Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 10 (2.3.1857)
- Date
- 1857-03-02
- Page
- Seite 133 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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13ä Strecke Landes angekauft, eine jüdische Colonie gebildet, körperlich taugliche israelitische Subjekte ausgenommen, beschäftigt und in den verschiedenen Zweigen des Garten- und Ackerbaues, wenn thunlich auch in Pflanzenkunde ausgebildet werden. Der von den Arbeitern verdiente Lohn soll denselben, nach Abzug der Ausgaben, in Land oder sonst nach dem Ermessen der Directoren sicher gestellt werden. Bis dahin, daß die Gesellschaft im Stande sein wird, obiges Projekt auszuführen, wird sie sich bestreben, jungen Israeliten ein Unterkommen bei kompetenten Farmern, so wie Unterricht im Acker- und Getreidebau zu verschaffen. Der Fond der Gesellschaft wird durch Aktien gebildet, welche 12 Dollars betragen und in monatlichen Raten von 1,00 Dollars eingezahlt werden. Aktien-Inhaber, welche Mitglieder der Gesellschaft fein wollen, zahlen 3 Dollars per Jahr und erhalten am Schluffe des vierten Jahres eine weitere Aktie. Liberale Geschenke berechtigen zur Mitgliedschaft auf Lebenszeit. Die Beamten der Gesellschaft bestehen auS einem Präsidenten und 24 Directoren. Aus letzteren wird der Vicepräsident, Casster und correspondirende Secretair erwählt. Das Amt deö protokollirenden SecretairS darf durch keinen Direktor besetzt werden. Gegenwärtig ist vr. S. Waterman Präsident, Aler. Chailly, Vicepräsident, L. HeidenheiMer, Cassier, PH. Schulhof, correspondirender Secretair. Henry American, Rec. Secretair. Charleston (S. C.), 20. Januar. (Privatmitth.) DaS ZionS-Collegium in Cincinnati gehört zu den Dingen, die gewesen. Ruhe und Frieden seiner Asche, und Trost seinen trauernden Hinterbliebenen! Der Conferenzstreit währt immer noch fort; doch ist er in eine neue Phase getreten. Herr Leeser griff vor einigen Monaten den Herrn Dr. Lilienthal etwas zu direct an, indem er geradezu erklärte. Letzterer habe ihm bei seiner Ankunft in Amerika geschrieben, et (ftr. Lilienthal) wäre kein Reformer ü. s. w. und gab ihm zu verstehen, daß der berüchtigte zweite Artikel nur die Auslegung, oder vielmehr Schlußbestimmung des Schulchan Aruch enthielte u. dgl. vr. Lilienthal konnte nun nicht mehr länger schweigen, zumal da auch Ihr Artikel in Nummer 42. der Zeitung des JudenthumS zur selben Zeit wie ein Donnerschlag dazu eintraf. Er schreibt daher jetzt „offene Briefe" in englischer Sprache an Herrn Leeser, in. denen er wieder einmal wirklich ultraradicale Principien bekennt. Die Sache wird interessant. — In daS Cabinet des ernannten Präsidenten wird auch ein Jude als Justiz minist et mit gewählt werden, nämlich Herr Benjamin, ein geborener Charlestoner, dessen Vater ich vor nicht langer Zeit zum Grabe geleitete, da er meiner Gemeinde angehörte. — Herr Benjamin ist eines der ausgezeichnetsten Mitglieder deS Bereinigten - Staaten-Senates für Louisiana. — Wenn Herr Leeser in seinem Schreiben an Sie sagt: „Die Reform ist ein Nichts, so weit daS Judenthum Gutes davon genießen soll", so hat er eben wieder nur eine der leeren Behauptungen ausgesprochen, in denen er sich so gern ergeht, ohne >ie. Beweise dazu zu liefern. Er erlaube uns aber die Frage: Was hat seine seit beinahe einem Vierteljahrhundert von der Kanzel und in Zeitschriften gepredigte Orthodoxie Gutes für daS Judenthum in Amerika gethan? Was anders als worüber er klagt, nämlich: Jndifferentismus und Ignoranz? Lasse Herr Leeser die Reform in Amerika nur einmal so alt sein, wie seine Orthodoxie, und wir Reformer fürchten dann' eine Vergleichung nicht. WaS wir zuvörderst bekämpfen wollen, ist der moderne Pharisäismus, alias: Neu-Orthodoxie, die eben durch die Bemühungen eines Herrn Leeser und Consorten, — von mehreren, Herrn Leeser mit eingeschlossen, ganz absichtslos — auf eine blühende Höhe in Amerika wie sonst nirgends gebracht worden ist. Die Reform macht übrigens Riesenfortschritte in Amerika, trotz allem Nachteulengeschrei; und Aussprüche, wie die obigen des Herrn Leeser, sind eben nur. die Schmerzensschreie eines Sterbenden, der den Heiligenschein von seinem Haupte schwinden sicht, oder ein liebes Kind, für das er nur blinde Anhänglichkeit fühlte, zum Grabe begleitet. — Die zweite Conferenz, die nach dem Beschlüsse der ersten am 26. December letzthin stattfinden sollte, blieb aus, und wird wohl noch lange auf sich warten lassen. — 10**