Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1856)
- Date
- 1856-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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20. Jahrgang. Allgemeine JHT 31. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Herausgegeben von ...... ...... . - . 1( Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« in Magdeburg. Leipzig, den 28. Juli 1856. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, unv wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titel«, Registers u. f. w. um« fassen. Ju Gemäßheit de» Zweckes, derselben die allsemein-ste Derbreitnng zu geben, ist dev Preis äußerst niedrig : mit S für den Jahrgang; — I.Thlr. 15 Rgr. (1 Mr. 12 gDr.) für, sechs Monate — 22'/r Ngr. (,18, gGr.) für : da» Vierteljahr angesetzt)worden. Alle Buchhandlungen Postämter und ZeitungS. Expeditionen nehmen Destellungen an; der Hauptsprdition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. ja* «•!' rl . 'Zeitung».Expedition avhirr-unterzogen.: -t- -- '*• ''! 1 - n f« i r. ■ ‘ v Leitende Artikel r Die Gewissensfreiheit als, Sache des Judenthums in, — Rußland. Ueber die Lage der rusfischpolnifchen Juden. — Wiener Briefe. Bon H. Zirndorf. Ilk. ZeitunnSnachrichtenr Deutschland: Worms. Oesterreich i scher Kaiserstäat: Wien, Wien. Frankreich : PoiriS. Großbritanni'en: London, London. Holland: Amsterdam. Leitende Artikel. Harzburg, 20. Juli. Die Gewi^enssreiheit als Sache des Judentums. . II. T.i Aber auch aus inneren Gründen ist eS tnsonders das Judenthum, welches durch die göttliche Vorsehung berufen erscheint, die Sache der Gewissensfreiheit zu-tragen. Diese inneren Gründe bestehen 1) in der Freiheit von bestimmten Dogmenformularen, 2) in dem Fehlen bestimmter Neligionsbehörden, denen irgendwie eine weltliche Macht zustande. Sehen wir genauer zu. Das Judenthum hat Dogmen, d. i. Glaubens - und Lehrsätze, wie jede ändere Religion, und die spricht die heilige Schrift klar und zweifellos aus. Daß in ftüherü und neuern-Zeiten diese 'Lehre des Judenthums auch systematisch bearbeitet, daß auch der: Versuch gemacht worden, sogenannte Grundlehren aüsznziehen und aufzuzählen.,- ist bekannt. - Es .hat aber niemals im Judenthum §jne> Alltorität gegeben, welche aus.solchen Glaubens -, Lehr-u und Grundsätzen »ein Bekenntnißformülare zu bilden und dasselbe als Bedingung des jüdischen' BekenUtniffes aufzudrängen versucht hätte, so daß wer non ''dem Buchstaben: oder dem Geiste - jedes Formulares ab wiche, als Ketzer zu betrachten und zu behandeln Mre. - ES versteht fich von selbst, daß das ganze Wesen deS Judenthums in dem Bekenntnis der Einheit GotteS seine Wurzel hat, daß daS Judenthum die heilige Schrift' als seine ewige Basis betrachtet,-und daß dem Judenthum die lange Reihe von Weifen und Lehrern, welche in ihm gelebt und gearbeitet haben, so wie seine ganze' geschichtliche' Entwickelung große Autorität hat. Auf diesem festen und weiten Boden aber hat die Synagoge gestattet, daß'jeder Einzelne sich mit dem Einzelnen in seinem Glauben Änd Gewissen abfinde. ^Wer erkennt nicht, daß hiermit' im Jüdenthum selbst her Gewissensfreiheit hine Garantie gegeben ist, welche eS insbesondere geschickt mäht, - dies große Princip zu tragen-und zu verwirklichen. Hiezu kommt nun, daß schon viele Jahrhunderte im Judenthuin jede hierarchische Einrichtung fehlt. Es ist der-'Bettachtungr'isthV^w'ürd'ig/'zü sehech wie vom Beginn an in unserer Religion dieRichtüng därüuf hin'ging, bei aller Positivität hierarchische Gewalt zu vermeiden. Trat schon in der Schrift nur aus nothwendigen Verhältnissen eine Priesterfamilie an die, Stelleder Erstgeborenen, war dieser selbst das Richteramt 'nicht unbedingt anvertraut, und wesentliche Macht durch die schwankendes Einkünfte versagt, aus die sie angewiesen war, zeigt sich'ihr Ein-