Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1857)
- Date
- 1857-02-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ai. Jahrgang. Allgemeine 7. Zeitung des Zudenthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. Leipzig, dm 9. Februar 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart tncl. veS Titel-. Registeru. s. w. umfassen. In Gemäßheit deS Zwecke-, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für da- Vierteljahr angeseht worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. ZeitungS» Expedition allhter unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die deutschen Zeitungen und die russischen Juden. — Ueber den Geschmack unsrer Zeit. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. ZeitungsnachrichtenrDeutschland: Bechtheim,Worms. Preußen: Neustadt, Elbing, Berlin, Berlin, Berlin, Berlin, aus der Provinz Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Skizzen aus dem jüdischen Eherechte. Leitende Artikel. Magdeburg, 2. Februar. Die deutschen Zeitungen und die russischen Inden. Wir Deutsche sind das Volk des Wortes, während Andere Völker der That sind. — Wir verwahren uns dagegen, daß wir hiermit nichts als einen Tadel hätten aussprechen wollen. Jedes Volk hat seinen Charakter und seinen Beruf. Der Deutsche ist bestimmt, zu denken, zu forschen, von allen Seiten zu erwägen und zu schreiben. Was Wunder, daß die That sehr spät hinterdrein hinkt. Aber es ist ein Großes und Mächtiges um das Wort, und wenn es hoch und heilig gehalten wird, wird es zum Mosesstabe, der das Meer spaltet und durch die Wüste führt; wird eS aber in den Staub geworfen, wird es zur Beschönigung der List und der Tücke mißbraucht, dann freilich! wird eS gleich jenem zur Schlange, die in dir Ferse beißt. Man hat in Frankreich die Frage der bürgerlichen Gleichstellung nur wenig discutirt. Einige kleine Abhandlungen und einige Reden in der ersten Nationalversammlung genügten. Man sprach 1792 diese Gleichstellung aller Bürger und aller Culte aus, und seitdem ist sie vvllenvete That, an welche selbst die Restauration keine Hand anlegte. In Deutschland hat man ganze Bibliotheken über diesen Gegenstand — wir sagen mit Absicht nicht „Frage" — zusammengeschrieben, die zahllosen Artikel der Tagespresse nicht zu rechnen, und man hat bis heute nur nachgegeben, was gar nicht zu umgehen war, und in einigen deutschen Staaten ist diesogar herzlich wenig. Da dies also im Charakter und Beruf unsrer Nation liegt, so machen wir, wie gesagt, keinen Tadel daraus. Aber um so mehr Anspruch hat die Welt, dem Deutschen es zur Pflicht zu machen, das Wort heilig zu halten, und eö s wenn nicht der Humanität und Menschenliebe, doch der Gerechtigkeit zu weihen. Nun giebt es zwar Leute unter jedwedem Volke, von denen man sich nicht einmal Gerechtigkeit vermuthet; in ihrem blinden Parteiinteresse — Partei haß ist jetzt selten —■ ist es ihnen sehr gleichgültig, mit dem Rechte im Bunde zu bleiben, wenn ihre Zwecke gefördert werden. Wie soll man es aber bezeichnen, wenn man die ganze Presse einer Nation, die das Volk des Wortes ist, der Verleumdung und Bosheit dienen sieht?... Wir haben in den letzten Nummern bereitmehrere