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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-11-30 · Heft 49 (31.11.1856) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 49 (31.11.1856)
Date
1856-11-30
Page
Seite 662 (sequence 10)
Language
German
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662 j ttente:: errichtet.wurde, wo das erste Conservatorium der Musik entstanden, und wenn sie in Betreff der Angst hier errichteten höhern Handelsschule (Handelsakademie) nicht die erste Stadt in Deutschland ist, so ist sie doch die erste Stadt in unserer großen Monarchie/ die das-Entstehen einer solchen bereits eröffneten Lehranstalt aüszuweisen hat. Daß sich vom Standpunkte des Judenthums ein Blick auf dieses Lehrinstitut wird werfen lassen^ war leicht voraus zu'sehen, und wenn es selbst nur darum geschehen würde, um die Schülerzahl anzugeben, welche dem Unterrichte an dieser Schule beiwohnend Wem damit gedient sein kann, der wisse, daß sich unter den. 190 aufgenommenen Zöglingen 70 Israeliten befinden; uns aber, die wir üns' nicht mit statistischen Zahlen allein begnügen, die wir vielleicht mit Bedauern eine mnverhältnißmäßig vorwiegende Zahl Israeliten unter den Schülern finden uns freut es, berichten zu können, daß wir auch unter den Lehrern an.ldieser höhern Handelsschule Israeliten begegnend //Alles mit Gott", diese ewige Wahrheit/ welche die Uralte Devise des Kaufmannsstandes,' blieb auch bei dieser Schule nicht außer Acht und es würde für den Religionsunterricht her katholischen, akatholischen und israelititischen Jugend gesorgt. In einer besonders schmeichelhaften Zuschrift wurde der Privatdocent an unserer Universität und Prediger am Tempel, Herr Dr. S. Kämpf, vom Vorftaäde des Hanvelsstandes angegangen, den Religionsunterricht der Israeliten an der Handelsschule zu übernehmen.'. Es ist diese Wahl eine glückliche zu nennen/da — doch wir werden nach beendigtem Semester auf den Religionsunterricht an den Gymnasien, der Real-und auch der Handelsschule zurückkommen — wir freuen uns daher, vor der Hand nochmals sagen zu können, daß die Wahl eine glückliche genannt werden kanm Herr Di\ Kämpf übernahm diese Stelle und hat die im Lehrprogramm ausgewiesene Unterrichtszeit für israelitische Religion aus-eigenem Antriebe in Erkenntniß der Wichtigkeit seiner schönen Mission um eine Stunde wöchentlich.vermehrt. ' Der zweite Israelit, welcher an der hiesigen höhern Handelsschule Unterricht ertheilt, ist der rühmlichst bekannte Kalligraph Herr A. F i sch e l. Obwohl mehrere Competenten für die Stelle eines Lehrers der Kalligraphie sich vorgefunden haben sollen,-wurde sie doch ihm in Berücksichtigung seiner Künstlerschaft und seiner Lehrmethode als dem Bevorzugten ertheilt. - / 2. Die Schweiz. ' Ober-Endingen, 12. November. (Privatmitth.) Die israelitische Gemeinde dahier besitzt nunmehr zwei herrliche Häuser, die eine Zierde des Surbthales bilden: ein schönes Schulhaus, das auf einer sanft ansteigenden Anhöhe unfern des Dorfes liegend, sowohl wegen seines Aeußern als wegen seiner innern Einrichtung den Schulzwecken entspricht. Dasselbe veranlaßte der Gemeinde einen Kostenaufwand von 26,000 Francs. Vis ä vis dieses Jugendtempels, aber mehr der Mitte des Dorfes nahe, befindet sich die in großartigem byzantinischen Style erbaute Synagoge, die mit den Zehen- Geboten auf ihrer Zinne alle Häuser im Thale überragt. Obschon dieselbe seit 1852 erbaut und eingeweiht ist, fand sich die Vorsteherschast auf Anregung höher gestellter Männer veranlaßt, bei dem Regierungsrathe um einen Staätsbeitrag für den Bau, der 46,000 Francs Kosten verursachte, nachzusuchen. Dieser wird bei dem Großen Rathe einen Beitrag von 2500 Francs beantragen. In Beziehung der nun zu verwirklichenden durch ein Decret des Großen Rathes einzuführenden Emancipation der aargauischen Juden findet sich kein Hinderniß mehr vor. Der einzige.schwierige Punkt liegt in der Frage: Sollen die Juden auch an den Gemeindegütern Anspruch haben? Sollen sie sich, wie der einzelne Bürger, der sich ein Ortsbürgerrecht kauft, dieses Recht auch durch eine Einkaufsumme erwerben? Wer bezahlt diese Einkaufsumme, die Corporation der Juden, oder analog wie bei Einbürgerung der Heimatlosen, der Staat? Obschon die israelitischen Gemeinden in ihrem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung diese Konsequenzen auch nicht im Entferntesten im Auge hatten und auch jetzt noch gern in materieller Beziehung von der Nutznießung der Gemeindegüter absehen und darauf verzichten würden, so will dennoch der Regierungsrath die Emäncipation der Juden vollständig durchführenso daß die Verwaltung und Gesetzgebung mit Juden als solchen in bürgerlicher und politischer Beziehung nichts mehr zu thun hat. — : i - -'v ■ '' ' : - Die Juden, welche im diesjährigen eidgenössischen Lager beim östlichen TruWenzüsammenzug als Militairs sich zu bethMgen verpflichtet waren, wurden am'.^22durch^den Oberst Ziegler' vom Dienstensür den fölgend'en Tag befreit, obschon an

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