Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1857)
- Date
- 1857-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Jahrgang ..V* 9. Allgemeine Zeitung -es Zudent-vins. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. H e r a u s g e g e - e n v on Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 23. Februar 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (I Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 '/r Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zcitnngs - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zum Wiederaufbau des Judenthums. — Wie schmerzlich für einen — Deutschen. — Das jüdische Schulwesen in Rußland. I. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Danzig, Bielefeld, Bielefeld, Königsberg in Pr. O esterrei ch i scher Kaiserstaat: Pefth, Wien, Wien, Prag, Kecökemct, Nagy-Karoly, Lemberg. Frankreich: Paris. Amerika': Baltimore. Rußland: Turaspol. Leitende Artikel. Magdeburg, 16. Februar. Jum Wiederaufbau des Iudenthums. Wir haben in der vorigen Nummer dieser Zeitung aus Kopenhagen über die großartigen Stiftungen, die jüngst dort gemacht worden, berichtet, und schon beute bringt unsre Correspondenz aus Wien Nachricht über die Legate eines Herrn Königsberg von zweimal hundert Tausend Gulden zur Errichtung einer Erziehungsanstalt für arme jüdische Mädchen, fünfzig Tausend Gulden für verabschiedete jüdische Soldaten u. s. w. Wir haben wiederholt ausgesprochen, daß diese großartigen Stiftungen, diese zahllosen Vereine und Anstalten, die in der jüngsten Zeit im Schoße der jüdischen Gemeinden entstehen, als eine der Unterlagen am neuen Grundbau des Judenthums anzusehen. Wenn ein in Pre- Musik und Gebet, in Haltung und Weckung veredelter Gottesdienst die eine, ein geregeltes und vom Geiste des Judenthums durchdrungenes Schulwesen die andere, so sind diese Stiftungen, Vereine und Anstalten die dritte starke und herrliche Säule des Judenthums unsrer Zeit und der Zukunft. Es ist fürwahr! nicht allein der Nutzen, der daraus stießt, die Abhülfe mannigfacher Noth, die dadurch geschieht — es ist vielmehr der Geist des Judenthums, der sich hier von Neuem eine reale Erscheinung schafft, es ist die Verkörperung der Grundlehren des Judenthums, die hierin entgegentritt, welche die Wichtigkeit dieser thatkrästigen Richtung ausmachen. So viel auch in alter Zeit für Stiftungen und Vereine innerhalb des Judenthmns geschehen, und dies immer eine der edelsten Seiten unsrer Glaubensgenossenschaft gewesen: so hat es doch keine Zeit gegeben, die der unsrigen hierin gleich käme, die so überraschend viele, große, und für die mannigfaltigsten Zwecke bestimmten Stiftungen, Vereine und Anstalten geschaffen. Kommt uns z. B. doch so eben auch die Nachricht zu, daß der Vorsteher der Synagogengemeinde zu Landsberg a. d. W., Herr Benny Vurchardt, jüngst zur Feier seiner silbernen Hochzeit viertausend Thaler bei der königl. Gewerbeschule in Berlin fundirt hat, von deren Zinsen ein bedürftiger israelitischer Jüngling je auf drei Jahre jährlich 200 Thlr. zum Besuche dieser Anstalt erhält. Von jenen Stiftungen der alten Juden bis zu den Stiftungen des letzten Jahrzehends war aber eine weite Kluft, eine lange öde Zeit, in welcher die Juden es sich zur Ehre anrechneten, ihrer Glaubensgenossenschast ganz zu vergessen und vielmehr mit Le-