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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-12-22 · Heft 52 (22.12.1856) · p. Seite 692

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 52 (22.12.1856)
Date
1856-12-22
Page
Seite 692 (sequence 4)
Language
German
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sondern daS Bedürfniß der Gemeinde 'ist lediglich' ettt-' scheidend; die Umgestaltungkann daher nur von der' Gemeinde auSgehen, d. h. von Denendie Belehrung und Erbauung suchen. Pflicht und Beruf deS Rabbinen istS, auf nothwendige Verbesserungen, also auf Zweckmäßigkeit und Heilbringendeö hinzuweisen, er kann und darf aber keine: CultuSänderungen der Gemeinde octroyiren. Wo dieses geschehen ist, hat die Reform nirgends. Wurzel -gefaßt, sie hat vielmehr da überall Zwiespalt hervorgerufen, den Gemeindeftieden zerstört, die religiöse Innigkeit abgestumpft und den Gemeinfinn gelähmt. Niemand - kann eS zwar dem Rabbinen als Demjenigen, der die Entstehung und Fortbildung der Synagoge am besten kennt, verargen, wenner mehr als-jeder Andere wünscht, die hier eingeschlichenen Mißbräuche, Zu- und Ansätze zu beseitigend; Doch diese Produkte'- sind' wie' unreife, saftlose Früchte^ zur betrachten, die:vor der Gewalt der Zeit vertrocknen, - verdorren und von selbst abfallend Wer daher segensreich in seiner Gemeinde wirken will, muß nicht immer von Reform reden, sondern unbemerkt das Bessere erstreben, er darf der Sache auch nicht alsogleich einen großen Namen geben, das Schadhafte nicht-immer aufdecken, damit der Besserstrebende nicht das Zutrauenzur Beffergestaltüng verliere — und erkalte. Der Rabbiner kann und darf nurwie bereits oben bemerkt, auf die allmählige; Entstehung deö CultuS und-der Liturgie Hinweisen.- Wenn alsdann die Gemeinde das Bedürfnis der Umgestaltung fühlt,- so mag er mit Vorschlägen hervortreten- oder daS sanctioniren, waS die Gemeinde in dieser Hinsicht vorschlägt. Hiergegen wird man mit Recht einwenden, wo hiebei daS rabbinische -Ansehen bleibe, und wie man den Verirrungen und Mißgestaltungen Vorbeugen solle, die durch solche Autonomie der Gemeinde nicht auSbleiben können. - Doch darauf-habe ich auch eine Antwort. . Die rabbinische Autorität beruht 'nur auf mm "2 und srjsins '2, also auf gediegener israelitisch-theologischer Bildungso wie auf Wahrhafter Frömmigkeitverbunden mit einem praktischen Sinn und liebevoller Bescheidenheit.! Wo solche Eigenschaften vorhanden find, da fehlt'S wahrlich nicht an Ansehest und Liebe in der Gemeinde; dieäußere gesetzliche Stellung und die aus d'eN Pflichten der Rabbinen tesultirendeN juridischen Rechte haben Venselbm nirgends - großes-Ansehen verschafft/ Wasl nun die Verirrungen; Mißgestaltungen und Verschiedenheiten d eS CultuS anlangt, so wird Man' tzew'isi den besten überall bald herausfinden, Ja; in früheren Zeiten nach denl bedeutendstes Gemeinden und nach den Rathschlägen und Ansichten der angesehensten Rabbinen gerichtet hat; und so wird daS Schönste und Beste unter dem . Schönen und Guten auch wieder zur Allgemeinheit gelangen. Nur daran müssen wir festhalten, daß, wie oben gesagt, alle CultuSveränderungen von der Gemeinde'ausgehen, damit jeder Zwiespalt zwischen dem Rabbinen und der Gemeinde vermieden wird; denn die desto Synagogenreform hat keinen Bestand, wenn Entzweiung da ist, und die beste CultuSordnung hebt den Schaden nicht aufder durch diesen Zwiespalt herbeigeführt wird. *) In unfern Tagenwo religiöse Sonderung, Unduldsamkeit und Verfolgungssucht leider l wieder mit Religiosität als identisch betrachtet-wird, wo man den unwissenden1 und verblendeten Ketzerrichtern — : den Schlächtern des MenschenthUmS und deS Menschenrechts —die Krone der Tugend aufsetzt und Diejenigen brandmarkt,- die auS reiner- GotteS - und Menschenliebe den Werth der Menschen nicht nach ihrem Bekenntnisse, sondern nach ihrem inneren sittlichen Gehalt würdigen; in unseren Tagen, wo hauptsächlich die größtentheilS aller Religion - baaren unjüdischen Spekulanten und- Großhändler vön anderer Seite als Juden gekannt sind — welche traurige Repräsentanten unseres' Glaubens! — denen aber daS Judenthum weiter nichts zu danken hat, als daß sie den Neid und Fanatismus gegen unfern' Glaubensstamm erwecken, die aber zur Zeit der Gefahr Vergangenheit und Zukunft in schnödem Verrath aufgeben; in unserer Zeit, wo ein Wiener Kirchenblatt — zu seiner ewigen Schmach — Märchen gegen Juden auftischt, die ohnehin einen ewigen Schandfleck in der Geschichte des ganzen katholischen Mittelalters bilden, blutige Märchen, deren Erzähler alsbald merken lassen, wie gern sie auf's Neue den Weg zum . *) Wenn aber die Gemeinde, auch ohne Zuthun des Rabbinen, gespalten ist? Wenn eine kleine Minorität in der Gemeinde unbedingt verlangt, daß alle Bessergestaltung unterbleibe, - und darüber Alles in Verfallgeräth, hie - Jugend sich gänzlich dem CultuS entzieht, Gemeinde und Synagoge nur verachtet? Soll der Rabbine zu Allem schweigen? vid« riIi ttTanb» n*. ,Mne rechte Zeit hat Krieg,^ eme rechte Zest hat Frieden", sagt der weise König. In manchen Orten ist /Miede" höchst zst stünschen — m manchen aber auch „Krieg". Red.

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