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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-09-01 · Heft 36 (1.9.1856) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 36 (1.9.1856)
Date
1856-09-01
Page
Seite 491 (sequence 9)
Language
German
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j uGbttlob! daß nun aüch die größeren, Wlst sehr indifferenten Gemeinden Unserer Provinz Vas Bedürfmßl eines, zeitgemäßen Oberhauptes zu fühlen beginnend^ WünfchenSwerth wäre es, daß viele andere Gemeinden) wie Liffa, Gnesm rc., wo alles religiöse Leben schon ganz erstorben scheint) wovon die alphabetarische Lifte der Förderer des israelitischen Literatur- Vereins leider ein trauriges Zeugniß geliefert hat, dem löblichen Beispiele der hiesigen Gemeinde bald Folge leisten möchten! Denn ach, gar zu traurig sieht es in den Gemeinden aus, die eines Rabbiners entbehren! Besonders fehlt derselbe der Jugend, die ohne Religionsunterricht verwahrlost umhevgehet, und wiewohl zum Judenthume sich bekennend) doch wenig oder nichts von der heiligen Religion und Geschichte der Väter weiß. In spätem Jahren erzeugt dann die Unkenntniß der Religion Kälte und Gleichgültigkeit für den-ererbten Glauben, und kein Wunder, wenn dann böse Verlockungen schon genügend sind, solche Zwitterblumen zur christlichen Kirche hinüberzuführen: ~ Und wie verwaist -steht überall der Tempel, wie ohne Würde und Weihe ist der Gottesdienst, wo das belebende und.tröstsprechende Wort Gottes vermißt wird! Ja wahrlich,schmerzlichmuß eS jeden fühlenden Juden berühren,'• der dem Treiben: in unfern Synagogen zufieht. Da tritt man nicht ein, um in Demuth und frommer-Andacht fein Herz vor Gott auszuschütten, oder dem Allgütigen für genossene Wohlthaten zu danken, nein! die Damm erscheinen, um von ihren NachbariMen.das schöne Kleid, die goldverzierte Kette, den eleganten Hut bewundern zu lassen; die Herren, um ein paar Geschäfte abzuwickeln; und der Jugend dient der Tempel zum Tummelplätze, wo Alles ohne Scheu!und Ehrfurcht wild durcheinander rennet. So entweihet werden die heiligen Stätten in Israel! Und nur' die. ermahnenden, ergreifenden Worte eines von Gott' begeisterten Predigers können die religiös verderbten Menschen! zur Reue und Besserung führen, können den Lärm und das Toben aus dem Gotteshause'bannen und Ruhe und Andacht im Tempel wieder Herstellen:! Darum ihr Gemeinden, wenn-ihr im Schlamme der ^Irreligiosität nicht ganz versinken wollet, ffo Met Rabbiner an; denn beschämt müßt ihr auss drei kleinen christlichen Gemeinden blicken, welche meist Unbemittelt, freudigen Gemüthes alle Möglichen Opfer zur Anstellung eines) Seelenhirtett bringen.— Mehr aber noch als ein geregelter, das Gemüth ansprechender Gottesdienst ist zur guteri und religiösen Erziehuttg der Jugend, wie überhaupt der Menschen, ein praktisch pädagogischer Schulunterricht, der auf den Geist und das Herz anregend und belebend wirkt) vvnnöthen. Denn die Schule ist die Basis, auf welcher das ganze Gebäude des Lebens fußet. Hier soll das Kind durch weise und zweckmäßige Lehren für seinen spätem Beruf herangebildet, hier soll es für alles Wahre und Erhabene empfänglich gemacht werden. Und soll dasselbe später, zum Jünglinge oder zur Jungfrau herangereist, bei den äußern rauhen Stürmen des Lebens nicht wanken, sondern getrost und voll des göttlichen Muthes auf der Bahn der Tugend hienieden wandeln, so muß recht frühzeitig der Same der Tugend in die zarte Brust desselben gepflanzt werden, damit er sich bei sorgsamer Pflege dann zur schönen Blüthe entfalte. Aber wie wenig wird trotzdem von den jüdischen Gemeiüden für die Verbesserung' und Erstarkurig der Schulen gethan! Ja, fast noch trauriger wie um das Synägogenwesen sieht eS um das Schulwesen hiesiger Provinz aus. Schon zu wiederholten Malen ist in diesen Blätterü auf die Nothwendigkeit eines jüdischen Seminars' hingewiesen und den Gemeinden ans Herz gelegt worden, ihre Lehrerstellen besser zu dotiren, damit auch tüchtige Subjecte sich dem Lehrerstande widmen sollem Aber fruchtlos waren bisher alle Worte, vergebens alle Ermahnungen! Immer merklicher und fühlbarer wird der Mangel an jüdischen Lehrern und bleiben minder gut dotirte Stellen jahrelang unbesetzt, nach welcher Zeit sich die Gemeinden mit argen Stümpern begnügen müssen. Fast alle jüdische junge Leute ziehen den merkantilischen dem Lehrerstande, wo ihrer nur Roth und Elend wartet, vor. Und wahrlich, Keiner wird es ihnen verargen wollen! Denn da werden Commis gesucht bei 2 bis 400 Thaler jährlichem Gehalte nebst freier Station, und die armen Schulmeister, die sich während der ganzen Jugendzeit mit dem Einöchsen von Wiffenschastm gequält, die Mchte lang über den Büchern geschwitzt utid Wal und Leiden' genugsam erdüldet, erhalten' nach mühsam erlangtem Ziele Mrihre körperliche und' geistige Arbeit kaum so viel, um die nothdürftigsten Lebensbedürfnisse befriedigen zu können. Und wenn nun einmal 'Fortuna dem Lehrer lächelt, und er so glücklich 'ist^ eine mit 2 oder 300 ReichSthalern dodirte Lehrerstöllo zu erhalten, welche Anforderungen

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