Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1856)
- Date
- 1856-12-08
- Page
- Seite 668 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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s m 668 II. Die Kaffe des unangreifbaren Fonds laut Kl'18'. der Statuten bestehet in 1) Frankfurter 3o/s Obligationen fl. 1100. — kr. 2) Ludw.-Berb. Eiftn-.-Äct. Priorit.-Obligatiönenflo/g .; 2000. — - 3) Frankfurter 3 ^o/o Obligationen - — - 4) an baarem Gelbe 11. 47 - . '.. r' ." / / ' fl. 3411. 47 kr. Angreifbarer Fond fl. 4268. .18 kr. Unangreifbarer Fond - 3411. 47 - . Zusammen". . . fl. 7680. 5 kr. Alles, was als neue Gestalt ins Dasein treten will, hat Geburtsschmerzen zu überwinden; auch die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete des Geistes. Wir haben darum, auch niemals die sanguinische Hoffnung gehegt, baß ein Institut, wie das angestrebte, etwa nur der Anregung bedürfte, um als'dollendete Gestalt aus dem Haupte Jupiters zu springen; wir wußten, daß solch eine, geistige Pflanze vom ersten schwachen Keimen. seines Saatkornes bis zur gänzlichen Entfaltung seiner erfreuenden Blüthe, oder gar bis zur endlichen Reife seiner genießbaren Früchte einer langjährigen Pflege unter der Sonne der Zeiten bedarf. Auch dürfen wir mit den, freilich noch bescheidenen, Ergebnissen dieser jungen Pflanzung nicht ganz unzufrieden sein. Hat ja vielleicht schon Mancher, welcher von derselben lange nichts vernahm, ihr als einem verkommenen Keime bereits längst alle Lebensfähigkeit abgesprochen. Darum dürfen wir mit dem schönen Anfänge und mit dem gefunden Entwickelungsgange derselben uns freuen, aber zugleich uns auch nicht verschweigen, daß sie noch, immer einer unermüdlichen, sorgfältigen Pflege bedarf, wenn sie'endlich'zu jener Blüthe. gedeihen soll, welche uns auf reife Trauben und nicht auf ungenießbare Herlinge hoffen läßt. Es sei uns deshalb gestattet, um Nutzen dieser heilsamen, darum heiligen Anstalt «w'-ip ansn nannten dergleichen Verbrüderungen unsere Vorfahren) bereits früher ausgesprochene Klagen; oder Anklagen, hier nochmals kurz zu . wiederholen. Vor Allem müssen wir, wir Mitglieder dieser.Anstalt, uns selbst anklagen, daß wir die Summe unter der Aufschrift „rückständige Beiträge" bis zu einer, solchen Größe heranwachsen ließen. Durch diese unsere Nachlässigkeit, man entschuldige diesen vielleicht zu derben Ausdruck, aber wir klagen unS ja selbst an, brachten wir unseres junge .Kasse nicht , nur um die jährlichen Zinsen vom rückständigen Cäpitale, sondern erschwerten uns selbst das baldige Einbiegm in die ri^tigtzn Geleise der laufenden Beiträge. Eine zweite Klage müssen wir über die Erscheinung aussprechen, daß so viele unserer Ämtsbrüder ihre Theilnahme an unserer Anstalt uns versagen. Hier auf diesem "geweihten Boden der Wöhlthätigkeit, der liebevollen Sorge für Wittwen und Waisen, müßte kräftig 'jener satanischen Schlange auf das Haupt getreten werden, welche unter der Gestalt des Hochmuthes, oder des falschen Religionseifers die Fackel der Entzweiung und der Verfolgung ins heilige Lager Gottes schleudert. Bringet doch, als berauschte Priester, dieses ftemde Feuer rt'ii wer nicht äuf den Altar des Herrn, es zerstört die Einweihungsfreude unseres neuen Tempels. Wenn Euch zu unserer Anstalt nicht der Wunsch führt, der eigenen Frau und den eigenen Kindern durch unsere Kasse einst'eine Unterstützung zu bereiten, weil der Segen Gottes Euch mit einer solchen günstigen Stellung beglückte, daß Ihr auf die Leistungen unseres' Vereins verzichten könnet, so solltet Ihr doch aus Liebe zu den minder bemittelten Amtsbrüdern Eure Hand nicht verschließen; zumal die Gemeinden in Israel gegen ihre Rabbinen immer mehr den Grundsatz geltend machen wollen: „Hilf Dir selbst, so wird Gott Dir helfen!".— Es führt dies uns endlich zur dritten Klage, nämlich zu der über die Theilnähmlofigkeit der Gemeinden bri unserer Anstalt. Auch diese ist schon oft ausgesprochen worden und bedarf nur einer kurzen wiederholten Andeutung. Die Summe, welche hier unter der Aufschrift „unangreifbarer Fond" genannt ist, floß zum größten Theil aus dem Wöhlthätigkeitssinn der für alles Nützliche und Edle stets begeisterten israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main. 'Neben derselben können nur noch wenige bezeichnet werden, welche Unsere Anstalt mit einer Gabe bedachten; während andere große und reiche Gemeinden uns vornehm ignoriren. Zu den Räthseln des menschlichen Seelenlebens gehört auch die Wahrnehmung, wie dasselbe auch auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit stets das Romantische und Mystische dem Prosaischen und Rationellen vorziehet. Um finstere Fanatiker und Müßiggänger in Paläflina zu unterstützen, sammelt Israel in allen seinen Städten und Dörfern fromme Gaben; in der eigenen Heimath läßt es die arme Familie derjenigen Männer unberücksichtigt, welche ihr ganzes Leben der Heranbildung und' Veredlung ihrer Gemeinde mühsam und oft unter bitteren Kränkungen selbstverläugnend widmeten. Die Rabbinen' selbst können bei ihren Gemeinden um freiwillige Beiträge zu dem Unangreifbaren Fond nicht "betteln, weil dieses gär zu leicht