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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-12-08 · Heft 50 (8.12.1856) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 50 (8.12.1856)
Date
1856-12-08
Page
Seite 666 (sequence 2)
Language
German
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hervorheben. Man datirt diese Reaktion gewöhnlich ans den letzten sechs, sieben Jahren, weil sich ein mächtiger UmHwsing'ßin Eder Kcht-jüdischen Welt seit dieftr Zeit ^ekEüsid^ haU Wir AebenOs.zu, daß, nachdem der allgemeine Geist wieder auf die Religion hingewiesen und zu einer tieferen Erfassung derselben getrieben wordey^ auch im Judenthume das Streben dahin, beregter und gestärkter,ward^ "Nichts destlf weniger hat die religiöse Reaktion im judenthume hiermit weniger zu schaffen, weil sie lediglich von innen heraus entstammt und durch äußere Mittel gar nicht unterstützt, und geleitet wird'. ' Die religiöse Reaktion rm Judenthume datirt von länger her. Wie nach einer Windstille auf dem Meere, wo die Wellen, wie von einem Zauber gebunden, kaum vernehmbar um den 'Kiel rauschten, die Luft wie zu einem '-unbrwegltchew--Körpdr' geworden, uftd das Schiff gefesselt, An .ffiner Stesse jag > unmerklich , sich ein milder Luftzug ' erhebt--'dew selbst^ der Zerfahrene Steuerer noch nicht ge-. wahrt, auf einmal das. schlaffe. Segel leise an die Maste. schlagt^ bald^ stärker rauscht, endlich .sich.dehnt und bläht, dw stslagge anHr Mastspitze zu.stattern beginntdie,Wel-: ^en/'.in ÄewMNg'.geräthen.,. ..sich heben und senken- und' unter chenf^ Freudenruf der Mannschaft das Fahrzeug zu i gleiftn.^..'.vö^wartS' ,zu.'ssehey., dahin zu rauschen, anfängt; danff 'der Zephyr zum Winde, zum kräftigen, dahinbrause'ndeu Lüftftröme wird, und .das Auge und das.Herz des Schiffers wieder nach der. gesegneten Küste, nach dem sichernden Hase,n^stch richten —.. so erging es dem Judenthume seit 'ungefähr drei Decennien; langsam begann es, aber stärker erhob sich.die bewegende Kraft, und wenn wir jetzt ' schoss einige unzweideutige Zeichen rascherer Lebensbewegung gewahren, so dürfen wir doch nicht wähnen, daß sie jetzt erst entstanden. Mit der Mendelssohn'schen Periode in der Mitte des vorigen Jahrhunderts begann nicht die religiöse, sondern die intellektuelle und sociale Bildung der Juden. Je rascher diese letztere fortschritt, desto größer wurde ihr Bruch mit dem Judenthume, und die unmittelbarsten Schüler Mendelssohn's waren geradezu antijüdisch gesinnt. Die Folge davon war, daß, jemehr die intellektuelle und sociale Bildung in die Reihen der Juden eindrang, ja die Massen der Juden ergriff, desto abgewendeter wurden diese der Religion, und es trat eine religiöse Windstille ein, welche den Geist wie mit einem Zauber gefesselt hielt. Können 'wir ja nicht übersehen, daß da, wo erst gegenwärtig dieser Proceß der Umwandlung in intellektueller und socialer Beziehung bei unsren Glaubensgenossen vorgeht, wie in den untersten Schichten in unsren, oder überhaupt in den Fplichen Lchldern, dieselbe Erscheinung" einer religiösen Kr fastHÄridHlMej't ein tritt-^zjj.deren BekärNHÄig^bÄ^ftitdeW s^rMO wirkende MitEgefuydU und vorhanden sind. 28fr brauchen diese religiöse Wind- -stille nicht zu beschreiben. Sie charakterisirt sich nicht blos;n dem Verschwinden aller religiösen Uebung aus dem Hauses, in der Entfernung.vom Gottesdienste, sondern auch in der Verachtung der väterlichen Religion, in dem Schamgefühl über Alles, was jüvisch ist, in der Unkenntniß alles'Dessen,, was .zum .Judenthume Bezug hat, also in völliger Religionslosigkeit, in dem Mangel alles religiösen .Bedürfnisses, unv so auch in der Gesammtheit, in völligem Stillstand aller geistigen Bewegung und dem Verfall aller Institutionen. ' , Mit den' Dreißiger Jahren trat nun in leisen Luftwellen die religiöse Reaktion gegen' diese TodteristW im Judeffthume ein.' Die erste Erscheinung des neu erwachten und erweckenden Lebens war die Einführung der P re-- digt, welche berufen..war, m der Synagoge sowohl den theosophischen und moralischen Inhalt unsrer Religion von Neuem durchzuarbeiten, als auch den weltgeschichtlichen Beruf derselben zu verkünden, und die Flamme der Begeisterung für sie von - Neuem anzufachen *). Auf sie folgte die Herstellung des R >ligionsunterrichtes, welcher auf denTrümmern des alten Chedars die religiöse Bildung der Jugend mit ihren anderweitigen Studien m Einklang bringen und eine neue Grundlage für das religiöse Leben schaffen sollte. Zu gleicher Zeit erstand eine neue jüdische Literatur, welche einerseits die neuen praktischen Bedürfnisse .für Schule, Haus und Leben, andrerseits ein weites, wissenschaftliches Gebiet anzubauen hatte, diese Literatur, welche im Geiste der Zeit die großen Lücken , die durch die mangelnde Theilnahme am Gottesdienste im religiösen Leben entstanden, in einer neuen Weise auszufüllen hat, und welche ein neues Band um die zerstreuten Glieder des jüdischen Stammes knüpfen sollte. Bald geschah es nun, daß aller Orten das Bedürfniß einer zeitgemäßen Gestaltung des Cultus eintrat; und wenn nun gerade diese Fragens war, welche einerseits den Bruch zwischen Altem und Neuem zu sehr zu Tage brachte, und dadurch viele gesunde Kraft auf fast nutzlose Parteiungen und Reibungen verschwendete, andrerseits alles *) S. was wir über die jüdische Predigt und ihren Beruf schon 1834 sagten, isr. Pred.- Und Schul-Magazin 2te Aust. S. 364.

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