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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-04-06 · Heft 15 (6.4.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 15 (6.4.1857)
Date
1857-04-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JW 15. 81. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Luhwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 6. April 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. um« fassen. Zn Gemäßheit des Zweckes/ derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/2 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt morden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Beruf deS Judenthums in der Neuzeit. — Brutalität. — Eine Lüge und eine Abgeschmacktheit. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Württemberg, Hamburg. Preußen: Vom Rhein. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Großbritannien: London. Rußland: Mitau, Petersburg, Petersburg. Leitende Artikel. Magdeburg, 27. März. Der Deruf des Iudenthums in der Neuheit. Von welcher Seite auch Einwendungen erhoben werden mögen, so ist eS doch nicht zu verkennen, daß das Judenthum in der Neuzeit einen ganz anderen Beruf hat, als seine Bekenner in die Ghettis wieder einzuschließen, sie von der menschlichen Gesellschaft fern zu halten und aller Geistesbildung zu entziehen. Einen anderen Beruf, denn die Juden sollen außer Juden auch Menschen sein, fie sollen an allen menschlichen Bestrebungen Theil nehmen, alle menschliche» Thätigkeiten üben, alle menschlichen Erwerbnisse erringen. Sie sollen Juden mit vollberechtigtem Bürgerthum sein, wie es schon der Prophet Jirmejah im 29. Capitel zeichnet. Denn ein Judenthum, welches ein Anderes bedingte, ein Anderes als seine erste Forderung stellte, wäre eine Religion der Knechtschaft, eine Religion des Druckes, und das ist nicht die Religion, die vom Sinai ertönte, mit Zerbrechen von Sclavenketten begann, und in dem Munde von Propheten und Sängern ihre Ausdeutung fand; das ist nicht die Religion, welche vier Jahrtausende überwand und ihre Kinder noch heute so an sich ziehet, wie sie es in Babel, Susa, Rom und Granada gethan. Von welcher Seite auch Einwendungen erhoben werden mögen, nichts ist sicherer: das Judenthum istkein Götzendienst des Buchstabens. Die Religion Israels, welche auf Grund des Moseswortes selbst Jahrtausende hindurch nur die lebendige Ueberlieferung von Mund zu Mund, die lebendige Entwickelung von Geschlecht zu Geschlecht gekannt, welche es strengstens verpönt hatte, außer der Thorah irgend eine Satzung niederzuschreiben, da sie sonst neben der Thorah sich die Autorität des Gotteöwortes zueignen und den Geist erdrücken könnte — so daß es nur als ein zweiter Verlust der Selbstständigkeit angesehen werden kann, wenn man zwei Jahrhunderte nach dem Verluste der Nationalselbstständigkeit (Zerstörung Jerusalems) anfing, die Satzung auf dem Papiere zu firiren (Mischna), Schrift auf Schrift zu häufe», welche alle bis auf die Schriften der Rabbinen des vorletzten Jahrhunderts unbedingte Geltung theils vindicirt erhielten, theils sich vindicirten; wenn man von jener Zeit an die iininer frisch blühende und Früchte tragende Hecke der Satzung und religiösen Sitte zu einer steinernen, immerfort erhöhten Mauer machte, welche Luft und Licht immer mehr abhielt — diese Religion Israels war und ist eine Reli-

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