der deutsche Kalender mit dem Namen des Wonnemonats beehrt hat, und den dennoch das bekannte Sprüchwort „kühl und naß" wünscht — ein Wunsch, der auch zumeist in Erfüllung geht, ohne die damit erhofften Folgen der Fruchtbarkeit zu bringen. Es ist auch weder ein religiöser, noch nationaler Festtag an diesem Tage, den wir feiernd zu begrüßen hätten. Und dennoch ist eS uns nicht möglich, diesen Tag ohne irgend ein Gedenkwort vorübergehen zu lassen. Am zweiten Mai 1 8 3 7 erschien die erste Nummer der „AllgemeinenZeitung des Judenthums", und so sind es volle zwei Jahrzehende, die heute dieses Blatt durchwandert hat, und die an diesem Blatte vorübergegangen sind. Wir haben keine Vorliebe für sentimentale Rührungen. Was immer und überall geschieht, kann uns nicht in Verwunderung setzen. Das Vorüberrollen der Zeiten, das Kommen und Gehen der Geschlechter kann kein Erstaunen Hervorrufen. Und wenn wir mit Wehmuth an die Vielen gedenken, welche seit dem ersten Auftreten dieser Zeitung ihre Mitwirkung geschenkt hatten, und seitdem aus diesem Leben geschieden: so kann uns der Gedanke an die doch nicht zu geringe Zahl der Ehrenmänner, welche vom Beginn an unverändert ihren Beistand uns liehen und an die große Schaar der jüngeren, welche uns im Laufe der Jahrzehende ihre Unterstützung und Förderung uns zuwandten, nur mit um so größerer Freude erfüllen. Das Faktische ist unser Element; und richtet sich daher unser Blick auf die verflossenen Jahrzehende, so wirft der Moment uns die Frage entgegen: was ist in ihnen geschehen? und was lehrt uns das, was geschehen ist? Beantworten wir uns die letzte Frage zuerst, so können wir sagen: die Thatsachen dieser zwei Jahrzehende, die wir auf unsrem Gebiete mit klarem Auge überschauen können, lehren uns in bestimmtester Weise, daß der Fortschritt in der Menschheit sicher, aber allmählig ist. Es ist dies für uns keine banale Phrase, sondern der Ausdruck unsrer innigsten Ueberzeugung, der Aus-