Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1856)
- Date
- 1856-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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20» Jahrgang. l J (} C JH C t 1t C 33. Zeitung des Zudenthums. , ., - ■•» -- '-■ : Ein ^•■■■■- : ■3 v-: ■;!f; - unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vr. Ludwig Phittppson in Magdeburg. Leipzig, den 11. August 1856. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags. und wirr jährlich 78 Sogen in Quart incl. des Titels, Registers u. f. w. um. fassen. In Gemäßheit' des ZweÄS, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der. Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Zahrgang; —^ 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22>/r Ngr. (18. gGr.s für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Suchhandlungen. Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächf. ZeitüngS. Expedition ällhier unterzogen. ' > I n h a l t. Leitende Artikel r Die wahre Reform, l. — Vom Institut zur. Förderung der israelitischen Literatur. .— Ludwig Aug. -Frankl in Jerusalem. — Rußland- — Die Converfion von Juden'zum Christenthume. Zeitungsnachrichten r Oesterreichischer Kr i ferst aat: Auö der Bukowina, Czernowitz, aus Mähren. Correspondenzr Charleston (<S. C.), 25. Juni. lFortsetz.) Leitender Artikel. > . Harzburg, 1. August. Pie wahre Reform. I. 1 Man hat der religiösen Reform im Judenthum mancherlei Vorwürfe gemacht, und nicht immer ohne Grund und Recht. Man hat ihr eingewendet: daß sie keinen eigentlichen Grundsatz ausgestellt, keine Basis geworfelt, auf welcher sie ihre Reformen einheitlich und bewußt vornehmen und rechtfertigen wolle; daß sie daher weder bestimmtes Maß noch Ziel habe, sehr oft fehlgreife und zurückgehe, und im Ganzen ein buntes, systemloses Durcheinander bewirke. Diese Vorwürfe, treffen aber nicht die Reform an sich, sondern nur die, welche sich gemeinhin zu Führern und Werkzeugen derselben aufwerfen; fie treffen die falsche Vorstellung und Auffassung, welche man sich auf beiden Seiten von der Reform macht, und die irrige Aufgabe, welche man ihr gestellt hat. Faktisch hat die Reform ihr Lager auch mitten unter den Orthodoren oder die sich dafür ausgeben, aufgeschlagen. Mag man an dem bestehenden Cultus auch nicht das geringste Titelchen geändert haben, sobald in eine Synagoge Ordnung und weihevolle Ruhr, Predigt und Chorgesang eingezogen, bietet er gegen die ftühere Beschaffenheit einen so verschiedenen Anblick dar; daß man die Reform, die et erlitten, nicht läugnen kann. Nicht minder ist das Haus, und wenn man die Sitte der Väter auch noch so ängstlich bewahrt hat, sobald moderne Bildung darin Platz gegriffen, gegen ftüherhin, sowohl in seinem Wesen als in seiner Erscheinung, völlig reformirt zu nennen. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint die'Reform gar nicht als abhängig von den einzelnen Parteien und Persönlichkeiten, und was sonst auf diesem Gebiete geschieht, sind nur singuläre Vorgänge, die mit dem Wesen der Sache gar nichts zu thun haben. Um so nothwendiger ist es, den Blick etwas tiefer eindringen zu lassen. Die Unterscheidung von Wesen und Form, der Vergleich mit Kern und Schale hat viel Verwirrung angerichtet. Wir haben es schon einmal gesagt: an sich find diese Ausdrücke völlig unstatthaft. Die Form fließt aus dem Wesen, ist die nothwendige Ausprägung desselben, und kann daher eigentlich von ihm gar nicht getrennt werden. Die Form ist nichts Willkürliches, sondern ein organisches Product des Wesens, und gehört vollständig ihm an. Nicht das Schneckenhaus bildet die Schnecke, sondern wird von ihr aus ihren organischen Säften producirt; Schäle und Kern der Nuß entspringen aus demselben Keim und werden von derselben Zeutzungskraft gie-