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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-03-23 · Heft 13 (23.3.1857) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 13 (23.3.1857)
Date
1857-03-23
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 betische Ordnung der Namen aller Kauf- und Handelsleute mit Angabe ihres Geschäfts, von dem Kartoffel- Händler bis zum Banquier, vow A bis Z. In diesem Buche sind aber absichtlich die katholischen und israelitischen Kaufleute weggelassen, so daß diejenigen, welchen man dieses Buch zustellt, eine Aufforderung erhalten, ihre katholischen und israelitischen Mitbürger als außerhalb der Staatsgemeinschaft stehend zu betrachten und sie ihrem eigenen Schicksale zu überlassen. Wir finden keine Worte, um solche verächtliche Mittel zu brandmarken; das Unwürdige des Verfahrens scheint denn doch dem Urheber so weit eingeleuchtet zu haben, daß er es nicht gewagt hat, sich mit seinem Namen dazu zu bekennen." — Der „Grondwet" frägt: wohin dies führen würde? Die Frage ist nicht, schwer zu beantworten — zu jener Herrschaft blinder Intoleranz, schnöder Ausschließungs¬ und Verfolgungssucht, die bis gegen Ende vorigen Jahrhunderts in Europa herrschte, welche selbst die Folter und den Scheiterhaufen, von einer Partei der anderen bereitet, nicht scheut, zu jener Herrschaft finsterer Vorurtheile, welche selbst den Justizmord in ihrem Gefolge hat, wie wir davon ein Beispiel so eben in No. 25. des jüd. Volksblattes, gerade vor hundert Jahren geschehen, erzählt haben. Man sieht, daß die Intoleranz in unsren Tagen den entgegengesetzten Weg wie früher eingeschlagen. Während sie sonst die Gesetzgebung in ihrer Macht zu behalten suchte, da sie die Volksmaffen selbst sich ihrem grausamen Sceptcr immer mehr entziehen sah: strebt sie jetzt da, wo ihr die geheiligten Pforten des Gesetzes mit strenger Wacht verschlossen bleiben, in die verschiedenen Schichten der Gesellschaft einzudringen, die Bürgerschaft zu spalten und wider einander zu Hetzen. Um so mehr ist es die heilige Pflicht Jedes, der die heiligen Flammen der Religion und Humanität von dem rußigen Dampfe des Fanatismus nicht verhüllt sehen will, wachsam zu sein und mit aller Macht und Anstrengung jedem Symptom dieser factischen Intoleranz entgegen zu treten. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung haben nur Wenige Einfluß, aber in der Gesellschaft selbst hat Jeder seinen Platz und kann von ihm aus auf einen weiteren oder engeren Kreis wirken. Eine Wahrnehmung, die aus obigen Facren fließt, wollen wir abermals hervorheben, so oft wir sie auch schon gemacht, und so sehr man sie nunmehr als ein Ariom ansehen kann; nämlich, daß die Intoleranz sich niemals gegen eine Partei wendet, sondern gegen alle außer ihr, daß daher die Partei, die an einem Orte verfolgt, am anderen Orte verfolgt wird, daß die gegen die Juden ausgeübte Unduldsamkeit sich eben so bald gegen die Katholiken, wo die Protestanten, und gegen die Protestanten, wo die Katholiken die Oberharch haben, bethätigt. Wahre sich daher ein Jeder schon im Interesse seiner eigenen Partei, diesem Götzen zu opfern.*) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Schwaben, im März. (Privatmitth.) Freitag, den 20. Februar d. I. wurde in Butten wiesen eine neue Synagoge feierlich eingeweiht. Nachmittags 1 Uhr setzte sich der festliche Zug nach dem neuen Gotteshause in Bewegung; während desselben wurden von der Schuljugend zwei Lieder auS dem Gesangbuche von Dr. Philippson unter Blechmusikbegleitung gesungen. Der eigentliche EinweihungSaet nach Eröffnung der Synagoge durch den König!. Herrn Landrichter Rupprecht ging unter Leitung des Herrn Rabbiners Sänger nach gewöhnlichem Ceremoniell und unter lautloser Stille würdevoll vor sich. Den Schluß bildete der Hallelujah in dem bezeichneten Gesangbuche, der, von einem gemischten Chore unter Blechmusikbegleitung vorgetragen, so mächtig auf die ganze Versammlung wirkte, daß ihn Schreiber dieses in jede Synagoge eingeführt wissen möchte. — Der sabbathliche Abend- und MorgengotteSdicnst schloß sich dieser erhabenen Feier, zu der sich eine große Anzahl Fremder aus der Nähe und Ferne eingefunden hatte, würdig an. Die Wechselgebete wurden vom Vorbeter und Chore unter Direktion deS Herrn Lehrers Heilbronuer mit vieler Würde vorgetragen. — Was den Neubau selbst betrifft, so entspricht derselbe in allen seinen Theilen seinem heiligen Zwecke, und haben einzelne Vereine und Personen durch werthvolle Spenden die CultuSgemeinde zu hohem Danke sich verpflichtet. — Möge der, der über den Cherubim thront, segnend und schützend herabblickcn auf die fromme Kehillah, die, ihm zur Ehre, sich zum Heile, mit so stiller, friedlicher Opferbereitwilligkeit einen so herrlichen Tempel gebaut! — B. *) Die Ueberfülle an Stoff nöthigt uns, in dieser Woche den Art. II. „über die Geschmacksrichtung unsrer Zeit", den „liter. Wochenbericht" rc. zurückzulegen. Die Redaktion.,

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