Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1857)
- Date
- 1857-04-13
- Page
- Seite 216 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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SIS Von diesen besuchten die Schulen 3611, somit gegen das Vorjahr um 34 mehr. Lehrer wurden 39, Unterlehrer 22, Mädchenlehrerinnen 1, Jndustriallehrerinnen 7 und vorzügliche Beförderer des Schulwesens 19 ausgewiesen. An allen Schulen wurde der Unterricht Nach den vorgeschriebetten Lehrbüchern und mit einem sehr befriedigenden Erfolge «rtheilt. In Schlesien besianden israelitische Volksschulen zwei zu Teschen und Hotzenplotz mit deutscher Unterrichtssprache. Sie hatten blos 65 schulbesuchende Kinder mir zwei Lehrern, die übrigen schulfähigen israelitischen Schüler, deren Zahl aus 229 angegeben wurde, besuchten katholische Schulen. Dieses Eingangs benannte Blatt, das zum Aufschwünge deS österreichischen Volksschulwesens in neuester Zeit nicht wenig beigetragen, widmet, trotz seiner katholisch konfessionellen Färbung, auch dem jüdischen Schulwesen ein vorzügliches Augenmerk, und läßt gern dem Verdienste, wo es dasselbe antrifft, Anerkennung angedeihen. In ausgezeichneter Und toleranter Weise wurde im vorigen Jahrgange in demselben die VolkSschulfrage der Israeliten Wiens besprochen. In einem ganz andern Geiste behandelt dieses Thema ein anderes in Wien erscheinendes Blatt. Es betitelt sich: „Oesterreichisches pädagogisches Wochenblatt" und wird von einem gewissen Josef Kaiser redigirt. In dem beregten Aufsätze mit der Ueberschrist „Das Judenkind in der katholischen Volksschule" erscheint der Redakteur als ein Judenfeind comms il fam und zeigt sich würdig, einem Eisenmenger, Ghylani, Wagener und Andern an die Seite gesetzt zu werden. Da dieser Aufsatz in der Probenummer vom Januar d. I. sich befindet, so soll derselbe gleichsam als Lockspeise dienen, um Gleichgesinnte zur Pränumeration einzuladen. Daß sich dieselben nicht aus der Zahl unsrer Lehrer recrutiren werden, dafür ist mir der gesunde Sinn derselben, und der Grund der Bildung, den sie in neuerer Zeit erhalten, Bürge. Auch glauben wir kaum, daß sich der Herr Redakteur in unserer Monarchie an den Juden die Sporen verdienen wird, die ihm bis jetzt auf anderem Gebiete ausgeblieben.*) Er hält „den religiösen Zustand des jetzigen Judengeschlechtes als einen allzu ärgerlichen und lockern und deshalb für die unbefangene katholische Ju¬ *) Der Redakteur ist zugleich Rector einer Hauptschule. Corr. gend als einen gefährlichen." Er möchte die Juden „geradezu für Götzendiener halten, und als ihren Götzen ihren Gott das Geld*) erklären." Er meint ferner, „daß die Halbheit ihres religiösen Wissens und Glaubens bei den immer zahlreicher werdenden eigenmächtigen Enthebungen von Gebräuchen und Satzungen andere Fehler immer mehr hervortreten lasse." Er beklagt die schöne Zeit, wo der Judenjunge an Sabbath und Festtagen die Hände übereinander hielt und keine Feder berührte. Wahrscheinlich erinnert er sich dabei auch mit Wehmuth an die schöne Zeit, wo die Judenbuben auf abgesonderten Bänken in den katholischen Schulen saßen und man ihnen außerhalb der Schule unangefochten SteiNe nachwerfen und Hep Hep Nachrufen konnte. Die jüdischen Schüler sind ihm „fast gleichförmig Ruhestörer, unverträglich, streitsuchend, unordentlich und unrein in ihren Schreibegeräthen und Büchern, unordentlich in ihrer Kleidung u. s. w. Dies sind aber sämmtlich Veranlassungen, den Unterricht auf eine unliebsame Weise zu stören, und die Handhabung der Ordnung, der Disciplin, der religiösen Erziehung zu erschweren." Wir halten es nicht der Mühe werth, ihm das Lügenhafte seiner Anklagen zu zeigen, und ihm durch hundert Facta gerade das Gegentheil zu beweisen^ Ich will mich blos auf einige Thatsachen aus meinem Kreise beschränken. Gleich nachdem ich den Artikel gelesen hatte, erbat ich mir von Sr. Hochwürden dem k. k. Schulrath und Inspektor für alle katholischen und jüdischen Schulen dieses Kronlandes, Herrn Kümmer, Auskunft über den intellektuellen und moralischen Zustand der israelitischen Jugend, sowohl jener, die in eigenen jüdischen Schulen unterrichtet werden, als auch solcher, die christliche Schulen besuchen. Ich erhielt zur Antwort: „Was den geistigen Standpunkt der israelitischen Jugend betrifft, ist derselbe ein hervorragender und in moralischer Beziehung fügen sie sich überall den DiSeiplinarvorfchriften, und hat man nirgends Ursache, über ihr moralisches Verhalten zu klagen." An den hierländischeN Gymnasien zeichnen sich in jedem Semester einige Israeliten besonders aus. Von den wenigen hier bestehenden israelitischen Volksschulen sind bereits einige von der hohen Regierung als Musteranstalten bezeichnet worden. *) Das jüdisch» Geld ist von jeher das goldene Kalb, um das alle Zudenfresser tanzen. Corr.