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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-08-11 · Heft 33 (11.8.1856) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 33 (11.8.1856)
Date
1856-08-11
Page
Seite 452 (sequence 12)
Language
German
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m blisch, ist im besten Falle nur noch eine Sache der eigenen Küche. Spricht man aber von Reformenselbst den unschuldigsten im Gottesdienste, fo schreien..sie Zeter, klagen über die Zerstörung, der väterlichen Religion, und schimpfen auf die Reformers, während fir selber,: wie gesagt, schon längst über alle Reformen hinaus sind. Nicht besser find ihre geistlichen Führer. Wenn man ihnen auch öffentliche Uebertretungen - des biblischen Gesetzes nicht Nachweisen kann,,so haben sie doch ohne Scheu schon so Manches traditionelle Gesetz über Bord geworfen, und schämen sich nichtwährend sie von ihren Kanzeln herab die Göttlichkeit der Tradition predigen, durch ihr tägliches Leben ihre Worte Lügen zu strafen. Beginnt man . mit ihnenso wie ihren Heerden, über ihre Inkonsequenz zu raisvnniren, so werden sie grob, oder wollen im besten Falle Nichts hören, weil sie ihre Ruhe und Bequemlichkeit lieben, und sich der Consequenzen ihrer Inkonsequenzen überführt zu werden fürchten. Dieser Partei gegenüber nun steht die Reform- oder Fortschrittspartei. Wir/ müssen sogleich wahrbeitsgetreu eingestehen, daß dieselbe selbst , heute noch nicht ausgebildet ist, über.,. ihre. Zwecke .Md.Absichten noch nicht, im Reinen ist. Daß ein weiter Conflict zwischen Religion und Leben auf dem freien Boden Amerikas stattfindet und nie enden wird, es sei denn, daß Amerika Judenstraßen einführe, — daS fühlen Alle) — daß die Religion von dem allmächtigen Leben verschlungen werden muß, wenn man nicht bald diesen Constict heilt, davon sind Alle überzeugt; nur konnte man über das rechte Heilmittel nicht einig werden. Diese Unsicherheit ist nur natürlich. Das Judenthum ist noch zu jung in Amerika, als daß man an eine solche scharfe Ausbildung und Ausscheidung schon denken können Zudem war diese Partei bis, vor Kurzem aller der Mittel baar, die zu einer solchen Ausbildung unumgänglich nvthwendig sind. Zeitschriften hatten wir keine, oder doch nur solche, die wir nicht als uns vertretend anseheu konnten; die Volkslehrer und Führer, so weit man sie als zu dieser Partei gehörend betrachten konnte, waren nicht offen und muthig genug, die Reformideen würdig zu vertreten. Seit, den letzten Jahren indessen war der Anfang einer Wiederbelebung unserer heiligen Religion gemacht, und Alles war in einer so ruhigen und. dabei sichern Entwickelung begriffen, daß, wenn der leidige und leidenschaftliche Conferenzstreit uns nicht wieder aus dem sichern Geleise gerissen Hätte, man einer herrlichen Zukunft für das Judrnthum auf dem freien Boden Amerikas, wp, bigotte Maßregeln reactionairerRabbinen, unterstützt durch die Staatsgewalt reactionairer Met- .gierungennicht hindernd in Len Weg treten konnten -oder durftenentgegenzusehen vollberechtigt war. Wie/daher vn Lilienthal von verschiedenen Reformparteien in Amerika reden konnte ,/ ist unbegreifliche Aber ungerecht, durch Nichts zu rechtfertigen' und daher, unverzeihlich llsteS, wenn, er den Tempeln? zu Charlestonuttd Baltimore, de h. meiner-und des Herrn vre Mnhorn Gemeinde,, Mtvaradicale Abfichten und Bestrebungen vorwirst. ■ r Abgesehen davon; daß ich . nicht recht weißwas er unter einem ü be r den Radicalismus h in ausge h r nd en Judenthum versteht? oder verstanden wissen will; ftage ich ihn, ob vr. Einhorns oder meine Gemeinde' je ein religiöses .Programm, .eine P lat fvr m veröffentlicht, die ihn/ zu einem solchem Schluffe berechtigen konnte? - Es ist:wahr, daß meine;-Gemeinde, obgleich zu dm portugiesischen zählend, die nach vre Lilienthals eigenem Geständnisse; Reformett weniger zugänglich find, als die deutschen, schon vor mehr denn funfzehn Jahren eine Orgel einführte, dm dreijährigen Cyclus adoptirte, englische Gebete und Gesänge ihrer abgekürzten-Gebetordnung hinzufügte'? und die zweitett Feiertage abschaffte; — es :iß wahrdaß ich bei Meinem Amtsantritt vor vier Jahren-eine verbesserte Trüuungs-, Namengebungs- und Begräbnißagende, und voriges Jahr die Confirmationsfeier nach Herrn Rabbiner SLeiüs;;Ko^ heleth" einführte; — es ist ferner wahr, daß meine Gemeinde vor wenigen Monaten, als Antwort auf die El«- velander Beschlüsse, die Gebete um Wiederherstellung /der Opfer und die Wiederkehr, nach Palästina, so wie daS Aufrufen zur Thora abschaffte, und das Lesen der Propheten- und Hagiographen -Abschnitte nach der von Herrn Stein im zweiten Bande des „Vülkslehrers" mitgetheilten Ordnung eingeführt hat)-. -— und wenn Herr Dr. Lilienthal solche Kundgebungen der Gesinnungen meiner Ge>» meinde — und andere konnte er unmöglich kennen»^ als Ulttaradiralismns erklärt, so wollen wir mit ihm durchaus nicht streiten, de guslibus nofc est disputanduifi r~; aber wir haben das Recht, daraus unsere Schlüffe zu. ziehen, was . für Reformen er einzuführen zufrieden sei. .Wem aber überhaupt von MtraradiraliS-» mus im JudenthuM Amerikas die Rede sein /kann, so mtrch er uns verzeihen, wenn wir ihvt jetzo beweisen; düß -rr eS' .war, der denselben pvedigtt •. In einem in dom mach nur mehrmouatlichem. BestehtzU untergegüngdnen / „Vrt^ eine der.LWtfreunde" zuMtw^Dvrrk im) SbmuSr .18M gehaltenen!? Portrage:^/Ueb«ridenULspvuNg, die iGnttvicke.lMg .und . Zukunft jdMZ^Veuthnmes" .sprach et i sot-

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