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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-19 · Heft 4 (19.1.1857) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 4 (19.1.1857)
Date
1857-01-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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21 Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Hera US gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 19. Januar 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jätulich "8 B^en in Quart incl. des Titels. Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Rgr. (1 Tblr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22« 2 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr ang.setzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Bibel und ibre Auslegung. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Literarischer Wochenbericht. — Wichtige Bemerkung. — Ein Sieg in Preußen. — Die Vorschriften über den Aufenthalt fremdländischer Israeliten in Rußland. Zeitungsnachrichten: D e u t sch l a n d : Aus Bayern. Preußen: Stettin. Die Schweiz: Ncuenburg. Leitende Artikel. Magdeburg, 12. Januar. Wie Dibel und ihre Auslegung. Die Bibel enthält die Offenbarung der religiösen Idee. Die Bibel ist die geheiligte Urkunde der Religion Israels. Die Bibel ist die Grundlage der sittlich religiösen Bildung in der Menschenwelt. Sie hat dem Menschengeschlechts die rechte Anschauung von Gott, dem Menschen, seinem Verhältniß zu Gott, dem Leben auf Erden, der Welt gegeben. Sie hat bestimmend auf den Entwickelungsgang der Menschheit, auf die Weltgeschichte eingewirkt. Sie hat zahllosen Individuen den rechten Weg gezeigt, Kraft verliehen, Rettung bereitet, den Geist geklärt, das Herz veredelt, Stunden der Weihe und höherer Wonne gegeben. All' dies war ihr Werk, ist ihr Werk und wird es sein. Ihre Zukunft wird noch größer sein als ihre Vergangenheit: denn das Werk, in welchem ihre schaffende rrnd bildende Hand am thätigsten zu sein hat, ist noch weit von der Vollendung, der größte Theil der Ausgabe noch zu lösen. Sehen wir von der philologischen Bearbeitung des Bibelwortes, welche nichts Anderes erstrebt, als die rechte Bedeutung des Wortes, das rechte Verständniß der Form, und dadurch den rechten Sinn des Satzes zu erforschen, sehen wir von dieser ab, so giebt es eine dreifache Behandlung der heiligen Schrift. Die erste ist die buchstäbliche, welche, an den Buchstaben- und Wortlaut anknüpfend, diesen in verschiedener Weise zu verfolgen sucht. Entweder galt es aus dem Wortlaut, ja selbst den Buchstaben eines Ausspruches Satzungen, Vorschriften, Bestimmungen für die Details der Gesetzgebung herzuleiten, oder irgend einen bestehenden Brauch auf diese Weise an ein Wort der Schrift anzulehnen und dadurch zu sanctioniren (Ha-- lacha). Oder man suchte in dem Wort und Buchstaben eine tiefere Bedeutung, einen mystischen Gedanken, eine geheime Andeutung und Lehre (Kabbala). Oder man wollte in leichterem Spiel der Auslegung, absehend von dem eigentlichen Sinne, irgend eine Folge religiöser und sittlicher Gedanken gerade an diesen Satz knüpfen, wie dies in der Hagada geschah und in der jetzigen Predigt noch geschieht. Die zweite Behandlungsweise ist die kritische, deren Anfänge schon bei einigen älteren Commentatoren, namentlich Aben-Esra zu finden, die in Spinoza ihren ersten lauten Verkünder hatte, und endlich seit der Mitt'

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