Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 51 (15.12.1856)
- Date
- 1856-12-15
- Page
- Seite 682 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«82 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus - -er Pfalz, im November. (Privatmitth.) Neues giebt es bei uns wenig zu berichten. Indessen glauben Sie ja nicht,' daß wir deshalb in Stagnation gerathen sind, oder gar zurückgehenwie jüngst eine Korrespondenz aus Bayern, natürlich nur für -orten, angab. Trotz aller Wühlereien, die von der Neüorthodorie, besonders von-Frankfurt aus, versucht werden, schreiten wir> geräuschlos zwar, aber immer ruhig und besonnen, in Schule und Synagoge vorwärts, wie ich Ihnen leicht Beispiele genug anführen könnte. Unsere König!. Regierung ignorirt nichts auf Unfern Gebieten und unterstützt willig jeden das religiöse Leben fördernden Fortschritt. Unsere Rabbiner sind hierin völlig einig , wie die gemeinschaftlich der König!. Regierung unterbreitete Synagogen-Ordnung beweist. -Frühere Meinungsverschiedenheiten in dieserHinsicht sind' ausgeglichen.' Der Angriffeines in Frankfurt erscheinenden neuorthodoren Blattes im vorigen Jahre würde durch Urtheil 'des betreffenden König!. Gerichts als Verleumdung erklärt, und wurde der Redacteur, wie die König!. Staatsbehörde sich ausdrückte, nur deshalb nicht bestraft,„weil man ihn hier nicht fassen-konnte." Andere Versuche, wie z. B. die Gründung eines eigenen jüdischen Schullehrerseminars, in welchem der größte Theil der Lehrzeit mit dem Unterrichte im Talmud ausgefüllt werden sollte, wurden, nicht ohne die Gutachten der Bezirksrabbinen vorher eingeholtzu haben, wie es scheint, zurückgewiesen,' da man seit einem Jahre nichts mehr davon hört. Unsere Schullehrlinge besuchen daS pro^ testantische Schullehrerseminar in Kaiserslautern -^— und zwar nicht als Hospitanten — und jede Anklage ihres Wirkens, wie es bei Gelegenheit jenes Versuchs geschah, ist eine im höchsten Grade ungerechte, wie die neuere Anordnung, wornach sie sich während einer dreijährigen Präparandenzeit alljährlich einer-Prüfung bei dem .betreffenden Rabbinate in den Gegenständen deS israelitischen Religionsunterrichts zu unterziehen habensicher'auch die Klage über Mangelhafte Vorbereitung im Hebräischen schwinden machen wird. Leipzig, 5. December. (Privatmitth.) Die Wahl des Herrn Pr. Jellinek für die Wiener Gemeinde hat in' Ihrem Blatte bereits in freudiger^ Stimmung Aus^- druck gefunden; 'doch bat auch unser! Gesichtspunkt des' Bedauerns wegen dessen Abgang von hiev seine- Berechtigung auf 'einen Platz in-dieser-Zeitung. Dieses Bedauern ist hier ein allgemeines und ein so tiefesdaß sich Unsere liebe- Gemeinde darin noch nicht so eigentlich zurecht gefunden zu-haben scheint. Soll-sie ihrem Lehrer und Freund in herzlicher TheilnahMe eine neue günstigere Situation ^-fördernd gönnen- oder sott sie dessen Verlust - wo möglich weiter hinausschieben und Hinhalten? Die Schwankung^ ist um so natürlicher, als die Mitglieder unserer Gemeinde aller Orts - von christlichen! Bewohnern unserer- Stadt mit -dem Vorwurf und dem Bedauern' angegangen werden,-nicht! das Möglichste gethan zu haben, um dem Verlust des besten Kanzelredners-unserer Stadt vorzubeügen. ttnb es sind thatsächlich -vonmanchen Seiten unserer nichtisraelitischen -Noblesse Anerbietungen! zu Jahrcsbeitragen für den Prediger gemacht-worden! wenn sich die- Gemeinde in ihrem Budget -zu schwach fühlen sollte — eine Thatsache^die wiv mit' Genügthuung rtgistrireM Da aber Herr 6r.! Jellinek in Wien - bereits definitiv angenommen, so bleiben dieses fromme Wünsche und die'Schwierigkeit der Wiederbesetzung seines Amtes tritt in den Vordergrund. So viel aus Privatbesprechungen verlautet, dürften sich Parteiungen gestalten; denn soll mit größeren Kosten eine a n e v ka n n t e Persönlichkeit - berüftn werden? Soll man jungen- Talenten zum Meßpreise eine Arenaeröffnen? oder soll eine anerkannte Mittelmäßigkeit zum Mittelpreise! geholt werden? Die 'Frage scheint'schwierig. - Denn zum' ersten Male befindet sich unsere junge Gemeinde an einer ihrer größten Aufgaben ohneihren - gewohnten Führern Denn'Ihre bisherige größte That, -der -Tempelbau , gelang unter dem mächtigen Drang des Wortes, ohne das sie! nun allein-fertig werden soll. - Hoffen wir jedoch, daß der bessere Geist zum Durchbruch kommen und die Gemeinde nicht vergessen werde, was' sie der Höhe schuldig ist, auf welche sie ihr jetziger Prediger gestelltwas sie sich als Weltgemeinde (dürch die - Messe!) schuldig ist und - was!-'sie sich dem'-gebil-' deten Sachsen gegenüber schuldet, demsiedas stolze Bild einer in moderner Zeit sich erst gestaltenden Indengcmeinde zu geben hat, vim-welcher Man einen hohen Aufschwung,-einen Fortgang und nicht im eri