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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-10-06 · Heft 41 (6.10.1856) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 41 (6.10.1856)
Date
1856-10-06
Page
Seite 556 (sequence 6)
Language
German
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556 Vorgestern wurde in Hildesheim die Jahresversammlung des Gesammtvereins der deutschen Geschichts - und Alterthums - Vereine eröffnet./ Einer der Theilnehmer, Professor Wachsmuth aus Leipzig, ein geborener Hildesheimer, hob es in seinem Rückblicke auf die Geschichte Hildesheims rühmend hervor, daß die dortige Bürgerschaft, welche 1542 das Lutherthum annahm, sowohl mit ihren katholischen Mitbürgern in tiefem Frieden lebte, als auch die Juden in ihren Mauern human behandelte. In wie fern nun in Beziehung auf letztere der Behauptung des berühmten Historikers beizupflichten oder entgegenzutreten sein dürfte, werden wir bei einer anderen Gelegenheit untersuchen; hier wollen wir einfach von dieser Aeußerung Act nehmen, durch welche der geehrte Redner sich selbst das ehrenvollste Zeugniß ausstellt, indem er, auch in dem Geächteten und Geknechteten die Menschenwürde anerkennend, auf die Behandlung, welche man in einer Zeit der Intoleranz in seiner Vaterstadt den Juden angedeihen ließ, Rücksicht nimmt, und von derselben auf den humanen Geist schließt, durch welchen sich Hildesheim auszeichnete. Wir heben dies hier besonders hervor, weil wir eine solche Gesinnung nicht bei allen Geschichtsforschern wahrzunehmen Gelegenheit haben, sogar nicht einmal bei denen, welche durch ihre Darstellungsweise sich einen bedeutenden Namen zu. verschaffen gewußt haben. So haben wir unlängst bei unseren historischen Untersuchungen wieder einmal Ranke's Geschichte der römischen Papste zu studiren uns veranlaßt gesehen und waren nicht wenig über die Wahrnehmung erstaunt, daß der Verfasser in dem ganzen ersten mehr als 500 Seiten umfassenden Bande, in welchem die Geschichte der Päpste von Leo X. bis Sirtus V. mitgetheilt wird, der Inden auch nicht mit einem Worte gedenkt und während er, „um die Geheimnisse des Papstthums -zu entdecken" und den Charakter der Päpste nach ihrer Handlungsweise zu schildern, außer dem Vatikan noch viele Privatbibliotheken. in Rom und Venedig benutzt, läßt er z. B. die bekannten gegen hie Juden erlassenen, Bulleu. eines Paul IV. und Pius^V. unbeachtet und erwähnt - die gegen dieselben begangenen Grausamkeiten eben so wenig wie das,.mildere Verfahren,, welches Pius IV. gegen seine israelitischen Untertanen einschlug. Wir würden, uns, aber über diesen Mangel an Berücksichtigung der Juden von Seiten -tzes: BWner:Prlr.ftfforS.'Hier -Weniger beklagen, wenn wir. nicht , wüßten, daß er sich ihrer doch häufig genug erinnert unl) nicht selten den jüdischen Studirenden, welche er naher kennen zu lernen Gelegenheit hat, in allzugroßer Fürsorge mit der Frage entgegentritt, ob sie wohl auch'bereits an ihre Zukunft gedacht hätten? So versteht eine gewisse frömmelnde Richtung zu jeder Zeit den Umständen Rechnung zu tragen! : '^ -v; " v Kürzlich hat der Centralverein für das Wohl der arbeitenden Claffen in Berlin den um die medicinische Statistik sehr verdienten jüdischen Arzt Dr. S. Reumann, Redacteur des „Monatsblatts für medicinische Statistik", zu seinem Vertreter auf dem cöngres international de bienfaisance in Brüssel erwählt. — Wie uns ferner aus Berlin mitgetheilt wird, soll daselbst demnächst das seit mehreren Jahren eingegangene jüdische Lehrerseminar wiederum ins Leben treten. Möge in demselben der rechte Geist herrschen und tüchtige Kräfte daran thätig sein, dann wird es einem sehr fühlbaren Mangel abhelfen. Auch soll dort in nicht zu langer Zeit eine Zeitschrift erscheinen, welche zum Theil der Besprechung jüdischer Gemeindeangelegenheiten und zum- Theil der jüdischen Wissenschaft gewidmet sein soll. ' Bei 'dem unlängst im Surrey- Garten-in London den Garden gegebenen Festessen erinnerte dep jüdische Lord-Mayor die Soldaten daran, daß sie jetzt im Frieden durch strenge Beobachtung der Landesgesetze sich eben-so Hervorthun müßten , wie bisher durch Tapferkeit auf dem Schlachtfelde und brachte zuletzt einen Trinkspruch dem Vorsitzenden Sergeanten aus, der dafür dankend ganz richtig bemerkte, daß es wohl jetzt das erste Mal sei, daß ein Lord-Mayor die Gesundheit eines Unterofficiers proponirt habe. Preußen. Culm, im September. (Privatmitth.)- Der hiesige Prediger Dr. Wolfs hat die definitive Berufung! .als erste r Prediger nach Gothenburg in Schweden, erhalten. Als zweiter fungirt Magister Henrichs.; Lanbsberg a. W., im September. (Privatmitth.) Zu unserm großen Bedauern werden wir unfern Rabbiner, Herrn Diy;<S5 ch w ab a ch er / bald wieder ve.r-

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