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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-01-05 · Heft 2 (5.1.1857) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 2 (5.1.1857)
Date
1857-01-05
Page
Seite 24 (sequence 10)
Language
German
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meist aus dem Mittelalter stammenden Ueberreste vor gänzlicher Vernichtung zu wahren. Die älteste bisher bekannt gewordene wirklich classtsche Grabschrist ist, nach Rapoport, die des Rabbi Jizchak Alpasi, starb 1103, verfaßt von R. Moses b. Esra. — Zunz, Geschichte und Literatur, 404, theilt jedoch zwei ältere vom Jahre 1083 und 1091 mit.-Durch die Munificenz des rühmlichst bekannten Menschenfreundes Herrn Albert Kohn in Paris, der die Druckkosten gespendet, ist die Herausgabe des nachfolgenden interessanten Merkchens möglich gemacht worden. Gal-ed. Grabsteininschriftendes Prager israelitischen alten Friedhofes mit einer hebräischen Einleitung und biographischen Notizen herausgegeben von Koppelmann Lieben. Prag, 1856, LIV und 84 nebst Anhang 71 S. — Es enthält diese sorgfältig bearbeitete und gut ausgestattete Sammlung 170 Grabschriften, die der Herausgeber fortzusetzen verspricht, was gewiß höchst wünschenswerth ist und wozu wir ihm recht viele Unterstützung wünschen. Es ist wahrlich merkwürdig, daß ein solches für die Geschichte Prags so schätzbares Werkchcn von etlichen Bogen auf die Liberalität des Herrn Albert Kohn erst warten mußte!! Sollte eine solche hochachtbare Gemeinde, die zu den ersten des Kaiserstaates und Deutschlands zählt, einem solchen Unternehmen nicht selbst die nöthige Unterstützung angedeihcn lassen können? Noch auffallender ist es, daß Herr Albert Kohn, der am meistert dazu berufen wäre, auf die Grabschristen im Orient und in der Türkei, namentlich Jerusalem, Konstantinopel n. dgl. noch nicht sein Augenmerk gerichtet hat, die eines solchen Mäeens bedürfen, wenn deren Veröffentlichung ermöglicht werden soll. — Jedenfalls reiht sich diese treffliche Sammlung den bisherigen Leistungen: Ab ne Sickaron von Almanzi und Luzzato; Inschriften des alten jüdischen Friedhofes von Dr. L. A. Frankel; 60 Epitaphien u. s. w. zu Worms von vr. Lewysohn würdig an. Eine höchst werthvolle Zugabe ist die gelehrte Einleitung von Herrn Rabbiner Rapoport, die sich über verschiedene hierher gehörende Punkte der jüdischen Archäologie verbreitet und eine kurze Geschichte und Kritik der bisher erschienenen Sammlungen liefert. — Von den hier gebotenen Epitaphien (deren zweifellos älteste vom Jahre 1439, Awigdor Kara, ist) zeichnen sich wohl einige durch Kürze und Klarheit des Styls vortheilhaft aus; die meisten aber, besonders bei gelehrten Talmudisten und Kabbalisten des 17. und 18. Jahrhunderts, durch einen ungeheuren Schwulst und eine barbarische Schreibart. In dieser Hinsicht ist die Grabschrist des berühmten Mathematikers, Astronomen und Chronisten R. David Gans, st. 1613, des Freundes von Kepler und Tycho de Brahe, durch ihre gar zu bescheidene Einfachheit sehr merkwürdig, die an jene Mendelssohns erinnert, welche ebenfalls nur die wenigen den jüdischen Sokrates wahrhaft charakterisirenden Worte enthält: Hier ruht der weise Moses aus Dessau u. s. w Sie lautet: rn SHn'b V2NN -b *'b &*'to bnba 'n rTnii'rn ,""»in W22 b22 Mehr witzig und gekünstelt als geistreich ist das überschwengliche Epitaph des Arztes R. Menachen Mazerato aus Rovigo, st. 1679. — Was aber derartigen Urkunden einen besondern Werth außer dem historischen Nutzen verleiht, ist der Einblick in den Culturzustand des Volkes, den sie gewähren. Wir können daraus lernen, welche Tugenden am meisten geschätzt und gepriesen, geübt und heilig gehalten wurden. Es ist die heilige jüdische Trias: Lehre, Mildthätigkeit und Gottesdienst, die allein einen unsterblichen Nachruhm verschaffen konnten, und die die Volksstimme allein als würdig bczeichnete, der Nachwelt zum ewigen Gedächtnisse zu überliefern. Es ist dies wahrlich das schönste Zeugniß von dem hohen sittlichen Geiste unserer Vater in den traurigen Jahrhunderten des Elends und der Barbarei! Man braucht nur, um sich davon zu überzeugen, die Grabschrist des R. Mordechai Weisel (st. 1601) zu lesen, die ein wahres monumentum acrc pcrcnnius ist! R. M ordechai M eisel war nicht blos der Wohlthäter Prags im edelsten Sinne des Wortes, wo er zwei prächtige Synagogen, Spitäler, Schulen und Badehäuser (mN:ü:m7n ■’na, ein curioses neuhebräisches Wort im Gegensätze zu 2 Könige 23, 7.!) erbauete, Gelehrte, Wittwen rind Waisen unterstützte, Gefangene loskaufte re., sondern er unterstützte auch thatkrästig die Armen in Jerusalem, Polen und machte den durch Feuersbrunst verunglückten Gemeinden Krakau und Posen ein unverzinsliches Darlehen mit der höchst bedeutenden Summe von 26,000 Thalern! Noch verdient bemerkt zu werden, daß er 1581 zur Erbauung der Salvatorskirche 100 Thaler beisteuerte! — Eben so merkwürdig ist das Epitaph der Hendel Bas-schewi (st. 1628), Gattin des Vorstehers Jakob Bas-schewi, vulgo Jakob SchimelS, 1621 in den Adelsstand erhoben mit dem Prävicate von Treuenberg (st. 1634). Dieses edle Weib war ein rettender Engel für die durch die Leiden des 30jährigen Krieges heimgesuchren Gemeinden in Oesterreich, Böhmen und Mähren. Sie war im wahren Sinne des Wortes eine Mutter der Armen, ver-

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