Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1857)
- Date
- 1857-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ai, Jahrgang. Allgemeine 10 Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. Leipzig, den 4. Mai 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montag-, und wird jährlich 78 Dvgen in Quart incl. de- Titels, Registeru. f. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zwecke-, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Stylt, für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22lk Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. ZeitungS-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Professor Julian Schmidt betreffend. — Königsberg in Preußen. — Verhandlungen im preußischen Hause der Abgeordneten. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Württemberg, Darmstadt, von der untern Weser. Preußen: Grätz, Aachen, aus der Provinz Posen. Australien. Brasilien: Rio de Janeiro. Leitende Artikel. Hamburg, im April. Professor Julian Schmidt betreffend. In einem nicht allein unentbehrlichen, sondern auch reichen und vortrefflichen Werke, der Geschichte der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert von Julian Schmidt ist, wie in allen Ausarbeitungen dieses gelehrten Schriftstellers, manches Unfreundliche über Juden und Judenthum gesagt, das zu eng mit dessen sonstigen Anschauungen zusammenhängt, als daß wir hier mit ihm darüber rechten möchten. Doch glauben wir unsre Leser auf folgende zwei Stellen aufmerksam machen und fie mit einigen Bemerkungen begleiten zu dürfen, weil fie eben nicht aus der strengen Theorie des vermeintlich vorurtheilslosen Augustinianers, sondern glücklichsten Falls aus dem Ammenbrevier zu stammen scheinen. Einmal steht nämlich Band 3. Seite 185. (3. Aust.) bei dem Urtheil über Mosenthals Debora, die 1849 einen ungewöhnlichen Anklang fand: „Der Grund war der conventionell gewordene Liberalismus, der die Sache des Judenthums mit der Sache der Menschheit identificirte. Diese sentimentale Auffassung eines in der Geschichte begründeten und daher darstellbaren Confiicts nimmt der historischen Erscheinung, indem sie derselben schmeichelt, mit ihrem Charakter auch ihre Berechtigung. Wenn wir die Juden unsrer heutigen Poesie betrachten, so begreifen wir nicht, wie die Geringschätzung des Stammes in der öffentlichen Meinung jemals so allgemein werden konnte, denn wir finden in ihnen lauter Heroen, lauter leidende Engel." Der letzte Satz hat allerdings seine Wahrheit, und wir haben es in dieser Zeitung schon öfter ausgesprochen, daß Derjenige uns eben so verletzt, der uns über, als der, der uns unter das Niveau der allgemeinen Menschheit unfern Platz anweist. Im Uebrigen aber ist selten eine überzuckerte Malice unwahrer gewesen, als die in dem Mittelsatze. Wie? das Hervorkehren der menschlichen Gefühlsseite eines historisch erschienenen „Conflicts" nähme diesem seinen Charakter? Also ihr Dichter alle, die ihr die Leiden besiegter Menschenclassen besungen habt, packt eure Waare ein, es ist unberechtigte Contrebande. Wenn EuripideS, Virgil, Schiller von den gefesselten Trojanern fingen, was ist ihnen Hekuba? wenn Corneille uns einen verurtheilten Polyeukt, wenn Voltaire uns einen blutenden Coligny, wenn Goethe uns mit Thränen im Auge eine vertriebene deutsche Dorfgemeinde vorführt, da zerstören sie das Recht einer geschichtlich begründeten Erscheinung.