Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1856)
- Date
- 1856-06-23
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
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353 durch nur' Protestanten zugängig. Vor einigen Jahrenwurde es.erweitert, und die zuständigen Instanzen hoben-die Eonftssionsbedingungen auf/ Ein jüngster Fall gab dem' Vorstandes der jüdischen Gemeinde Veranlassung, zu erproben, ob auch, wirklich -Israeliten Ausgenommen' Würden. Er erhielt von dem Vorstande des Klösters folgende Antwort: : „Dm?verehrlichen Vorstand benachrichtigen wir auf das gefällige Schreiben vom 22. v. M., daß wir den Handelsmann Liepmann Rosenbaum vom 17. v. ab unter die Zahl der Präbendaten des Klosters St. Augustini ausgenommen haben, nachdem die nähere Prüfung seiner Verhältnisse seine Würdigkeit und Bedürftigkeit bestätigt hat. - ■ r >,Es ist uns angenehm gewesen, daß es die Umstände zuließen, den Wünschen des verehrlichen Vorstandes schon jetzt entgegenzukommen und daß das neue Statut des Klosters, das in Bezug auf die Wdhlthäten: der; Anstalt jeden Unterschied , der Religion'beseitigt wissen will, die Aufnahmefähigkeit deS Herrn' Rofettbaum überhaupt begründet hat. :' Magdeburg, den 19. Mai 1856. /Der Vorstand des; Klosters St. Augustinu" ."Der' Gemeinde - Vorstand antwortete folgendermaßen : Hem hochgeehrten Vorstand sagen wir für die schnelle Aufnahme unseres Empfohlenen, deS Handelsmanns Liepmann Rosenbaum unter die Zahl der Präbendaten des Klosters St. Augustini unfern tief empfundenen Dank. -'--H.'„Wir preisen eine Anstalt, die ihre Wohlthaten rein'dem bedrängten Menschen spendet , ohne nach seinem-Glauben zu fragen, wir preisen aber auch die edlen Männer, nbie eine solche Bestimmung nicht blos auf dem Papiere stehen, sondern sie zur That werden lassen. i Gott erhalte Sie noch fange zu segensreichem MirkeN. --Magdeburg) den 30. Mai 1856. - -Der-Vorstand der Synagogen-Gemeinde." Berlin/ 1i Juni. An hiesiger Universität besteht ein : kleines- Stipendium: für Mediciner - - welches: alljährlich : Denen gewährt; wird,: ■:die sich durch ein im Auditoriumzu fertigendes Extemporale darum bewerben/. l.Danwie gewöhnlich die Aufforderung zur Bewerbung! allgemein an die Commilitonen gerichtet war, so war auch diesmal die beträchtliche Zahl von 20 Stüdentett erschienen, als der Decan Professor Jüngken erschien und den Versammelten) Wie die ,)Feuerspritze^ berichtet, eröffnete, daß aus höhere Anordnung diesmal nur christlichen- Studenten der Medicin die Begünstigung deS Stipendir gewährt werden würde. In Folge dieser Anzeige mußten sich 18 Studenten eptfernen! (Es frägt sich hierbei, aus welcher Quelle die Summen zu diesem Stipendium stießen. Wenn wir nicht ganz irren, so sind es Gelder aus der Kirchen-Collecte der Provinz Brandenburg, und in diesem Falle hätte die Behörde durchaus nicht Unrecht. Redact.) - Hirschberg in Schl., 8. Juni. (Privatmitth.) Der 22. Mai e. war für die jüdische Gemeinde Hirschbergs ein Tag allgemeiner Freude. Die Veranlassung dazu gab - das 70. Geburtstagsfest ihres ersten Vorstehers, Herrn M. I. Sachs,' der in treuer, langjähriger Pflege seines Amtes nunmehr zum Greise geworden ist und der sich vielfach um die Gemeinde verdient gemacht hat, indem er Zeit und -Kräfte^ Geld- und andere Opfer niemals scheute, wenn es galt, innerhalb derselbendas Gute- und Schöne zu befördern. Schon zum Vorabende des Geburtstages war von einem Festcomite der Gemeinde ein öffentlicher Gottesdienst angeordnet, zu welchem das hiesige schöne Gottesbaus prächtig decorirt und glänzend erleuchtet war. Um 8 Uhr trat der stattliche Greis in seiner gesunden und kräftigen Haltung, von zwei Festordnern abgeholt und durch eine Ehrenpforte geführt, ins Heiligthum des Herrn. In feierlichem Schweigen sah die zahlreiche Versammlung seine ersten Thränen der Überraschung und der rührendsten Freude seinen Augen entströmen, bis der Chor das tiefe Schweigen unterbrach und den 1. Psalm anstimmte. Diesem schloß sich eine Festrede des Predigers an, in der -derselbe,-von dem Grundsätze ausgehend, daß es zu schwer ist, einem lebenden Anwesenden eine Lobrede zu halten, aber ungleich schwerer noch, sich eine solche halten zu lassen, es vorsichtig umging/ dem schlichten Sinn und des großen Bescheidenheit des Gefeierten ■ zu nahe zu treten, weshalb er sich mehr allgemein zu halten suchte. Doch war ‘ der Jubilar selbst von den wenigen an ihn gerichteten WdrteNso sichtbar ergriffen, daß sein Anblick die allgemeine Andacht, zu einer wahrhaft ernsten und-inbrünstigen machte. Nach einem herzlichen Gebete zu Gott schloß der Red- 26