Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1856)
- Date
- 1856-10-27
- Page
- Seite 592 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Familien an der Zahl, ein so stattliches Gebäude herzustellen, auszuschmücken und zu weihen Opferwilligkeit genug besitzen. .Der Moment, jn wftchem nach kräftiger Ansprache -uyd nach Einsegnung des Mebgudes durch den Priestersegen, Schreiber Dieses den Schlüssel erhob und die Pforten öffnete, aus dem blumengeschmückten Raume das Licht vieler Hundert Wachskerzen quoll, und von außen das goldene Sonnenlicht den feierlichen Einzug begleitete, war ein hinreißender. Predigt fand bei der Einweihung, und beim Morgengottesdienst des folgenden Tages (to'Wh '©) statt. Die obligaten Festlichkeiten, Concert,' Ball und dergleichen fehlten natürlich nicht. Schreiber Dieses, der schon nach Ausgang des Sabbaths nach der Heimath zurückeilen mußte, darf die außerordentliche und wohlthuende, freilich vorauszusetzende, Gastfreundlichkeit rühmen. In Kurzem wird derselbe eine andere, eben vollendete Synagoge, in Gr. . Of.ch ersleb en (Prov. Sachsen) einweihen. Ich sagte oben: „ich wollte, dem Wunsche der Gemeinde nicht abstehen." 'Ich hebe diese Worte hervor, denn sie entstehen aus wahrer Betrübniß über die Lage, in welcher sich in Bezug auf geistliche Fürsorge die Nheinprovinz und Westphalen, diese herrlichen Gaue des preußischen Vaterlandes, befinden. Ich glaube nicht, daß ich irgendwie im Gerüche stehe, Standesvorurtheile zu hegen , oder hierarchische Zwecke zu verfolgen. . Aber in einer Zeit, wo die religiöse Strömung eine schwache, und von dem realen Lehen überall gehemmte und überfluthete ist, in einer Zeit, wo die große Masse des religiösen Wissens und der theologischen Bildung immer barer wird — da ist es von größter, von entschiedener Wichtigkeit, daß überall Männer,, vorhanden sind, welche die Pflege der religiösen Interessen überall wahrnehmen, überallhin belebend wirken, lehren, mahnen, schaffen. Und nun sehe man auf die Rheinpryvinz und Westphalen! Außer dem thätigen Oberrabbiner Kahn in Trier, dem begeisterten und viel wirkenden, aber leider! so sehr heimgesuchten Oberrabbiner Bodenheimer in Crefeld, außer den Localrabbinen vr. Rothschild in Aachen , Ben Israel in Coblenz und Feilchenfeld in Düsseldorf — in den weiten Landschaften, welche über 50,000 Israelitin zählen, Niemand, jvelHer der^Deelsorge obstest, Medigt, lehrt,^Megt,^orgällisirt^ffch afftf-... In W Wät-'Hhlt es asi-WHretz,.)für.dAd UdeythM noch begeisterten Männern nicht, auch besitzen gekäde diese beiden Provinzen einen intelligenten jüdischen Lehrerstand, an Geldmitteln ist kein Mangel, und die Opferwilligkeit ist nicht ausgestorben — aber da das preu-. ßische Gesetz jede Anregung von oben abweist, da es Seitens der königlichen Regierung alle Fürsorge aufhebt, auch nur den geringfügigsten Krystallisationspunkt hervorzurufen, da es vielmehr die noch vorhandenen Verbindungen erst recht zersplittert — da es ferner Privatmännern nicht leicht möglich ist, eine Bewegung, um dem großen Mangel an jüdischen Theologen, Rabbinen, Predigern in diesen beiden Provinzen abzuhelfen, zu bewirken, bei der Ueberzahl aber die-Neigung, Rabbinate, wie das.zu Brilon, eingehen zu lassen, vorhanden: so sind die Aussichten sehr trostlos. An Euch, Israeliten Westphalens und der Rheinprovinz , richte ich daher das dringendste Mahnwort, noch zur rechten Zeit einzuschreiten, und die Wohlfahrt Eurer Religion für das gegenwärtig und? die folgenden Geschlechter scharf ins Auge zu fassen! Ich halte mich überzeugt, daß sich leicht eine Anzahl begeisterter Männer findet, die sich vereinen, diesen Gegenständ zur besondern Aufgabe ihres Strebens zu machen, damit die Synagoge, während ringsum Alles blüht, nicht von Dornen und Disteln überwuchert werde! Was soll aus einer Religion werden, wo in weiten Landstrichen jede Belehrung und Anregung, jede Verkündigung und Aussprache, jede Fürsorge und Pflege fehlt?! Insbesondere Euch, Ihr Lehrer, mache ich aufmerksam darauf. Im Judenthume.stehen Schule und Kirche sich niemalen gegenüber, ihr Interesse ist ganz dasselbe, da die jüdische Schule nur auf dem Boden der Synagoge steht und besteht. Ihr bedürft der Unterstützung — wo sollt Ihr sie anders finden, als bei tüchtigen Rabbinen, die mit Euch Hand in Hand gehen?! Mag dieses Wort nicht ungehört vorübergehen — wir werden darauf zurückkommen..