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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-30 · Heft 14 (30.3.1857) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 14 (30.3.1857)
Date
1857-03-30
Page
Seite 188 (sequence 10)
Language
German
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188 lich ausgelegte Urwahlliste ergiebt, daß die Berliner Gemeinde gegenwärtig über 2300 beitragende und so« mir wahlfähige und wahlberechtigte Mitglieder zählt. Bei der im Februar 1854 vorgenommenen Wahl betrug die Zahl derselben nur etwa 1700. Marienburg, 18. März. „Der brutale Fastnachtsstreich" in Guttstadt, wie man die unnennbare That von dort aus berichtigend zu benennen beliebt, hat leider auch in unserer Stadt ein, wenn auch schwächeres Echo gefunden. Der Sohn des jüdischen Lederhändlers B. wurde in einer Restauration ohne jede Veranlassung auf eine empörende Weise mißhandelt, und im Triumph über diese Heldenthat hörte man Abends im „Actienbudiker" einen Chorus mit einstimmen „Schmeißt ihn raus den Juden Jtzig". Was die Staatsanwaltschaft, der die Sache übergeben ist, dazu sagen wird, werde ich seiner Zeit mittheilen. (Königsb. Telegr.) Elberfeld, im März. (Privatmitth.) Die seit mehr als einem Jahre unbesetzte Stelle eines Predigers und Religionslehrerö ist durch den Dr. Herrin. Engelbert, der vor Kurzem die Schrift: „Das negative Verdienst des A. T. um die Unsterblichkeitslehre" veröffentlicht hat, besetzt worden. Magdeburg, im März. (Privatmitth.) Die hiesige Synagogen-Gemeinde hat ihr Statut vom Oberpräsidenten bestätigt zurückerhalten. Es ist durchaus ihr altes, 1849 entworfenes geblieben, außer daß es fünf Vorsteher statt drei, und die Eintheilung der Gemeindewähler in drei Classen nach der Besteuerung — ein allerdings nichtjüdischer Modus — annehmen mußte. Aus der Provinz Posen, 10. März. (Privatmitth.) Der jüdische Lehrer Bartmann in Erin hat unter den Zöglingen der unter seiner Leitung stehenden Unterrichts anstatt einen Verein gestiftet, durch welchen arme Kinder ohne Unterschied des Glaubens (mit Kleidern, Wäsche, Schulmitteln u.) unterstützt werden sollen. — In unserm Berichte vom 13. vorigen Monats in No. 10. dieser Zeitung haben wir uns die Beantwortung der Frage Vorbehalten: Warum in so vielen Gemeinden unserer Provinz noch Chedar und M'lamed sogar denjenigen Lehrern vorgezogen werden, von denen man überzeugt ist, daß sie im hebräischen Wissen genug besitzen, um darin mit gutem Erfolge unterrichten zu können? — Der M'lamed ist in der Regel nicht mehr jung, oft sogar schon hoch bejahrt, zumeist in den ärmlichsten Verhältnissen lebend und durchgängig der orthodoxesten Richtung angehörend. Wer nun sein Kind, um es privatim im Hebräischen unterrichten zu lassen, zum M'lamed schickt, thut dies aus Sympathie für dessen religiöse Richtung, wenn es nicht — was gewiß noch weit häufiger der Fall ist — aus Rücksicht gegen sein Alter und Mitleid mit seiner Armuth geschieht. Der Lehrer in der Gemeinde ist gewöhnlich noch jung oder wenigstens noch nicht alt; er lebt, wohnt, kleidet sich u. s. w. — selbst bei dem dürftigsten Einkommen — noch immer anständig genug, um wenigstens nicht geradezu Mitleid zu erregen, — und was endlich die religiöse Richtung betrifft, so ist er — und wenn er auch gerade nicht zu den radicalen Reformern gehört — doch immer eher dem Fortschritte als dem Veralteten und Abgeschmackten hold. — Mit dem Bisherigen haben wir aber zur Beantwortung unserer Frage noch nicht Alles — und viel weniger noch das Wesentlichste und Wichtigste schon — gesagt. Wissen Sie, Herr Doctor, was die Hauptsache ist? Wissen Sie, was die meisten Kinder, welche Hebräisch lernen sollen, von dem Lehrer weg- und dem M'lamed zuführt? Es ist der Umstand, daß der M'lamed, wenn auch qualitativ wenig oder gar Nichts, so doch quantitativ weit mehr als der beste Lehrer liefert. Und das ist auch ganz natürlich. Der Lehrer, pädagogisch gebildet, sieht vor Allem auf Gründlichkeit und zielt dahin, daß daS Kind daö Pensum im Hebräischen nicht blos mechanisch übersetzen, sondern zuvörderst richtig lesen, gehörig verstehen, alsdann aber auch sprachlich analysiren und sachlich erklären lerne. Das sind aber lauter Dinge, auf die der M'lamed durchaus gar kein Gewicht legt, weil er selber von ihnen nur selten Etwas inne hat. Versteht sich von selbst, daß nun der M'lamed in jeder Woche nicht blos die ganze betreffende Sidrah, sondern wo möglich obendrein noch ein Stück Raschi und ein oder einige Capitel Poosuk (Propheten und Hagiographen) durchgehen — richtiger: durchlaufen— kann, während der gewissenhafte Lehrer sich oft auf ein einziges Capitel der heiligen Schrift — und zuweilen noch auf weniger — beschränken muß. Will er anders,

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